VfB-Vorstandschef Alexander Wehrle (li.) und Sportdirektor Fabian Wohlgemuth stoßen auf die Vizemeisterschaft an. In unserer Bildergalerie blicken wir auf die Party am Samstag zurück. Foto: Baumann

Mit einer rauschhaften Vorstellung und einem ebensolchen Fest verabschiedet sich der VfB Stuttgart beim 4:0 gegen Borussia Mönchengladbach aus der besten Saison der Vereinsgeschichte. Für Sportchef Fabian Wohlgemuth stehen nun wegweisende Wochen bevor.

Die Party endete erst, als der Morgen längst angebrochen war. Alle waren sie im Stuttgarter Nobel-Italiener Amici noch einmal zusammengekommen. Spieler mit Frauen, Trainer- und Betreuerstab, Mitarbeiter. Und auch die zweite Mannschaft war noch dazugestoßen, samt Regionalliga-Meistertrophäe. Der Drittliga-Aufstieg machte am Wochenende die weiß-rote Glückseligkeit perfekt.

 

Die war am späten Nachmittag bereits in einer Stadion-Sause gegipfelt, wie man sie zumindest in dieser Spielzeit noch nicht erlebt hat. Selbst in Fanforen des beim 0:4 hoffnungslos unterlegenen Gegners aus Mönchengladbach wurde die Atmosphäre als einzigartig gepriesen. Angeheizt von der auf den letzten Metern noch errungenen Vizemeisterschaft mit 73 Zählern (Punkterekord in der Stuttgarter Bundesliga-Historie) eskalierte der Kessel komplett.

Guirassys Ankündigung: Nächste Saison wird hoffentlich noch besser

„Ich liebe die Fans, der Verein ist überragend“, bekannte Stürmer Deniz Undav, der als Feierbiest voranging. Gemeinsam mit Kapitän Waldemar Anton und Torhüter Alexander Nübel suchte er den Nahkontakt zum Anhang. Für einen kurzen Moment ließ sich auch der Cannstatter Volksheld Serhou Guirassy auf dem Zaun blicken. Um dabei etwas kryptisch anzukünden: „Nächste Saison wird hoffentlich noch besser!“

Ob mit oder ohne ihm, ist die große Frage, die VfB-Sportdirektor Fabian Wohlgemuth in den kommenden Wochen begleiten wird. Der 45-Jährige darf als einziger noch nicht in den Urlaubsmodus schalten. Auf den designierten Sportvorstand – Wohlgemuths Beförderung steht bald an – kommen nach einer rauschhaften Saison mit dem Höhepunkt am Samstag nun die Aufräumarbeiten zu. Das Feilschen auf dem Transfermarkt geht jetzt richtig los. Mit Blick auf den 28-Tore-Stürmer Guirassy äußerte Wohlgemuth am Wochenende zumindest die leise Hoffnung auf einen Verbleib: „Wir sind nicht chancenlos. Nach der Leistung gegen Mönchengladbach werden die Begehrlichkeiten aber nicht kleiner.“

Undav über Guirassy: „Ich bearbeite ihn die ganze Zeit“

Ähnlich sieht es sein kongenialer Sturmpartner Undav. „Wenn du so ein Stürmer bist mit so einer niedrigen Ausstiegsklausel (20 Millionen Euro; d.Red.), ist klar, dass die großen Vereine anklopfen. Dann müssen wir uns nichts vormachen, dass er den nächsten Schritt machen will.“ Der deutsche EM-Fahrer möchte zumindest alles versuchen, Guirassy von einem Verbleib beim VfB und gemeinsamen Auftritten in der Champions League zu überzeugen. „Ich bearbeite ihn die ganze Zeit“, verriet der Stürmer. „Aber der lässt sich nicht in die Karten schauen.“

Undav selbst ist da klarer. Er unterstrich nach dem 4:0-Sieg noch einmal seinen Wunsch, in Stuttgart bleiben zu wollen. Losgelöst von der Tatsache, dass bei seinem Stammclub Brighton & Hove Albion kommende Saison ein neuer Trainer auf der Bank sitzen wird und der VfB sich bei der festgeschriebenen Ablöse von 20 Millionen Euro ganz schön wird strecken müssen.

Nick Woltemade unterschreibt bis 2028

Eine Stürmerkategorie unter Guirassy/Undav ist der ablösefreie Transfer einzustufen, den der VfB am Montag offiziell bekannt gab: Nick Woltemade (22) von Werder Bremen unterschrieb bis 2028. Er hat sich nach den Worten von Wohlgemuth in der Bundesliga etabliert. Nun ist der Sportchef überzeugt davon, dass er „seine positive Entwicklung bei uns fortsetzt“.

1,98 Meter groß, wuchtig und dennoch spielstark – so präsentierte sich der gebürtige Bremer, der als kleiner Junge in den Ferien des Öfteren beim VfB-Training zugeschaut hat, in seiner Premierensaison in der Bundesliga. Nun soll er in Stuttgart den Konkurrenzkampf befeuern.

Gleiches gilt für Justin Diehl. Der 19-Jährige vom 1. FC Köln, ebenfalls Angreifer, ist neben Yannik Keitel (24/SC Freiburg) der nächste designierte Neuzugang beim Champions-League-Teilnehmer. Die beiden Transfers sollen in den kommenden Tagen bekannt gegeben werden.

Seit Samstag fest stehen die Abgänge einer Reihe von Edelreservisten: Genki Haraguchi (wird mit Fortuna Düsseldorf in Verbindung gebracht), Lilian Egloff, Roberto Massimo, Mo Dahoud und Torhüter Florian Schock wurden vor der Partie gegen die Borussia offiziell verabschiedet. Auch Techniktrainer Nate Weiss wird den VfB Richtung FC Bayern verlassen.

Mut, Stolz und Selbstbewusstsein in die neue Saison mitnehmen

Ein allzu großer Umbruch wird jedoch nicht erwartet. „Ich hoffe, dass die meisten hierbleiben“, sagte Deniz Undav mit Blick auf weitere hochgehandelte Leistungsträger wie Chris Führich oder Hiroki Ito. Alle wird Wohlgemuth nicht halten können. Gerade Ito gilt – rein aus wirtschaftlicher Sicht – als potenzieller Verkaufskandidat. Wohlgemuth steht vor der Herausforderung, einerseits Transfererlöse zu erwirtschaften und den Kader andererseits stark und breit genug für die künftige Dreifachbelastung aufzustellen.

Man wolle den Mut, den Stolz und das Selbstbewusstsein mit in die neue Spielzeit nehmen, kündigte Wohlgemuth an, ehe er sich am Samstagabend zur Abschlussfeier aufmachte. Und fast wehmütig anmerkte: „Schade, dass die Saison zu Ende ist.“