Die Kämpfe im Sudan halten seit 19 Monaten an. Foto: AFP/Amaury Falt-Brown

Großbritannien und Sierra Leone haben eine Resolution in den UN-Sicherheitsrat eingebracht, die zum Waffenstillstand aufforderte. Alle Mitglieder des Gremiums waren dafür – bis auf Russland.

Die Schimpftirade ließ der stellvertretende russische UN-Botschafter Dmitry Polyanskiy betont kühl an sich abperlen. Gerade hatte er im Auftrag seines Landes gegen einen Resolutionsentwurf gestimmt, der die Kriegsparteien im Sudan zu einer unverzüglichen Feuerpause aufgefordert hätte. Alle anderen 14 Mitglieder hatten dafür gestimmt, inklusive China.

 

„Zynisch” sei das, warf ihm der britische Außenminister David Lammy vor. „Dieses russische Veto ist eine Schande und zeigt der Welt einmal mehr das wahre Gesicht Russlands”, so Lammy. Sein Land hatte die Resolution zusammen mit Sierra Leone eingebracht. Polyanskiy quittierte das auf seine Weise – indem er demonstrativ am Handy rumdaddelte.

Klarer hätte er seine Gleichgültigkeit angesichts der laut den Vereinten Nationen „größten humanitären Katastrophe der Welt” nicht zum Ausdruck bringen können. Elf Millionen Menschen wurden vertrieben, Zehntausende starben. 26 Millionen sind von Lebensmittelknappheit bedroht – das ist über die Hälfte der Bevölkerung. Humanitäre Hilfe kommt vielerorts nicht an, dafür wäre ein Waffenstillstand die Voraussetzung.

Sudans Außenministerium begrüßte das Veto Russlands umgehend

Damit platziert sich Russland so deutlich wie nie auf der Seite von Sudans Armee, das sich seit 19 Monaten brutale Kämpfe mit der Miliz „Rapid Support Forces” (RSF) liefert. Bei vorangegangenen Resolutionen hatte sich Russland enthalten. Diesmal stimmte man im Sinne der Generäle, die Wladimir Putin den Bau seiner erhofften Militärbasis am Roten Meer zugesagt haben. Den sudanesischen Militärs stieß es übel auf, dass sie in dem Entwurf nicht als Regierung des Sudans bezeichnet wurden. Zur Erinnerung: Armee und die gesetzlich institutionalisierte RSF hatten im Jahr 2021 im Verbund gegen Sudans Übergangsregierung geputscht, was allgemein nicht als bester Legitimitätsanspruch gilt.

Polyanskiy aber erkannte in dem Entwurf einen „postkolonialen Anstrich“, das gewohnte Narrativ also, mit dem die Kreml-Propaganda seine Söldner-Entsendungen in vielen afrikanischen Länder begleitet. Großbritannien habe, „große Anstrengungen unternommen, um jede Erwähnung der legitimen Behörden des Sudan aus dem Text zu streichen“. Sudans Außenministerium begrüßte das Veto Russlands umgehend und erkannte darin eine Geste der „Unterstützung für die Unabhängigkeit und Einheit des Sudans.”.

Der Iran folgte im Juli dem russischen Beispiel

Die neutrale Verwendung des Begriffs „Kriegsparteien” für Armee und RSF hatte die Armee bereits als Anlass genommen, einem von den USA organisierten Friedensgipfel in der Schweiz fernzubleiben.

Russland tut den Generälen den Gefallen. Die Hauptstadt des Sudans wurde praktisch aus dem umkämpften Khartum in die Hafenstadt Port Sudan verlegt, die fest in der Hand der Armee ist. Dort hat Russland unverzüglich eine Botschaft eröffnet. Westliche Länder halten sich dagegen mit derartigen Schritten zurück, schließlich würden sie als Legitimitätsanerkennung des Regierungsanspruchs gewertet. Der Iran folgte im Juli dem russischen Beispiel und eröffnete ebenfalls eine Repräsentanz.