Die Mantelteilung am Eugen-Bolz-Platz von Künstler Karl Ulrich NussFoto: Jansen Foto: Schwarzwälder Bote

Heimatgeschichte: Stadtführerin Rosemarie Sieß-Vogt zeigt die Heiligenfiguren in Rottenburg

Rottenburg. Wer durch die Bischofsstadt Rottenburg geht und aufmerksam die Häuser betrachtet, wird hier und dort Heiligenfiguren, Reliefs oder Bilder finden. Über ihre Geschichte und Hintergründe konnten Interessierte bei einer Stadtführung mehr erfahren.

Besonders heraus sticht dabei Sankt Martin. Allein am Dom "Sankt Martin" befinden sich fünf Statuen, Bilder und Reliefs sowie eine Reliquie des Heiligen, der seinen Mantel teilte. Am Eugen-Bolz-Platz stiftete Bischof Gebhard Fürst zu seinem 60. Geburtstag eine Plastik, die die Mantelteilung darstellt. Das Besondere dabei: Der Bettler und der heilige Martin sind gleichgroß und stehen sich auf Augenhöhe gegenüber. Diese Darstellung ist selten – normalerweise sitzt Martin auf seinem Pferd und der Bettler kniet flehend vor ihm.

Besonderes Geheimnis enthüllt

Wer hinter dem Dom am Pfarrhaus vorbeigeht, wird eine Statue der heiligen Katharina bemerken – eine freundlich herabblickende Frau mit einem zerbrochenen Rad unter sich. Der Legende nach bekehrte sie 50 Philosophen zum Christentum, der römische Kaiser ließ sie dafür foltern. Zwölf Tage lang heilten Engel ihre Wunden und Tauben brachten ihr Nahrung. Als man sie rädern wollte, zerschlug ein Blitz das Rad. Die heilige Katharina ist die Schutzpatronin der Uni Freiburg. Aber was sucht sie dann in Rottenburg? Auch dazu hat Stadtführerin Rosemarie Sieß-Vogt eine Erklärung. Der Gründer der Uni Freiburg, Albert VI, war der Gatte der Erzherzogin Mechthild, die in Rottenburg residierte. Um die finanzielle Lage seiner Universität abzusichern, integrierte er die Rottenburger Pfarrei in die Universitätsstrukturen. Unglaublich, aber wahr: Lange Zeit entschied die Uni Freiburg, wer in Rottenburg Priester wurde.

Auch ein besonderes Geheimnis enthüllt Sieß-Vogt bei ihrem Vortrag. Am Geburtshaus von Eugen-Bolz in der Königsstraße befindet sich ein Relief des Erzengels Michael. Sehen kann man es leider nicht – es ist unter dem dichten Efeu verborgen. Der heilige Michael ist auch auf dem Rathaus zu sehen. Ein passendes Symbol: "Er wiegt gut und schlecht ab und zerstört das Böse, also passt er recht gut an ein Rathaus", meint Sieß-Vogt.

Direkt gegenüber von Rathaus und Dom findet sich der Brunnen auf dem Marktplatz. An der Spitze des Brunnens thront Jesus, neben ihm die leidende Maria und Johannes als Vertreter der Evangelisten. Eine Stufe darunter stehen die Heiligen Sankt Georg, Sankt Martin und ein weiteres Mal die Maria. Ganz unten sind weltliche Herrscher zu sehen. Hier ist unter anderem der österreichische Kaiser Friedrich der III verewigt, der Schwager der Rottenburger Adligen Gertrud von Hohenberg und späteren deutschen Königin Anna von Habsburg.

Wer hätte es gedacht? Rottenburg war einst Bestandteil von Österreich. Nachdem dem hiesigen Landesherrn Otto von Hohenberg das Geld ausging, verkaufte er es an seine Habsburger Verwandtschaft.

Bald könnten zwei Rottenburger Bürger auch in die Richtung der Heiligsprechung rücken. Für Eugen Bolz und Bischof Johannes Sproll läuft ein Seligsprechungsverfahren, die Vorstufe zur Heiligsprechung. Beide hatten sich offen gegen die Nationalsozialisten aufgelehnt – Bolz bezahlte seinen Einsatz mit dem Leben.

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