Eine Frau wirft Schutt nach draußen, während sie einen Friseursalon in Kiew aufräumt, der bei einem russischen Angriff beschädigt wurde. Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

Die EU bleibt im Umgang mit Russland gewohnt uneins und hasenfüßig. Warum das auch an Aufrufen aus der deutschen Wirtschaft liegt, schreibt Chefredakteur Christoph Reisinger.

So richtig es ist, dass ausländisches Vermögen in einer der Rechtsstaatlichkeit verpflichteten EU nicht einfach beschlagnahmt werden kann, so klar liegt der Fall: Selbstverständlich hat Russland für die Beseitigung der immensen Schäden aufzukommen, die sein verbrecherischer Angriffskrieg in der Ukraine anrichtet.

 

Russisches Geld für guten Zweck

Rechtssichere Wege sind vorgezeichnet, wie die in Belgien eingefrorenen rund 200 Milliarden Euro der russischen Zentralbank für diesen guten Zweck nutzbar zu machen sind. Europa muss das halt wagen. Trotz der politischen und finanziellen Risiken.

Sie nehmen sich winzig aus im Verhältnis zu jenen Gefahren, die ein russischer Sieg in der Ukraine für EU und Nato heraufbeschwören würde. Schließlich wäre das bloß ein Etappenerfolg auf dem Weg zu den Zielen, die Russlands Führung seit Jahrhundertbeginn immer offener nennt und seit 2014 mit brachialer Gewalt verfolgt: Schwächung der westlichen Demokratien und Rückgewinnung des einst sowjetischen Machtbereichs.

Wo 100 Milliarden Euro im Feuer stehen

Atemberaubend wirklichkeitsfremd – oder fremdgesteuert? – nehmen sich da Zwischenrufe wie jener der Deutsch-Russischen Außenhandelskammer aus, bei klarer Kante gegen Russland stünden für die deutsche Wirtschaft 100 Milliarden Euro im Feuer. Diesen gequälten Krämerseelen ist zu sagen: Besser 100 Milliarden im Feuer, als irgendein Quadratmeter von EU- oder Nato-Gebiet unter russischem Feuer.