30 oder es blitzt: In Eutingen kennt man die Regel zu Genüge. Foto: Hopp

Immer mehr Kommunen schließen sich der Initiative "Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten" an. Hier in der Region gibt es verschiedene Meinungen dazu.

Horb/Region - Die von den süddeutschen Großstädten Augsburg, Ulm und Freiburg mitbegründete Initiative für mehr Tempo 30 findet auch regional weiteren Zuspruch.

Mittlerweile haben sich mehr als 400 Städte, Gemeinden und Landkreise der Initiative angeschlossen, darunter auch Horb, Empfingen, Eutingen und Rottenburg. Gemeinsam treten sie nun für flexiblere Höchstgeschwindigkeiten ein.

Warum Gemeinden bei der Initiative mitmachen

Das gemeinsame Ziel: die Lebensqualität in Städten erhöhen. "Mit der angestrebten Mobilitäts- und Verkehrswende soll die Lebensqualität in Städten durch eine Verringerung der Lärmbelastung erhöht werden", heißt es bereits im März 2020 im Sitzungsprotokoll des Horber Gemeinderats. Auch in Eutingen erhofft man sich von Tempo 30 leisere, sicherere und sauberere Straßen sowie eine Aufwertung der öffentlichen Räume. "Wir bekennen uns zur Notwendigkeit der Mobilitäts- und Verkehrswende mit dem Ziel, die Lebensqualität in unseren Städten zu erhöhen", heißt es in einem Schreiben des Bürgermeisters Armin Jöchle. "Bei der Anordnung von Höchstgeschwindigkeiten sind den Städten und Kommunen viel zu enge Grenzen gesetzt", schreibt die Initiative auf ihrer Homepage.

Überall Tempo-30? Bürgermeister klären auf

Für die Städte und Gemeinden, die bei der Initiative mitmachen, ist es wichtig, flexible Tempoänderungen durchführen zu können. Horb Oberbürgermeister Peter Rosenberger begründete im März vergangenen Jahres im Gemeinderat: "Uns geht es nicht darum, überall Tempo 30 einzuführen. Sondern darum, die richtige Geschwindigkeit in den Ortsteilen zu haben. Wir teilen die Forderung, dass wir als Kommune über diese Tempolimits entscheiden können!" CDU-Fraktionschef Michael Keßler: "Uns ist wichtig, keine Festlegung auf Tempo 30 überall zu treffen. Wo es Sinn macht, sollte die Geschwindigkeit auf 40 km/h begrenzt werden."

Es soll daher nicht einheitlich auf eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h reduziert werden. Denn eine solche Reduzierung der Geschwindigkeit ergibt nicht überall Sinn. "Eine Haupterschließungsstraße beispielsweise hat auch eine Bündelungsfunktion. Der Verkehr soll hier zügig abfließen. Zudem soll sie Nebenstraßen entlasten", so Volker Rath, Pressesprecher der Stadt Freudenstadt, die sich der Initiative bisher nicht angeschlossen hat.

Warum manche Gemeinden nicht mitmachen

Nicht die einzige Gemeinde im Kreis Freudenstadt, die außen vor bleibt. "Die Einführung von Tempo 30 sollte immer im Einzelfall geprüft werden. Eine pauschale Einführung auf allen Straßen von Tempo 30 halten wir für schwer vermittelbar", erklärt auch Maximilian Stickel, Leiter des Ordnungsamts Dornstetten. Aus Sicht der Gemeinde Dornstetten sei eine derartige Regelung speziell im ländlichen Raum nicht gerechtfertigt. Daher sei auch die Initiative "Lebenswerte Städte" in der Verwaltung der Gemeinde kein Thema gewesen.

Hoffnung auf Modellvorhaben

Die Gemeinde Eutingen dagegen spricht sich zudem für ein weiteres geplantes, begleitendes Modellvorhaben aus. Dieses wird vom Bund gefördert und soll wichtige Einzelaspekte im Zusammenhang mit der Neureglung vertieft untersuchen. Hier sollen die Auswirkungen auf den ÖPNV, die Radverkehrssicherheit und das nachgeordnete Netz beobachtet werden.

Imaginäre Grenze zieht sich durch den Landkreis

Deutlich wird im Landkreis-Check: Es gibt eine imaginäre Grenze zwischen West- und Ostkreis. Während Horb, Eutingen und Empfingen mitmachen, ist der Westkreis ab der Gemeinde Waldachtal nicht an Bord.