Das Schramberger Stadtmuseum zeigt ab sofort eine Rumänien-Ausstellung und widmet sich damit einer der hier lebenden Minderheiten aus dem Ausland und der Geschichte aus deren Heimat.
„Mit einer Rumänien-Ausstellung sind wir Pioniere. Denn das gab’s vermutlich deutschlandweit noch nicht“, mit diesem Superlativ eröffnete Oberbürgermeister-Stellvertreterin Tanja Witkowski am Sonntagmorgen die Jahreshauptausstellung des Schramberger Stadtmuseums im Schloss namens „Rumänien – Land & Leute“.
Die Geschichte der Fünftälerstadt sei von jeher mit dem Thema Migration verbunden gewesen, schaute sie zurück. Spätestens seit der Industrialisierung wollten die Wirtschaftsunternehmen in Schramberg auf Fachkräfte aus dem Ausland nicht mehr verzichten. Zugereiste hätten die Wirtschaftsgeschichte in Schramberg mitgeprägt, so Witkowski.
Zurzeit zähle Schramberg rund 800 rumänische Mitbürger. Die Ausstellung stifte nicht nur Identität, sondern auch Gemeinschaft, so Witkowski: „Im Miteinander als übereinander zu reden liegt immer auch eine Chance, sogar extreme, politische Strömungen zu überwinden“, sagte sie. Die Ausstellung rege an, „Meinungen zu überprüfen und Haltungen zu überdenken“.
Nachdenken über Heimat und Suchen des Dialogs
Als die Idee nach einer „Rumänien“-Ausstellung bei deren Kuratorin und stellvertretenden Museumsleitung Annette Hehr Gestalt annahm, hätten sie Carsten Kohlmann, Museumsleiter, die rumänischen Kolleginnen und Freunde mit Wurzeln dort darin bestärkt und unterstützt, verriet Hehr. Die rumänische Gesellschaft sei eine nicht geringe Minderheit in Schramberg. Man habe viele Berührungspunkte, obwohl man wenig voneinander wisse, stellte sie fest.Umso bemerkenswerter sei es, dass ein vergleichsweise kleines Museum mit geringem Budget wie das Stadtmuseum diesem Thema eine so große Wertschätzung und seine Jahresausstellung widme, betonte sie.
Die Ausstellung soll demnach eine Plattform sein, Wurzeln zu pflegen, einander näher zu kommen, jeweils über die eigene Heimat nachzudenken sowie den Austausch und Dialog zu suchen, was sie sowohl für die rumänischen Mitbürger untereinander, als auch im Miteinander der Schramberger Bürger insgesamt sein könne, sagte die Kuratorin. Ihr besonderer Dank galt auch den drei rumänischen Familien in Schramberg Andrada und Cristian Tanta, Ciprian Rus, Gabriela und Cezar Bucureasa.
Den Grußworten schloss sich der Leiter der rumänischen Bibliothek in Freiburg, Michael Neagu an.
Die zweisprachige Ausstellung zeigt in mehreren Räumen des Schlosses Eindrücke Rumäniens mit einem Abriss der Geschichte des Landes von der Frühgeschichte über die Zeit der Weltkriege und des Kommunismus, über die rumänische Revolution bis zu den demokratischen Neuwahlen, die am Tag der Ausstellungseröffnung in Rumänien stattfanden.
Ein Sonderraum beschäftigt sich mit der vielfältigen Natur, die das Land zu bieten hat.
Weitere Stationen - auch Mitmachstationen - widmen sich beispielsweise den Themen Volkskunst, Trachten, Musik und Poesie oder Legenden wie die des Prinzen Dracula. Deren Rezeption in der Welt stellten die Historiker Albert Weber und Adrian Gheorghe am Ende des Tages vor. In 17 Jahre währender Forschungsarbeit hatten sie alle zeitgenössischen Quellen weltweit gesammelt und ausgewertet.
Den ganzen Tag über gab es rumänische Spezialitäten, die im Schlossgarten serviert wurden.
Siebenbürger beleuchten rumänische Volkstänze
Eine Gruppe aus Siebenbürgen präsentierte Einblicke in die Tradition der rumänischen Volkstänze. Die Besucher – auffällig viele davon in typisch rumänischen Trachtenhemden – flanierten zwischen Ausstellung, Schlossgarten und Darbietungen hin und her und das Ausstellungskonzept von Austausch und Dialog ging auf.