Wagner-Söldner in Mali Foto: Uncredited/French Military/AP

Seit russische Söldner die Franzosen in Mali verdrängten, hat sich die Sicherheitslage verschlechtert. Jetzt werden die Karten neu gemischt.

Die Ankündigung des Wagner-Abzugs erfolgte mit triumphalem Pathos. „Mission erfüllt. Wir kehren heim“, behauptete die russische Söldnertruppe in einem auf Telegram verbreiteten Video über ihren dreieinhalbjährigen Einsatz an der Seite der malischen Armee. Tausende Terroristen seien getötet und große Städte wie Gao, Timbuktu und Kidal befreit worden, heißt es. Man habe „Seite an Seite” mit den Menschen in Mali gekämpft und beim Aufbau einer „starken und fähigen Armee” geholfen.

 

Alioune Tine, Gründer der senegalesischen Denkfabrik Afrikajom Center, kann angesichts dieser Worte nur lachen. Er sieht in Wagners Rückzug ein Symptom für die verfehlte Sicherheitsarchitektur in der Sahelzone: „Wagner hat versagt. Es gab keine Fortschritte. Die Sicherheitslage hat sich verschlechtert.“ Eine Serie von Anschlägen der mit al-Qaida verbundenen Gruppe JNIM hat zuletzt Militärbasen in Zentralmali erschüttert, der Angriff auf den Flughafen der Hauptstadt Bamako war eine Blamage für die Wagner-Kämpfer, die mit bis zu 2000 Mann in Mali aktiv waren und dafür rund 10 Millionen Dollar monatlich kassierten.

Russland bestätigt, dass künftig das Africa Corps den Einsatz in Mali übernehmen wird. Es war nach dem Tod des Wagner-Chefs Jewgeni Prigoschin gegründet worden. Auch hier kommen viele ehemalige Wagner-Söldner zum Einsatz. Doch die Truppe ist dem Verteidigungsministerium unterstellt und somit für den Kreml besser kontrollierbar als der rebellische Prigoschin. Schon die neuen Verträge in Burkina Faso und Niger wurden mit dem Africa Corps abgeschlossen.

Der Machtwechsel von Wagner zur Africa Corps ist dabei mehr als bloßer Etikettenwechsel. Ulf Laessing, Leiter des Sahelprogramms der Konrad-Adenauer-Stiftung, erwartet nun eine veränderte Rolle Moskaus: „Russland wird engagiert bleiben, aber sich ein Stück weit aus dem direkten Kampf mit den Terroristen zurückziehen”, sagt er am Telefon, „Stattdessen wird der Fokus mehr auf Ausbildung, Personenschutz und Waffenlieferungen liegen.“ Wagner sei zuletzt mit größeren Niederlagen in Mali assoziiert worden – dieses Risiko werde der Kreml mit der neuen Aufstellung vermeiden.

Doch selbst dieses neue Modell könnte bald an seine Grenzen stoßen. Denn in der Region gewinnt ein anderer Akteur an Einfluss: die Türkei. Laessing beschreibt, wie Ankara mit modernen Rüstungsgütern und Softpower strategisch Boden gutmacht. Während Russland zuletzt über 50 Jahre alte Panzer an Mali geliefert habe, biete die Türkei Drohnen an. „Russland hat wegen des Ukraine-Krieges nicht mehr viel abzugehen. Drohnen sind dagegen in der Sahel die wichtigsten Waffen – und da ist die Türkei nun mal Marktführer. Die haben einfach das bessere Produkt.”

Der gestiegene Einfluss der Türkei findet dabei weitgehend im Verborgenen statt, das Land will anders als zuletzt Russland nicht als ausländischer Truppenpartner in Mali wahrgenommen werden. Doch die militärische Strategie ist klar erkennbar in eine wirtschaftliche eingebettet. Türkische Firmen der Bau- und Einzelhandel drängen mit Wucht in den westafrikanischen Markt, Turkish Airlines hat seine Flugziele auf dem Kontinent zuletzt massiv ausgebaut.

Für Analyst Tine aber wird auch Ankara nicht die Wende im Kampf gegen den Terror bringen, der zuletzt verstärkt auf Küstenländer wie Togo und Benin übergriff. „Es findet viel zu wenig militärische Kooperation zwischen den bedrohten Ländern in Westafrika statt”, sagt der Analyst, „erst wenn wir das ändern, haben wir überhaupt eine Chance.”