Von Waffenruhe keine Spur: Dieses Foto des staatlichen Rettungsdienstes zeigt angeblich ukrainische Feuerwehrleute in Aktion nach einem russischen Angriff auf die Region Sumy. Foto: Ukraine's State Emergency Servic

Russlands Präsident bringt im Krieg gegen die Ukraine die UN ins Spiel – und testet so mit neuer Dreistigkeit seine Grenzen aus. Das hat Gründe, schreibt StN-Chefredakteur Christoph Reisinger.

Die Ermutigung zeigt Wirkung. Mit seinem Vorschlag, die UN möchten doch in der Ukraine die legitime, demokratisch gewählte Regierung um Präsident Wolodymyr Selenskyj ersetzen, treibt Russlands Staatschef seine dreisten Forderungen weiter voran.

 

Das ist so schändlich wie folgerichtig. Schließlich gehört die Vernichtung der Demokratie in der Ukraine – und im Rest Europas – zu Putins zentralen Kriegszielen, seit er das Nachbarland 2014 überfallen hat. Die Preisgabe der Ukraine, die Putin-Kumpel und US-Präsident Donald Trump seit Wochen mit seinen sogenannten Friedensbemühungen betreibt, in Kombination mit der Unfähigkeit der verbliebenen Ukraine-Unterstützer – darunter Deutschland – ihre Hilfe schnell und substanziell hochzufahren, haben die politischen Möglichkeiten des Angreifers Russland bereits massiv erweitert.

So weit, dass er mit den Amerikanern den Einstieg in den Ausstieg aus den Strafmaßnahmen gegen sein Land verhandelt und Trump russischen Schiffen die Rückkehr in die Teile des Schwarzen Meers bahnt, in denen Putin einige seiner schlimmsten Niederlagen im Krieg gegen die Ukraine erlitten hat. Derweil greift Russland unvermindert an – nicht zuletzt die Energieinfrastruktur des Nachbarn.

Das lässt nur einen Schluss zu: Putin schert sich nicht einmal um das, was Trump als seinen ersten Verhandlungserfolg in Sachen Ukraine ausgegeben hat.