Das sächsische Bad Schlema war jahrzehntelang geprägt durch die Uranmine Wismut. Foto: picture alliance / dpa

Ein Kandidat der Rechtsaußen-Partei „Freie Sachsen“ liegt bei der Suche nach einem neuen Oberbürgermeister im ersten Wahlgang vorne.

Die beiden sächsischen Städte Aue und Bad Schlema sind diesseits des Erzgebirges noch wenig bekannt. Aue allenfalls wegen des traditionsreichen Fußballvereins, der inzwischen allerdings in der vierten Liga spielt. Bad Schlema, wo zu DDR-Zeiten Uran abgebaut wurde, galt zeitweise als „das stärkste Radiumbad der Welt“. Die 2019 zur Doppelstadt fusionierten Orte könnten demnächst auf unrühmliche Weise Prominenz erlangen: Bei der Wahl des Oberbürgermeisters gilt ein Neonazi als Favorit. Stefan Hartung (37) von der Partei „Freie Sachsen“ hat im ersten Wahlgang 29 Prozent der Stimmen erlangt.

 

Rechtsradikale kommt auf ein Drittel der Sitze im Gemeinderat

Hartung liegt damit deutlich vor den Konkurrenten der CDU (23,6 Prozent) und der Freien Wähler (22,5 Prozent). Er darf noch auf unerschlossenes Stimmenpotenzial mit rechter Gesinnung rechnen: Bei der Kommunalwahl 2024 hatte die AfD mit 21,8 Prozent die meisten Stimmen erreicht, die „Freien Sachsen“ kamen auf zwölf Prozent. Der sächsische Verfassungsschutz verzeichnet „zunehmend Kooperationen“ zwischen den beiden Rechtsparteien. Verglichen mit den „Freien Sachsen“ erscheint die AfD fast schon harmlos und gesittet. Die Kleinstpartei mit etwa 1200 Mitgliedern verunglimpft laut Verfassungsschutz Flüchtlinge, bezeichnete sie pauschal als Kriminelle, propagierte die „Überflüssigkeit der Demokratie“ und einen „Säxit“, den Austritt Sachsens aus der Bundesrepublik.

Hartung, der seit 2009 im Gemeinderat von Bad Schlema sitzt und seinen Unterhalt als IT-Unternehmer verdient, bewirbt sich mit einem vergleichsweise moderaten Programm für den Chefsessel im Rathaus: Er tritt für mehr Bürgerbeteiligung ein, verspricht „möglichst niedrige Elternbeiträge“ in Kitas. Zudem will er die „hohe Qualität des Winterdienstes aufrechterhalten“.