SPD-Landtagskandidatin Bettina Ahrens-Diez gratuliert Sadik Varol, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, zur deutschen Staatsbürgerschaft. Foto: Hannes Kuhnert

Sadik Varol und seine Frau Ferides haben nach 48 Jahren in Deutschland den deutschen und den türkischen Pass bekommen.

„Jetzt kann ich dich 2026 in den Landtag von Baden-Württemberg wählen“, sagt Sadik Varol und strahlt Bettina Ahrens-Diez freudig an. Sie ist Kandidatin des Wahlkreises Freudenstadt der SPD für die Landtagswahl. Und sie ist nach Freudenstadt gekommen, um Sadik Varol und seiner Frau Ferides zum Erwerb der türkisch-deutschen, also der doppelten, Staatsbürgerschaft zu gratulieren.

 

Darauf hatte das Ehepaar 48 Jahre gewartet. Mal mehr, mal weniger ungeduldig. Jetzt, nach der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts im Jahr 2024, ging plötzlich alles ziemlich schnell. Stolz präsentiert der 71-Jährige seine beiden Ausweis-Dokumente: Den deutschen und den türkischen Pass.

Er ist überzeugt von der Demokratie

Varol habe den Schritt getan, sagt die Kandidatin, der für einen Sozialdemokraten, der die Demokratie überzeugt lebt und verteidigt, überfällig sei. Das habe ihm die wiederholt geänderte bundesdeutsche Gesetzeslage nicht immer leicht gemacht.

Varol kam im September 1977, also vor 48 Jahren, aus Istanbul nach Freudenstadt, wo bereits seit zwei Jahren seine spätere Frau Ferides mit ihren Eltern lebte. Varol hätte gerne gearbeitet, seinerzeit aber wollte ihm das Arbeitsamt – so erzählt er im Gespräch mit unserer Redaktion – eine Arbeit erst nach dreijährigem Aufenthalt in Deutschland vermitteln. „Dagegen habe ich als erster türkischer Alevite in Deutschland geklagt und nach anderthalb Jahren auch gewonnen“, erinnert sich Varol. Er fand mit dem Gerichtsbeschluss zunächst einen Job als Kolonnenführer bei einer Gerüstbaufirma und arbeitete gut zehn Jahre in einer Dornstetter Drehmaschinenfabrik. Er bildete sich fort und erlangte schließlich als Hausmeister der Falkenrealschule in Freudenstadt in knapp 20-jähriger Tätigkeit nahezu Kultstatus.

Gründete die alevitische Gemeinde in Freudenstadt

Längst hatte er seine Ferides, die er bereits in der Türkei kennengelernt hatte, geheiratet. Beide haben zwei inzwischen erwachsenen Kindern Ausbildung und Studium ermöglicht, leben im eigenen Haus und sind stolze Großeltern von fünf Enkeln. Seit 2019 genießt Sadik Varol den Ruhestand.

Es ist ein Unruhestand, denn schon früh hatte er sich sozial in seiner Umgebung engagiert. Er gründete und leitete über viele Jahre die alevitische Gemeinde in Freudenstadt, später auch in Köln, und war Vorstand der baden-württembergischen Dachorganisation der Aleviten. Er ist Mitglied in acht Vereinen, singt und musiziert, spielt Theater bei der Studiobühne Baiersbronn, sitzt im Vorstand von „Kultur am Dobel“, engagiert sich im Roten Kreuz, chauffierte das Seniorentaxi – und damit ist die Aufzählung noch nicht komplett.

Seit 2000 Mitglied im Ortsverein Freudenstadt der SPD

Sadik Varol mag Deutschland, das für seine Familie und ihn zur Heimat geworden ist. „Mir gefällt die Ordnung hier“, sagt er. Die Kontakte zur Türkei, zu dortigen Freunden und Verwandten haben seine Frau und er nie abreißen lassen, wiederholt organisierten sie Studienreisen in die anatolische Heimat und nach Istanbul.

Politisch immer auf der Höhe, ist Varol seit 2000 Mitglied im Ortsverein Freudenstadt der SPD, rückte bald in die Vorstände von Ortsverein und Kreisverband und übernahm vor vier Jahren den Vorsitz im Ortsverein. Dort erreichte Varol höchste Anerkennung, als er dazu beitrug, in einem parteiinternen Wettbewerb die Mitgliederzahlen im Orts- und Kreisverband deutschlandweit am erfolgreichsten zu steigern.

Möchte Deutschland etwas zurückgeben

„Ich will soziale Gerechtigkeit, ich will Frieden überall, Frieden ohne Waffen“, macht Varol seine politische Überzeugung mit wenigen Worten deutlich. Im Blick auf die derzeitige politische Lage weiß er auch: „Die Realität sieht anders aus. Leider.“

Sein Engagement in Ehrenämter versteht der immer penibel gekleidete Mann als einen Dank an Freudenstädter Bürger und Behörden, die seine Familie und ihn immer mit offenen Armen empfangen hätten: „Ich möchte diesem Land und seinen Menschen auch etwas zurückgeben.“