Leipzigs Trainer Runar Sigtryggsson mit Linkshänder Sime Ivic, der auch schon mit dem TVB Stuttgart Verbindung gebracht wurde. Foto: /Picture Point

Runar Sigtryggsson war Spieler bei Frisch Auf, Trainer in Balingen, sein Bruder und sein Sohn spielten für den TVB Stuttgart. Seit November 2022 ist er Trainer des SC DHfK Leipzig und hat aus dem Abstiegskandidaten einen Europacupaspiranten gemacht. Nun kommt es zum Duell Leipzig gegen TVB.

Aus seinem Faible für das Schwabenland hat Runar Sigtryggsson noch nie einen Hehl gemacht. Frisch Auf Göppingen war vor 24 Jahren seine erste Auslandsstation als Spieler. „Seitdem bin ein Fan dieser Region. Es ist einfach sehr angenehm dort zu leben, die Menschen sind herzlich, und ich pflege bis heute noch freundschaftliche Kontakte“, sagt der Trainer des Handball-Bundesligisten SC DHfK Leipzig. An diesem Donnerstag (19.05 Uhr) empfängt der Isländer mit seinem neuen Verein den TVB Stuttgart. Auch mit diesem Club verbindet den ehemaligen Coach des HBW Balingen-Weilstetten (Saison 2016/17) einiges: Sein Bruder Arni Thor trug 2011/12 den Dress des TVB, Sohnemann Andri war bis September 2022 für Stuttgart aktiv, inzwischen spielt er genauso wie sein Bruder Dadi wieder zu Hause in Island.

 

Runar Sigtryggsson trainiert seit November den SC DHfK Leipzig. Als der Anruf von Manager Karsten Günther kam, befand er sich mit seinem Heimatclub Haukar Hafnarfjördur auf Europacupreise auf Zypern. Den Club aus seiner isländischen Heimat coachte der 51-Jährige nebenbei. Hauptberuflich arbeitete er bei einer Exportfirma als Logistiker, die Fisch, Aluminium und andere Waren in Containern in die USA und Europa verschifft. Sigtryggsson musste nicht lange überlegen. Er sagte zu und übernahm für den beurlaubten Andre Haber den Bundesligisten, der mit 4:16 Punkten einen Katastrophenstart hingelegt hatte.

Was dann passierte, ist mit dem viel zitierten Effekt des Trainerwechsels nur unzureichend beschrieben. Sigtryggsson redet von Natur aus nicht viel, er lässt lieber Taten sprechen – was ihm mit zu Beginn 12:0 Punkten eindrucksvoll gelang. Nach zwei Niederlagen vor dem Jahreswechsel schien sich die entfachte Euphorie etwas abzuebben. Doch was passiert nach der WM-Pause? Leipzig gewinnt bei der MT Melsungen, schlägt den deutschen Meister SC Magdeburg, triumphiert mit 34:31 beim THW Kiel und lässt den späteren DHB-Pokal-Sieger Rhein-Neckar Löwen mit 37:29 abblitzen.

Starke Aufholjagd

Dank dieser bemerkenswerten Aufholjagd mit insgesamt 20:4 Punkten schien das Sehnsuchtsziel von der ersten Europacup-Teilnahme seit der Vereinsneugründung 2007 wieder in Reichweite. Wie er das alles mit einer zuvor total verunsicherten Truppe hinbekommen hat? Der stille „Iceman“ förderte die Selbstverantwortung jedes Einzelnen, forderte Kreativität, forcierte das Tempospiel. Seine Devise: „Unser Spiel soll Spaß machen. Es soll lebendig und aggressiv sein.“

Kristjansson fällt aus

Dann aber schlug das Verletzungspech gnadenlos zu. „Irgendwann war der Ausfall eines Schlüsselspielers zu viel“, erklärt Sigtryggsson die jüngsten vier Niederlagen am Stück. Was ihm Hoffnung macht: Zwar ist zum Beispiel an einen Einsatz des Ex-Stuttgarter Torjägers Viggo Kristjansson (Leisten-Operation) nicht zu denken, doch Nationalmannschafts-Spielmacher Luca Witzke steht am Donnerstag gegen den TVB vor seinem Comeback.

Bei nur vier Punkten Rückstand auf Platz sieben (der zur Teilnahme an der European League reichen könnte), hat Leipzig noch alle Chancen auf den Sprung auf die internationale Bühne. Und der TVB? Sigtryggsson glaubt nicht, dass die Mannschaft von Trainer Michael Schweikardt noch einmal in Abstiegsgefahr gerät, genauso wenig wie sein Ex-Club Frisch Auf Göppingen. „Minden und Wetzlar machen den zweiten Absteiger unter sich aus. Frisch Auf hat sich stabilisiert. Beim TVB nagelt Silvio Heinevetter die Kiste zu, wenn’s sein muss, und vorne macht unser Ex-Spieler Marino Maric in den besonderen Spielen bestimmt seine Tore“, prognostiziert der frühere Rückraumspieler.

Respekt vor Maric

Maric war in der WM-Pause vom SC DHfK nach Stuttgart gewechselt. Zuletzt wurde auch der kroatische Linkshänder Sime Ivic mit dem TVB in Verbindung gebracht.

Doch das ist Zukunftsmusik. Für den „schwäbischen“ Isländer Sigtryggsson gilt einzig und allein, mit seinen Leipzigern wieder in die Spur zu kommen – damit aus dem Abstiegskandidaten nicht nur ein Aspirant für einen Europacupplatz wird, sondern tatsächlich auch ein Teilnehmer.

TVB Stuttgart

Personalien
Handball-Bundesligist TVB Stuttgart muss im Spiel an diesem Donnerstag (19.05 Uhr) beim SC DHfK Leipzig auf Rückraumspieler Jerome Müller (26) verzichten. Der Linkshänder fällt wegen Adduktorenproblemen bis auf weiteres aus. Erstmals im Kader steht Neuzugang Jonas Truchanovicius (29). Der 2,03 Meter große Rückraumspieler war in der Winterpause von HC Motor Saporischschja gekommen und hat seinen Muskelfaserriss im Oberschenkel inzwischen auskuriert. (jüf)