Wie kann Kappel-Grafenhausen in Zukunft wachsen? In der Theorie beantwortet diese Frage ein sogenanntes Gemeindeentwicklungskonzept. Foto: Ullrich

Sechs Handlungsfelder, mehr als 40 Maßnahmen: Ein Entwicklungsplan soll Kappel-Grafenhausen dabei helfen, die Strukturen im Ort für alle Generationen zu stärken.

Im Auftrag der Gemeinde war das nun 77-Seiten-Konzept von der Ludwigsburger Firma „Wüstenrot Haus- und Städtebau“ entwickelt worden. Der Anlass: Noch immer sind Siedlungsentwicklung und Gemeindestruktur durch die 1974 erfolgte Zusammenlegung der beiden Ortsteile geprägt. Ziel des Konzeptes ist, eine zukunftsfähige Gemeindeentwicklung mit ganzheitlichem Ansatz als zentraler Planungsgrundlage zu ermöglichen. Das Planwerk baut dabei unter anderem auf eine breit angelegte Bürgerbeteiligung von 2023, aber auch schon vorliegenden Fachplanungen und den Ergebnissen einer perspektivischen Gemeinderatsklausur auf. Damit liegt nun, wie es in der Beratungsvorlage heißt, ein dynamisches Steuerungselement vor, dass künftig regelmäßig überprüft und angepasst werden soll. Rund 40 Maßnahmen sind darin verankert, aufgeteilt auf sechs Handlungsfelder. Ein Überblick.

 

Demografie und Siedlungsentwicklung: Im ersten Handlungsfeld will sich die Gemeinde die Schaffung von Wohnraum und Sicherung von ortsbildprägenden Gebäuden sowie des Bestandes vornehmen. Angegangen werden sollen auch Neustrukturierung von Brachflächen und Baulücken, eine zu bildende Genossenschaft für Wohnraum sowie Aktivierung von leerstehendem Wohnraum. Für Letzteres führte Bürgermeister Philipp Klotz das ehemalige Sparkassengebäude und die Rathausstraße 4 an.

Kommunale Infrastruktur und Digitalisierung: Hier geht es um Ausbau der Verwaltungsstandorte, insbesondere dem Kappeler Rathaus nebst Kindergartenbedarfs- und Schulentwicklungsplanung, Friedhofsentwicklung und -gestaltung, aber auch Kleingewerbeansiedlung und -förderung mit potenziellen Standorten, neue Gemeinschaftsflächen (etwa ein Marktplatz), Ausbau von Photovoltaik und Breitband/Glasfasernetz und vom Bürgermeister besonders erwähnt: Der künftige Ausbau der Nahversorgung mit dafür zuerst mal zu erstellender Machbarkeitsstudie.

Bildung und Soziales: Im dritten Handlungsfeld steht eine Anpassung der Schulentwicklungsplanung ebenso ganz oben an wie eine Einbeziehung von Senioren, Stärkung der Beteiligung von jungen Menschen und ein Entwicklungskonzept für Kindergärten. Ansonsten stehen auf der Agenda: Aktivierung des Maierhofes als Festplatz, Stärkung der Dorf- und Vereinsgemeinschaft etwa mit öffentlichen Treffpunkten und Aktivierung von Vereinen samt neuer Förderrichtlinien für diese und Ermittlung von deren Raumbedarfen, erklärte Klotz weiter.

Freizeit und Tourismus: Da hob Klotz ganz besonders die schon angelaufene Regulierung des Ausbaus von Wohneinheiten zu Ferienwohnungen hervor. In Bearbeitung sind auch schon der Ausbau von Freizeitangeboten für Kinder und Jugendliche, Ausbau von Wanderwegen samt neuer Beschilderungen und schließlich die Aufrechterhaltung von Festen und Veranstaltungen durch Unterstützung der Organisatoren und eine Aufwertung der Baggerseen samt ständiger Grünanlagen-Pflege und Beschattung durch zu pflanzende Bäume.

Verkehr und Mobilität: Im fünften Handlungsfeld sind von Klotz besonders erwähnte Verbesserungen von Barrierefreiheit im öffentlichen Bereich, aber auch weitere Sanierung des Straßenraums, Einrichtung eines Ordnungsdienstes für ruhenden Verkehr und Erstellung eines Parkplatz-Konzeptes vorgesehen. Schließlich noch eine Aufwertung von Bushaltestellen,Verbesserung der Sicherheit von Radwegeverbindungen, Ausbau der E-Mobilität sowie schließlich eine Aufwertung der Rad- und Feldwege etwa durch Verweilmöglichkeiten, Baumpflanzungen oder Sperrung des Pkw-Verkehrs.

Klimaanpassung und Umweltschutz: Hier sollen Aufenthaltsräume an der Elz mit Zugängen geschaffen werden, aber auch ein Starkregenrisikomanagement samt Hochwasserschutz, so Klotz. In der Relevanz folgen dann mehr Beschattung durch neue Bäume, Schaffung von mehr Biodiversität samt Kontrolle von Dachbegrünungen und Gebäudeeigentümer-Beratung, schließlich die Schaffung von mehr Insekten-Lebensräumen etwa per neuem Biotopverbund-Plan oder entsprechend interkommunaler Austausch samt Zusammenarbeit.