Malen und Musik: Uli Viereck im Büro der Klinikseelsorge. Links im Foto eines seiner Gemälde. Auch dafür hat er im Ruhestand mehr Zeit. Die Gitarre ist für ihn auch Arbeitsinstrument. Foto: Cornelia Hellweg

Von Jugendarbeit bis Sterbebegleitung – die Arbeit als Pastoralreferent und Klinikseelsorger in VS war für Uli Viereck bereichernd. Bald verabschiedet er sich in den Ruhestand.

Es wird ein gleitender Übergang in die nächste Lebensphase. Denn für nächstes Jahr hat er ein Sabbatjahr eingeplant. Reisen, Malen und Musik haben bisher schon sein Leben bereichert. Dafür hat er dann ab dem kommenden Jahr mehr Zeit – und für Freunde sowie die Familie. Aber so ganz lässt ihn die Arbeit dann doch nicht los.

 

„Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen“, sagt der 66-Jährige. Aufgewachsen in Rottweil trat er 1990 seine Stelle als Pastoralreferent in der heutigen katholischen Seelsorgeeinheit Neckar-Baar in Schwenningen an. Von Anfang an richtete er seinen Fokus auf die Jugendarbeit in der Gemeinde, später kam die Hochschulseelsorge mit dazu. „Die Initiative ging damals vom Rektor der HFU aus, weil es Suizide gegeben hatte, und es war ihm ein Anliegen, dass sich die Kirche bei den Studierenden einbringt“, erinnert er sich.

Viereck baute dieses Arbeitsfeld anfangs alleine auf, später kam es zur ökumenischen Zusammenarbeit. „Ich habe angefangen, Studentenprogramme auch auf Englisch oder Spanisch zu gestalten, das hat die internationalen Studenten ganz anders angesprochen.“ Es entwickelten sich gemeinsame Freizeitaktivitäten, Wanderungen, Kochevents, liturgisch-spirituelle Angebote und Wallfahrten. So manche Fete zur Semestereröffnung der HFU fanden damals im Gemeindehaus St. Franziskus statt.

Neue Impulse in der Jugendarbeit

In der Jugendarbeit setzte er seine Impulse und organisierte wieder Zeltlager, die es damals nicht mehr gab, lud ein zu Kanu-Wallfahrten auf der Donau nach Untermarchtal, die auf tolle Resonanz stießen. Erst kürzlich sei er wieder angefragt worden, ob er in seinem kommenden Sabbatjahr wieder mit Jugendlichen nach Taizé fährt, und das Zeltlager der katholischen Jugend am Bodensee steht auch schon wieder in seinem Kalender.

Das ökumenische Zentrum Taizé in Frankreich ist bekannt für seine Jugendtreffen. „Taizé ist ein inspirierender und spiritueller Ort, und ich bewege mich gerne in interkulturellen Räumen.“ Nach wie vor bietet er mehrsprachige Taizé-Gebete in Schwenningen an. Bis März kommenden Jahres sind noch drei geplant. Um Pfingsten 2026 ist die Fahrt zum Jugendtreffen in Vorbereitung. Mit Blick auf den Ruhestand sagt er: „Taizé wird mich auch in Zukunft wieder sehen“.

Seit 2002 arbeitet er als Klinikseelsorger, zuerst auf einer halben Stelle. Mit Inbetriebnahme des zentralen Schwarzwald-Baar-Klinikums im Jahr 2010 wurde die Arbeitszeit aufgestockt. Hier gilt der Blick den Menschen mit unterschiedlichsten Krankheiten und auch deren Angehörigen, aber auch den vielen Mitarbeitenden in der Klinik. Besonders berührend sind die Begegnungen mit den Schwerkranken und den Sterbenden. Als Pastoralreferent schließt sein Beruf den Umgang mit Tod und Trauer ein. Einmal in der Woche besucht er das Hospiz Via Luce als Seelsorger. „Es ist eine kostbare Erfahrung, Menschen in Krisen begleiten zu dürfen. Im Sterben und in der Trauer erkennt man oft noch tiefer, was den Menschen ausgemacht hat und welche Wertschätzung einem Menschen gebührt.“

Die Kraft der Musik

Wo Uli Viereck wirkt, ist die Gitarre nicht weit. „Ich habe entdeckt, dass ich mit Musik Menschen so oft viel leichter erreichen kann.“ Tränen lösen sich, Zuversicht entstehe. Seiner Erfahrung ist es bei der Sterbebegleitung wichtig, dass Menschen begreifen, „was da passiert und ihrer Trauer und ihrem Schmerz Ausdruck verleihen können“. Er habe Menschen erlebt, die im Sterben zum Glauben gefunden hätten, aber auch kirchlich gebundene Menschen, die in dieser Phase mit Gott sehr gehadert haben. „Ich habe immer wieder sehr ’heilige Momente’ erlebt, wenn Menschen in Frieden gehen konnten und die Angehörigen so etwas wie Trost spüren konnten.“ Auch in seinem Sabbatjahr werde er noch manchmal Trauerfeiern gestalten.

Arbeit im Palliativzentrum

Die Mitarbeit im multiprofessionellen Team des Palliativzentrums ist für ihn eine kostbare Erfahrung, die ihn gestützt und ermutigt hat. Bekannt ist Uli Viereck für seine Labyrinth-Bilder, von denen auch welche im Palliativzentrum zu sehen sind. In den vergangenen Jahren fotografierte er für das Projekt „AUGEN-BLICKE“ immer wieder Gesichter von Menschen, „die auf das nahende Ende ihres Lebens schauen“. 25 dieser Porträts sind derzeit in der Galerie des Zentralklinikums ausgestellt. Ihn beeindruckt, wie beseelt und vital die Gesichter von Menschen in der Endphase ihres Lebens noch sind und was sie an Wärme und Verbundenheit ausstrahlen können. Sie haben ausdrücklich zugestimmt, dass diese Fotos in einer Ausstellung gezeigt werden. „Wir blicken in diese tiefe Schönheit, die Menschsein heißt und die bis zum Ende bleibt...und für die Hinterbliebenen weit darüber hinaus“, heißt es dazu in der Info dazu.

Abschied und Neubeginn

Den richtigen Ton zu finden, zeichnet die Arbeit von Uli Viereck besonders in diesem Umfeld aus. Da lässt sich nicht so einfach der Schlussstrich ziehen. Im Palliativzentrum will er gern noch ein Zeit lang weiter mitwirken. Der 66-Jährige freut sich auf mehr Zeit zum Reisen, auch für die zwei Enkelkinder, auch Zeit zum Lesen und Malen, für Besuche bei ihm lieben Menschen. Viele Wege legt er mit dem Fahrrad zurück. Inzwischen ist er Besitzer eines E-Bikes und kann so seinen Aktionsradius auf zwei Rädern ausweiten. Die Stelle für die Klinikseelsorge wird neu besetzt und ist ausgeschrieben. „Mein Wunsch wäre, dass die Neubesetzung bald zusammen mit meinem Abschied stattfinden könnte.“