Der Prototyp für das Instrument, das in Galizien gar keinen Namen hat: Xerardo F. Santomé zeigt stolz das Produkt monatelanger Bemühungen. Foto: Ungureanu

Das Sackpfeifen-Treffen, das am Wochenende wieder in Dürrwangen stattfand, ist weit mehr als nur das Musizieren mit luftgefüllten Schweinsblasen. Es bedeutet auch Freundschaft, Liebe und weit geöffnete Türen nach Europa.

Balingen-Frommern - Im Haus der Volkskunst in Dürrwangen steht auf einer Baumscheibe ein Stein mit einem Schlüssel und einer Plakette: "Die Dudelsackspieler aus Xistra geben der Volkstanzgruppe Frommern den Schlüssel zurück, der uns die Türen nach Europa geöffnet hat. Vielen Dank." Der Stein stammt vom Strand bei Coruxo. Der Draht, mit dem der Schlüssel daran befestigt ist, ist der gleiche, den die Galizier nehmen, um ihre Weinreben zu binden. Ein Symbol für das Meer, das Zuhause und die Offenheit, sagt Xerardo F. Santomé, der Leiter der Gruppe, die zum Dudelsacktreffen nach Dürrwangen gekommen ist.

Regelmäßig zu Besuch

Schmunzelnd erinnert sich Manfred Stingel, von Anfang an "Motor" der Dürrwanger Dudelsacktreffen, dass er in Coruxo in Galizien mit der Tanzgruppe zu Gast gewesen war. Gegessen habe man in einer Schulmensa, "es gab immer Fisch und Cola. Ich liebe Fisch, aber irgendwann habe ich gefragt, wo denn der Wein ist". Da habe es gefunkt: Eine Einladung folgte, zunächst mit der Tanzgruppe. 1995 waren die Galizier erstmals in Dürrwangen zu Gast, und später regelmäßig beim Dudelsacktreffen dabei.

Mit der Anregung Stingels, eine Plater zu bauen und mitzubringen, konnte der galizische Freund zunächst nicht viel anfangen. Dann entdeckte er ein Buch über die "Gaita de vincha" und fand auch Darstellungen des Instruments in den "Cantigos de Santa Maria" aus dem 13. Jahrhundert, als Königin Beatrix von Schwaben regierte.

Kleine Demonstrationen

"Eine weitere Verbindung zwischen Galizien und dem Schwabenland", bemerkt Santomé. Die Darstellungen, sagt er, seien so genau gewesen, dass man das Instrument habe nachbauen können. Sechs Monate lang habe ein Dudelsackbauer versucht, einen "spielbaren Prototyp" herzustellen. Zuletzt aus Eibe: "Er hat immer wieder Löcher gebohrt, und immer wieder war das Ergebnis unbrauchbar und musste weggeworfen werden." Hier, in Dürrwangen, sei man nun auf ein weiteres Problem gestoßen: Die Luft sei zu trocken, das Holz zu weich. Es verforme sich, klinge anders. Aber für eine kleine Demonstration reichte es allemal.

Auch Andrea Pisu, der mit drei weiteren Musikanten aus Sardinien zum Dudelsacktreffen gekommen ist, und Manfred Stingel vom Haus der Volkskunst sind alte Freunde: 2005 hatte man sich in Dürrwangen erstmals getroffen, erzählt Pisu. Der Präsident des sardischen Kulturvereins, Mario Ligas, habe ihn damals als Musikanten zu diesem "Hotspot der Kultur" mitgenommen. Seither habe es Jahr für Jahr Besuche und Gegenbesuche gegeben. 2016 wurde Manfred Stingel dort mit einem Preis für seine musikalische Arbeit ausgezeichnet – mit dem sardischen "Oskar", bemerkt Pisu und grinst.

Er selbst ist ein Meister auf den "Launeddas", den dreifach-Pfeifen, die beidhändig gespielt werden. Mit der "Plater" tut er sich schwer. Er nutzt seine Mundhöhle als Luftsack. Mit der "vorgebauten Saubladder", um direkten Kontakt mit dem Speichel zu vermeiden, sei das Instrument zu wacklig. Deswegen, vermutet er, sei es vermutlich ausgestorben und nicht mehr in Gebrauch.

Neue Heimat

Als junger Mensch in diese Atmosphäre mit Volksmusik, Tänzen und alten Traditionen hineinzuwachsen, sei ein "großes Glück", sagt Maria Sarritzu. Ursprünglich war sie wie Andrea Pisu als Musikantin nach Dürrwangen gekommen, hatte sich ins Schwabenland verliebt und fand eine Wahlheimat in Dotternhausen. Das Haus der Volkskunst ist für sie "einer der schönsten Plätze überhaupt".

Jörg Neubert, der Leiter der Volkstanzmusik und der Gruppe Danzbar, hat wiederum in den Abruzzen sein Glück gefunden: Er lernte dort seine zukünftige Frau Sandra kennen und lieben – und nahm sie nach Dürrwangen mit. Mittlerweile hat er Italienisch gelernt, dolmetscht für die Besuchergruppen. Seine Frau – übrigens die Schwester des Präsidenten des sardischen Kulturvereins – spricht mittlerweile Deutsch, unterrichtet Italienisch an der Volkshochschule. Und es gibt immer wieder schwäbisch-sardische Kulturprojekte.