Am 9. Mai findet in Albstadt-Tailfingen erstmals die Tauschbörse für Kindersachen statt. Zwei Schwestern organisieren die Börse in Eigeninitiative.
Wohin mit den vielen Kleidungsstücken der Kinder, wenn diese aus den Lieblingsteilen herausgewachsen sind? Für den Altkleidercontainer sind sie oft noch viel zu gut und außerdem werden diese Sammelstellen sukzessive abgebaut. Aber jedes einzelne Teil für einen minimalen Betrag aufwendig zum Kauf anpreisen? Das möchten viele Familien auch nicht. Christina Klaiber und ihre Schwester Nicole Koch hatten im vergangenen Jahr die perfekte Lösung und erstmals in Ebingen im KulTurm eine Tauschbörse für Kindersachen organisiert.
„Wir waren mit der Resonanz sehr zufrieden“, bemerkt Christina Klaiber. Dieses Jahr stehen die Räumlichkeiten nicht mehr zur Verfügung, weshalb die Schwestern eine neue Unterkunft gesucht haben, um diese Tauschbörse erneut anbieten zu können. Fündig wurden sie bei der evangelischen Kirchengemeinde Tailfingen, die Räume im Gemeindezentrum Stiegel hierfür kostenfrei zur Verfügung stellt.
Jeder profitiert am Ende
Noch dazu wird vom evangelischen Familienzentrum ein kleines Café organisiert, damit sich einerseits die Besucher bei Kuchen und Heißgetränk niederlassen können, das Selbstgebackene für die Kaffeerunde zu Hause erwerben können oder anderseits auch etwas in die Kasse des Familienzentrums für soziale Zwecke gespült wird. Eine klassische Win-win-Situation. Und von der wird auch wieder das Kaufwaschcafé der Diakonie in Ebingen profitieren. Denn auch in diesem Jahr ist es der Plan der beiden Organisatorinnen, dass überschüssige Ware in die dortigen Regale kommt, damit Familien für kleines Geld Kleidungsstücke und Spielsachen kaufen können. Im letzten Jahr bei der Premiere hätte man sich dort riesig gefreut, erzählt Christina Klaiber, denn zum damaligen Zeitpunkt sei gerade die Kinderabteilung des Second-Hand-Ladens praktisch leer gefegt gewesen. Jeder kann bei dieser Veranstaltung also nur gewinnen. Natürlich muss es auch jemand in die Hand nehmen. „Überall gibt es schon diese Tauschbörse für Kinderartikel. Nur bei uns in Albstadt nicht“, bemerkten die beiden sozial engagierten Schwestern. Sie hatten vor Jahren den Warentauschtag in Albstadt besucht und schon damals bedauert, dass es so etwas nicht für Kindersachen gebe.
„Das sollte mal jemand machen“, waren sich Christina Klaiber, die eine fünfjährige Tochter hat, und Nicole Koch, die Mutter von drei Kindern im Alter von zwei, fünf und zehn Jahren ist, einig. Und weil sie nicht warten wollten, bis „jemand“ die Ärmel hochkrempelt, haben es die hauptberufliche Erzieherin und die Lehrerin eben selbst angepackt. Die Organisation ist natürlich mit einiger Arbeit verbunden, die komplett ehrenamtlich abläuft. Und auch deshalb sind sie in diesem Jahr über Mithilfe aus dem Familienzentrum dankbar. Denn es handelt sich um eine Tauschbörse.
Für Familien ein Glücksfall
Das bedeutet, dass jeder Kindersachen bringen kann, für die er aber kein Geld erhält. Auf der anderen Seite kann jeder mitnehmen, was benötigt wird, ohne dafür Geld auszugeben. Man kann auch nur abgeben oder nur abholen. Es wird nicht aufgewogen. Das ist den Schwestern aus Albstadt ganz wichtig.
Denn gerade Familien, die jeden Cent zweimal umdrehen müssen, sollen von der Tauschbörse profitieren. Aber auch hier muss sich niemand rechtfertigen, ob er es „nötig“ hat oder nicht. Schließlich geht es auch um Nachhaltigkeit. Manchmal seien auch Kinder mit dabei und bringen selbst ihre nicht mehr benötigten Kleidungsstücke oder Spielsachen vorbei, hat Christina Klaiber im letzten Jahr gesehen. Das habe dann auch gleich einen Lerneffekt für den Nachwuchs. Auch eine Tagesmutter nutzte die Gelegenheit, um sich mit Wechselklamotten für ihre Zöglinge einzudecken. „Es lief alles ganz gesittet ab“, erinnert sich Christina Klaiber und erläutert: „Es war ein Kommen und Gehen. Auch was die Ware betrifft. Wir hatten eine ganz nette Atmosphäre.“
Annahmetische beim Eingang
Dass kein „Müll“ entsorgt wird, dafür gibt es den Annahmetisch beim Eingang. Vom Puzzle bis zur Puppe ist also alles noch gut bespielbar und erfahrungsgemäß war die Babyausstattung sehr schnell wieder weg. Bei der Kleidung war es eher umgekehrt. Kleinere Größen wie 62 oder 68 war reichlich zu finden, während ab Konfektionsgröße 122 alles ruckzuck einen Abnehmer fand. „Wahrscheinlich hat man bei Babybekleidung weniger Verschleiß, aber bei größeren Größen ist der Bedarf höher“, mutmaßt die Organisatorin. Was nicht angenommen wird, sind Schuhe, Unterwäsche und Socken. Bei allem anderen, darf man am Samstag, 9. Mai zwischen 11 und 13 Uhr in Tailfingen stöbern, was passt und gefällt.