Frischer Wind täte dem sanierungsbedürftigen Staatskonzern gut. Wichtiger als endlose personelle Debatten aber wäre etwas anderes, kommentiert Thomas Wüpper.
Der künftige Kanzler Friedrich Merz wäre gut beraten, die Deutsche Bahn zur Chefsache zu machen. Der größte Staatskonzern verschlingt gigantische Steuergelder, hat die bundeseigene Schieneninfrastruktur heruntergewirtschaftet und braucht dringend Reformen an Haupt und Gliedern. Schon frühere Regierungen haben Besserung versprochen, aber wenig geliefert – vorweg Union und SPD, die unter Angela Merkel die wachsenden Probleme viel zu lange allenfalls verwalteten, aber kaum einmal nachhaltig lösten.
Man darf also skeptisch sein, ob der Neuanfang dieses Mal klappt. Frischer Wind im Vorstand und Aufsichtsrat ist sicher nötig. Wichtiger als endlose personelle Debatten aber wäre, den trägen Schienenriesen besser aufzustellen, also rasch für effizientere Strukturen und transparente, überprüfbare Finanzflüsse zu sorgen. Das gilt besonders mit Blick auf die zweistelligen Milliardenbeträge, die der Steuerzahler dem Konzern jedes Jahr bereitstellt – zumal sich mit dem „Sondervermögen“ für die so lange vernachlässigte Infrastruktur die Finanzspritzen noch massiv erhöhen sollen.
Klare Vorgaben der Politik, mehr Kontrolle und Effizienz, mutige Strukturreformen hin zu fairem Wettbewerb und mehr Anbietern, ausreichende Finanzierung des Netzes durch Fonds, das ist der Fahrplan, der Deutschland hin zu attraktiverem Schienenverkehr führt, den Fahrgäste und Warentransporteure gerne nutzen. Die bisherige Ampelregierung hat schon viele Weichen richtig gestellt und den Riesenkonzern zwangsgeschrumpft. Nun gilt es, die guten Pläne wie den Deutschlandtakt und die beschleunigte Netzsanierung zügig umzusetzen. Für effiziente, klimaschonende Mobilität in unserem Land ist ein leistungsfähigerer und zuverlässigerer Schienenverkehr schlicht unverzichtbar.