Winfried Kretschmann (Mitte) zeigte sich beeindruckt von den Dimensionen der Stahlwerke. Foto: von Ditfurth

Der Ministerpräsident hat den Industriebetrieb im Rheinhafen besucht. Die Geschäftsführer nutzten die Gelegenheit, um über die Infrastruktur zu sprechen.

Die Luft in den gigantischen Produktionshallen der Badischen Stahlwerke im Kehler Rheinhafen ist drückend und heiß. Auf über 50 Grad steigen die Temperaturen während der Produktion, an manchen Stellen, die unmittelbar an die Fertigungsbereiche anschließen, ist es noch viel heißer. Das ist kein Wunder, in der Spitze werden bei der Stahlproduktion Temperaturwerte von jenseits der 1000 Grad-Grenze erreicht. So schienen die Gesichter der Besucher beim Rundgang durch das Areal fast zu glühen.

 

Anlass der Besichtigungstour war der Besuch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann im einzigen Stahlwerk des Landes. Der Grünen-Politiker war gekommen, um sich über die strombasierte Stahlproduktion, bei der die Kehler Stahlwerke als Vorreiter gelten, zu informieren. Dazu gab es reichlich Gelegenheit angesichts der großen Entfernungen auf dem Werksgelände – zwei Kilometer lang und 200 Meter breit ist das Areal insgesamt. Die Tour allein auf der Hauptprozessroute dauerte fast eine Stunde. Die BSW-Vertreter nutzten ihrerseits die Möglichkeit, um sich die Unterstützung der Landesregierung bei den mannigfaltigen Problemen, denen sich die Stahlwerke gegenübersehen, zuzusichern.

Infrastruktur und Energiepreise waren die wichtigsten Themen

Vorderhand sind das die Bereiche Energie und Infrastruktur. Die Stahlindustrie ist energieintensiv, das ist kein Geheimnis. Trotzdem sei es notwendig, dass die Stahlindustrie im Sinne einer Kreislaufwirtschaft so nachhaltig wie möglich gestaltet sei, betonte Kretschmann im Anschluss vor der Presse – für die er sich nur wenige Minuten Zeit nahm. Deswegen sei es wichtig, dass die Stahlwerke vor allem auf den Sekundärrohstoff Stahlschrott setzten. Geschäftsführer Florian Glück berichtete – da war der Ministerpräsident bereits weitergereist – vom vorangegangenen Austausch mit dem baden-württembergischen Regierungschef. Ein Thema seien die hohen Energiekosten hierzulande gewesen. „Deutschland liegt weltweit in den Top fünf, was die Strompreise anbelangt. Und wir sind nun mal eine stromintensive Branche, das können wir auch nicht ändern.“ Wenn die Energie nicht zu konkurrenzfähigen Preisen eingekauft werden könne, entstünde ein gewaltiger Wettbewerbsnachteil, so Glück.

Der Landeschef glaubt an die Zukunft der Stahlwerke. Foto: Boller

Der zweite wunde Punkt bei den Stahlwerken in Kehl betrifft die Infrastruktur. Die Rheinebene sieht sich aktuell und in Zukunft in allen Verkehrsbereichen großen Herausforderungen gegenüber. Pech für die Stahlwerke, dass sie auf alle drei Hauptverkehrswege in erheblichem Maße angewiesen sind. Der Stahlschrott, den es zu neuem Stahl zu verarbeiten gilt, wird laut Unternehmen zu 60 Prozent über den Rhein angeliefert. Sowohl Niedrigwasser als auch Hochwasser führe regelmäßig zu Produktionsausfällen. Dass da die Landespolitik höchstens indirekt für Verbesserungen sorgen kann, wissen die Geschäftsführer durchaus. Trotzdem sieht das Unternehmen Handlungsmöglichkeiten, etwas was die Beseitigung von Gesteinsablagerungen nach Hochwasser betrifft oder Verbesserungen bei der Schiffbarmachung des Neckars.

Ebenfalls problematisch sieht der Stahlhersteller die Entwicklung bei der Bahnlogistik: Mangelnde Zuverlässigkeit bedeute weniger Effizienz, so Geschäftsführer Andreas Volkert. 30 Prozent des Schrotts und 50 Prozent der Fertigproduktion werden über die Schiene abgewickelt. Ob der Rheintalbahnausbau oder die geplante Erneuerung der Kinzigüberquerung, die die Bahnstrecke im Hafengebiet für 20 Monate eingleisig machen wird – die Stahlwerke sehen sich vor erhebliche Probleme gestellt: Letztendlich werde dadurch die Vollproduktion verhindert. „Die Erlöse sind momentan nicht die besten“, so Volkert. Kretschmann gab sich dennoch optimistisch, was die Zukunft der Stahlwerke betrifft: „Ich halte diese Art der Herstellung für krisensicher.“ Wie Kretschmann im Gespräch auf die Probleme der Stahlwerke reagierte, blieb offen.

Funktionskleidung

Lange Hosen müssen Besucher der Werke tragen, dazu bekommen sie dicke Sicherheitsjacken ausgehändigt. Und das bei Temperaturen über 50 Grad: „Alles Gewöhnungssache“, sagte Ralf Schäfer vom Arbeitsschutz. Die Hitze sei irgendwann leichter auszuhalten Nebeneffekt, dass man im Urlaub deutlich länger am Strand liegenbleiben könne, weil man abgehärtet sei.