Im Freizeitpark Plohn in Sachsen steht seit 2019 eine "Big Dipper" aus der Achterbahnschmiede Mack Rides. Eine weiterentwickelte Version könnte die neue Attraktion des Europa-Parks werden. Foto: Freizeitpark Plohn

Gemeinderat schafft rechtliche Grundlage für Projekt. Jetzt gibt es handfeste Fakten.

Rust - Die Idee einer neuen Achterbahn steht schon länger auf der Agenda des Europa-Parks. Nun hat der Ruster Gemeinderat die Änderung des Bebauungsplans angestoßen und so die erste rechtliche Voraussetzung für das Projekt geschaffen.

Die Park-Leitung hat die Gerüchte über den Bau einer neuen Attraktion in jüngster Vergangenheit mit einigen Andeutungen selbst angeheizt. Jetzt gibt es handfeste Fakten.

Die Lage:  Nach den Plänen, die am Montag dem Gemeinderat vorlagen soll die Achterbahn nördlich des bestehenden Kreisverkehrs der Europa-Park-Straße in das bestehende Gelände des Parkes hinein gebaut werden. Auf der gegenüberliegenden Seite des Kreisels befindet sich die parkeigene Gärtnerei. Die Strecke soll zwischen Lagerhallen und dem Verwaltungskomplex errichtet werden und vom Dorf abgewandt sein. Zusätzliche Flächen werden nicht neu überplant, so die Kurzinfo zum Projekt.

Die Bahn:  Bei der neuen Bahn handelt es sich um eine weiterentwickelte Version des Produkts "Big Dipper" von Mack Rides. Auf sogenannten Magnetbeschleunigungsstrecken sollen die Züge bis zu 80 Stundenkilometer schnell und durch verschiedene Elemente gefahren werden, die jedoch die "Blue-Fire"-Achterbahn nicht überragen sollen. In der Spitze werden Kapazitäten ähnlich der Achterbahn "Silver Star" erwartet.

Das Verfahren: "Es klingt unspektakulär, wir müssen das Thema jedoch sauber abprüfen", sagte Bürgermeister Kai-Achim Klare im Bewusstsein, dass große Park-Projekte im Gemeinderat und im Ort kritisch begleitet und hinterfragt werden. Bis der Bebauungsplan rechtskräftig wird, gebe es noch viel zu tun, so Planerin Lioba Fischer aus Freiburg. Umwelt- Arten- und Lärmschutz sind Teil der Prüfung.

Die Kritik:  Auf Wunsch der ABFR-Fraktion ("Aktive Bürger für Rust") wird eine Bürgerbeteiligung vorgeschaltet. Ratsmitglied Elke-Maria Ringwald befürchtet noch mehr Lärm für die Ruster. Dass sich die Bahn vom Dorf abgewandt bewegen soll, sei nicht von Bedeutung, denn der Lärm verteile sich schließlich in alle Richtungen. Die Addition der Lärmbelastung im Park sei nicht unendlich und mit der neuen Bahn müsse ein Ausgleich geschaffen werden. "Ich bin gespannt auf die Bürgerbeteiligung", sagte Ringwald. In diesem Zusammenhang gab es von ihrer Fraktion harsche Kritik an der Holzachterbahn "Wodan", die "gefühlt immer lauter wird".

Die Stellungnahme: Diesem Argument verschloss sich Rathauschef Klare nicht, da müsse man nach Lösungen suchen. "Wir sind noch ganz am Anfang des Prozesses", sagte Patrick Marx von Mack Rides, der Achterbahnschmiede des Parks. Man habe durchaus technische Möglichkeiten, um eventuell auf verschiedene Bedürfnisse einzugehen. Zum neuen Achterbahnprojekt hält sich der Park noch zurück. Frühestens im Rahmen des Genehmigungsverfahrens werde es Details geben, teilte die Pressestelle auf LZ-Nachfrage mit. In Fan-Kreisen wird über eine Eröffnung 2023 spekuliert.

Infrastruktur soll umfassend neu geordnet werden

Nicht nur bei den Attraktionen ist Bewegung im Europa-Park. Geplant ist eine weitreichende Neuordnung der In­frastruktur. Gärtnerei mit Betriebshof sowie die Werks- feuerwehr und der Rettungsdienst sollen im Bereich der bestehenden Gärtnerei auf einem um 2,82 Hektar erweiterten Gelände zusammengeführt werden. Der Entwurf des neuen Bebauungsplans "Betriebshof/Gärtnerei Europa-Park" wurde vom Gemeinderat genehmigt.

Platz für Neues: Durch die Bündelung der verschiedenen Einrichtungen soll im Park Platz für Neues geschaffen werden. Ein wichtiger Aspekt für Feuerwehr und Rettungsdienst ist eine bessere Anbindung an das örtliche Straßennetz, mit direkter Zufahrt zur Europa-Park-Straße. Zwei Zonen für Lagerflächen und Gebäude – zum Beispiel für eine Rettungswache – sind vorgesehen.

Bürgerinfo geplant:  Im weiteren Verlauf des Verfahrens ist eine Bürgerinfo-Veranstaltung geplant. Nach Ansicht von Planerin Lioba Fischer wird nicht in den Natur- und Landschaftsschutz eingegriffen. Dennoch werde man das "volle Programm" abarbeiten, erklärte Fischer.

Bedenken wegen Wandhöhe:  Kritik gab es erneut von Elke-Maria Ringwald und Jörg Herdrich (beide ABFR) zur möglichen Wandhöhe von zwölf Metern. Zehn Meter sollten nicht überschritten werden, so Herdrichs Forderung. Aus Umweltschutzgründen solle keine Dauerbeleuchtung stattfinden und die Leuchtmittel nach unten gerichtet sein, sagte Ringwald.

Rat gibt Segen: Der Gemeinderat gab dem Entwurf des Bebauungsplans ohne Gegenstimme das Okay. Die nächsten Schritte: Anhörung der Träger öffentlicher Belange und Bürgerbeteiligung.