Diese Metalclique kommt aus Endingen am Kaiserstuhl. Timo (Mitte) war seit 1999 jedes Jahr auf dem Bang-Your-Head-Festival. Foto: Marschal

„Bang-Your-Head-Nostalgie“ herrscht auf dem Campingplatz des RV-Bang-Festivals. Besucher aus allen Teilen Deutschlands sind nach Balingen gekommen, um an alte Zeiten anzuknüpfen.

Laut tönt schon am frühen Morgen Metalmusik aus verschiedenen Boxen auf dem Campingplatz des RV-Bang-Festivals. Von Mittwoch bis Sonntag dient der Parkplatz der Mey-Generalbau-Arena als „Holy Campground of Heavy Metal“, wo Besucher von weiter her ihr Lager aufschlagen und nächtigen können.

 

Die Kennzeichen der Autos zeigen, dass manche einen weite Anreise hinter sich haben: B für Berlin, N für Nürnberg, KO für Koblenz und HH für Hamburg, F-68 für das Elsass. Gelegentlich sieht man auch BL- und RW-Kennzeichen, welche die Luftmatratze an diesem Wochenende dem heimischen Bett vorziehen.

Während manche Camper schon das erste Bier des Tages frühstücken, bauen andere noch ihre Zelte auf oder widmen sich der Körperpflege.

Michael aus Kusel in Rheinland-Pfalz ruht sich aus, um Energie für das Festival zu haben: Zwischen seinem Auto und einer Laterne hat er eine Hängematte gespannt, in der er im Schottenrock gekleidet döst. Seit Mittwochabend ist er mit seinen beiden Töchtern in Balingen, am Freitag und Samstag wächst ihre Gruppe weiter an.

Er bedauert es, dass er im vergangenen Jahr zu spät davon erfahren hat, dass es in Balingen mit dem RV-Bang wieder ein Metal-Festival gibt. „Ich habe mir dann sofort mein Ticket gesichert“, sagt er. Die fünf Bang-Your-Head-Festivals, die er besucht hat, sind ihm in guter Erinnerung geblieben. Ein ähnliches „Feeling wie damals“, erhofft er sich.

Michael aus Rheinland-Pfalz ruht sich in seiner Hängematte aus. Foto: Marschal

Eine Gruppe aus Endingen am Kaiserstuhl sitzt in ihren Campingstühlen unter dem Pavillon und „glüht“ für die Konzerte vor. Einer von ihnen ist Timo, der seit 1999 jedes Jahr beim Bang-Your-Head-Festival war, seine Freunde hat er mit dem Festivalfieber angesteckt.

Bei der Premiere des RV-Bangs sei er zwar nicht am Start gewesen, aber vor zwei Jahren extra für „Bang Your Südstadt“, einer Kneipennacht, welche die Wirte der Balinger Südstadt als Ersatz für das abgesagte Bang-Your-Head organisiert haben. Timo grüßt freudig einen bärtigen Mann, der an ihrem Camp vorbeigeht. „Ich habe schon einige getroffen, die ich noch vom Bang kenne“, sagt er. „Das ist wie eine Familie.“

Sabine und Eva beginnen den Festivaltag mit Brettspielen auf dem Campingplatz. Foto: Marschal

Sabine und Eva vom Bodensee spielen derweil Carcassonne. „Brettspiel passt immer – sogar zu Heavy Metal“, sagt Sabine und lacht. „Die Metalszene ist sehr tolerant“, findet Eva. Tagsüber wollen es die Schwägerinnen auf dem Campingplatz ruhig angehen lassen und sich erst gegen Spätnachmittag Bands ansehen.

Früher sind die beiden Jahr für Jahr zum Rock-of-Ages nach Rottenburg-Seebronn gefahren, doch nachdem auch dieses nicht mehr stattfindet, sind sie nun auf der Suche nach einem anderen Festival. „Mal schauen, ob wir öfters kommen“, meinen die beiden Frauen.

Der Bulli ist 45 Jahre alt und viel rumgekommen: Erstmals war Chap 2002 mit ihm auf dem Bang-Your-Head-Festival. Foto: Marschal

Für den 60-jährigen Chap aus Rottenacker bei Ehningen ist das RV-Bang schon das fünfte Festival, das er in diesem Jahr mit seinem 45 Jahre alten roten VW-Bus besucht. Der Bulli war schon einige Male in Balingen – davon zeugen die Campingaufkleber auf der Heckscheibe, die man beim Bang-Your-Head einst bekommen hat. Der älteste ist aus dem Jahr 2002.

Die Gruppe aus Rottenacker bei Ehningen bevorzugt eher kleine Metal-Festivals. Foto: Marschal

Der Gruppe gefällt es auf dem RV-Bang genauso gut wie beim Vorgängerfestival. „Es gibt kein Gedrücke, die Wege sind kurz, und es ist immer ein Klo frei“, sagt Chap. Die Damen der Gruppe loben vor allem die Duschen und die sauberen Klowägen auf dem Campingplatz. Warmes Wasser, das habe es auf dem Bang your Head nicht gegeben.

Das Kreuz mit der Inschrift „Niveau“ reist bei den „Auxbangers“ auf jedes Festival mit. Foto: Marschal

Für Andrea und Bernd aus Augsburg ist Balingen ein ganz besonderer Ort. Vor 21 Jahren haben sie sich beim Bang-Your-Head kennengelernt, 2010 folgte die Hochzeit und die Flitterwochen beim Metalfestival.

Im selben Jahr entstand auch das Kreuz, mit dem ihre Gruppe, die „Auxbangers“, das Niveau begraben haben. Seither folgt das Kreuz mit der Inschrift „Niveau“ auf jedes Festival. Das RV-Bang sehen sie als einen würdigen Ersatz für das „Bang“: „Es fühlt sich an wie heimkommen“, schwärmt Andrea. „Es braucht gar nicht mehr so groß werden.“

Für sie zählt das miteinander Zeitverbringen bei guter Musik. „Wir sind alle glücklich, dass es kleiner und familiärer ist. Auch die Bands müssen nicht immer die ganz großen sein“, ergänzt ihr Mann. Die Tickets für das kommende Jahr sind schon gekauft – ganz egal welche Bands spielen.