Die letzte Ruhe macht auch Arbeit. Zuständig dafür sind in Hechingen (von links) Friedhofsaufseher Achim Daiker, Friedhofs-Sachgebietsleiterin Daria Schilling, Silvana Koch vom Betriebshof und Fachbereichsleiter Marcus Kempka. Foto: Klaus Stopper

Der Totensonntag wird am 24. November gefeiert. Viele nutzen diesen Tag zum Gedenken an ihnen nahestehende Verstorbene und für Friedhofsbesuche. Aber wer sorgt für diese Anlage?

Der Friedhof Heiligkreuz, der für die Kernstadt und Stetten zuständig ist, ist der größte Friedhof in Hechingen. Wer hier einen Rundgang macht, wird vieles entdecken. Schöne Bäume, gepflegte Flächen – fast ein Park. Dazu passen die historischen Grabmale aus der Fürstenzeit. Aber spätestens an frischen Gräbern wird deutlich, um was es hier geht. Ein Platz für die Toten. Geburts- und Sterbedaten auf den Grabmalen sowie ihre Gestaltung können Geschichten erzählen, ebenso die Bepflanzung und kleine Gegenstände. Würde man hier gerne seine letzte Ruhestätte finden? Wer verwaltet und pflegt eigentlich diese Anlage? Wir haben mal nachgefragt.

 

Ein Friedhofs-Aufseher muss auch mal ein Auge zudrücken können

Für seine Arbeit brauche es Augenmaß, sagt Achim Daiker, der hier als städtischer Bediensteter die Aufsicht führt. Was die Bepflanzung angeht, ist alles sehr schlicht. Der Rasen wird kurz gehalten und bedeckt den Großteil der öffentlichen Fläche. Ein Friedhof ist kein Park. Bunte Blumenbeete würden von den Gräbern ablenken, die gibt es deshalb nur bei der Aussegnungshalle. Dass an einem Denkmal kleine Engelfiguren abgestellt sind, stört Daiker nicht, so lange sich das im Rahmen hält.

Dass manchmal Fahrradfahrer auf den Wegen unterwegs sind, ärgert ihn, „aber ich kann da ja kaum hinterher rennen“. Die Grabpflege dagegen ist nicht seine Aufgabe - das ist Sache der Angehörigen. Kleine Probleme regelt er im Gespräch. Er kennt die Leute, die Gräber pflegen. „Hier ist man eigentlich nie allein“, sagt er. Schon frühmorgens kämen die ersten, „bei manchen kann man danach fast die Uhr stellen“. Jährlich immer im Frühjahr kontrolliert er mit einem Spezialgerät die Grabsteine auf Standsicherheit. 300 Kilonewton seitlichen Druck muss so ein Stein aushalten. Wenn er da wackelt, muss ein Steinmetz das reparieren.

Was muss auf dem Friedhof verwaltet werden?

Als Sachgebietsleiterin ist Daria Schilling für die Verwaltung der Gräber auf den Hechinger Friedhöfen zuständig. Ein Grab wird von der Stadt auf Zeit in einer Art Mietverhältnis vergeben, man spricht hier von „Nutzungsberechtigten“. Die Nutzungszeit für Gräber beträgt heutzutage 25 Jahre. Sofern eine Zweitbelegung in ein vorhandenes Grab beigesetzt werden soll, wird die Nutzungszeit bei Bedarf verlängert.

All das wird von der Stadt in einer umfangreichen Datenbank verwaltet. Wer Verstorbene auf dem Friedhof nicht findet, kann bei der Stadt den genauen Platz erfahren. Wenn das letzte Grab auf einem Grabfeld abgelaufen ist, wird die Fläche wieder eingeebnet und später wird hier wieder ein neues Grabfeld angelegt. Die Verstorbenen bleiben im Boden.

Baumgrab auf dem Friedhof Heiligkreuz Foto: Stopper/Klaus Stopper

Wird der Platz auf dem Friedhof knapp?

In absehbarer Zeit nicht. Marcus Kempka als Bereichsleiter der Stadt und Daria Schilling haben hier für einige Jahre im voraus den Überblick. „Platzmangel wird es auf dem Friedhof nicht geben“, verspricht Marcus Kempka. Im Prinzip gebe es sogar mehr freie Flächen. Denn zunehmend beliebt sind Urnengräber. Sie machen etwa 70 Prozent der neuen Gräber aus. Im vergangenen Jahr gab es auf diesem Friedhof 76 Urnen- und nur 38 Sargbestattungen.

Wenn die Leute eine Sargbestattung wünschen, fällt die Entscheidung meist auf ein Rasengrab. Dort steht zwar ein Grabstein, aber umgeben ist er von Rasen, der vom Friedhofsgärtner gemäht wird. Es gibt also keine Grabfläche, die von Angehörigen gepflegt werden muss.

Gibt es neue Bestattungsformen?

Der freie Platz auf dem Friedhof schafft auch Spielräume. So werden an verschiedenen Stellen neue Bestattungsformen angeboten. Baumgräber werden immer häufiger gewählt. Sie sind jeweils um einen Baum gruppiert, nur ein kleiner Stein auf dem Boden weist auf die Grabstelle hin. Die Nachfrage ist so groß, dass das Gelände für Baumgräber erweitert werden soll.

Auch ein Grabfeld für Muslime wurde auf dem Friedhof angelegt. Hier ist eine Bestattung nach islamischem Ritus möglich. Eigentlich ein Zeichen für Integration, wenn zugewanderte Verstorbene oder deren Kinder sich nicht mehr in der Herkunftsregion beerdigen lassen wollen sondern in der neuen Heimat Hechingen. Bisher gibt es aber erst ein Grab auf dieser Fläche.

Zu Herzen geht besonders das Kinder- und Engelsfeld für jung gestorbene Kinder oder jene, die noch vor ihrer Geburt starben. Kleine Gräber, nur Vornamen.

Gibt es noch alte Gräber auf dem Friedhof?

Ein Grabfeld wird auf eine bestimmte Zeit angelegt. Nach dieser Zeit werden alle Gräber auf dem Feld abgeräumt und das Feld kann neu belegt werden. Aber es gibt auch historische Gräber, die überwiegend an den Friedhofsmauern untergebracht sind. Man lässt diese als eine Art Denkmäler stehen.

Gräber auf dem Friedhof Heiligkreuz Foto: Stopper/Klaus Stopper

Da liegt ein 1851 verstorbener Hofapotheker, ein 1812 geborener Kammermusiker, ein Amtsgerichtspräsident aus preußischer Zeit, ein Hof-Forstmeister von Adel, auch Leute, die von Hechingen aus in ihrer Zeit Geschichte geschrieben haben. Manche Inschrift ist schon verwittert, man lässt hier die Zeit ihr Werk verrichten.

Doch klar ist: Auf die Sicherheit wird geachtet. Ein Grabkreuz, das nicht standfest war, wurde umgelegt. Es scheint langsam mit der Erde zu verwachsen.