Eintauchen in die Natur und die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte ist bei der Ruine bei Sulz angesagt. Dank des Fördervereins kommen Wanderer aus nah und fern.
„Wir sind steinreich“, hatte der Fischinger Ortsvorsteher Jürgen Huber einst seinen nördlichen Teilort charakterisiert – und hatte wohl neben den zwei Steinbrüchen auch die Ruine Wehrstein im Blick.
In diesem Sinne hat nicht nur Fischingen ein altehrwürdiges Bauwerk zu bieten, auch Glatt steht dem mit seinem Wasserschloss in keiner Weise nach. Und wie ist es mit der Sulzer Kernstadt? In Sachen „alte Steine“ kann man da natürlich auch etwas Großes vorweisen.
Märchenhafte Atmosphäre
Ist „sie“ doch schließlich Generationen von Gymnasiasten ein fester Begriff – die Burgruine Albeck, namensgebend für besagte Schule. Denn geht man von dort aus die wenigen Schritte zum Neckartalradweg, befindet man sich schon an der Abzweigung, wo Schautafeln auf das mittelalterliche Bauwerk hinweisen.
Von dort aus geht es auf sonnenbeschienen Wegen, vorbei an efeuumrankten und von Schlingpflanzen umfassten Bäumen, die für eine geradezu märchenhaft-verwunschene Atmosphäre sorgen, nach oben. Etwas abseits des Wegen verraten einige zu einem „Tipi“ aufgerichteten Äste, dass hier einige jungen Sulzer ein „Lager“ für sich erbaut haben.
Über „Stock und Stein“
Während die Vögel in den Bäumen kräftig ihr Frühlingslied erklingen lassen, wird das Rauschen des Oberen Wehrs, das aus dem Neckartal empordringt, lauter. Das trockene Laub raschelt unter den Füßen, moosbewachsene Baumstümpfe mit sichtbaren Spuren von Kleinlebewesen beweisen: Totholz kann durchaus Lebensraum für unzählige Organismen sein.
Bald geht es wortwörtlich über „Stock und Stein“ weiter nach oben, vorbei an dem kräftigen Grün der Nadelbäume und den zarten Farbtönen der gerade erst knospenden Laubbäume – hinter denen schlussendlich auch die massive Wehranlage durch die Äste schimmert.
Eine bewegte Geschichte
Oben angekommen merkt man, dass man mit dem Gedanken zum Ausflug zur Burgruine nicht alleine gewesen ist. Eine Gruppe Mountainbiker steht vor der Info-Tafel zur Burg im 30-jährigen Krieg, während zwei Wanderer durch die Fenster des mächtigen Palas blicken und über die unten im Tal liegende Stadt schauen.
Die als Stammburg der Grafen von Sulz vermutlich im elften Jahrhundert erbaute Burg Albeck gelangte im 13. Jahrhundert an die Herren von Geroldseck und wurde von diesen ausgebaut. 1473 verzichteten die Geroldsecker auf ihren Besitz und bekamen vom Grafen Eberhard von Württemberg eine Abfindung bezahlt. Währen des Krieges von 1618 bis 1648 wechselnden sich die Besatzungen von schwedischen, bayerische und weimarschen Truppen ab.
Der Grillplatz kommt an
Im Pfälzer Erbfolgekrieg wurde die Burganlage schließlich 1688 von französischen Einheiten niedergebrannt und zerstört. Die enge Verbundenheit der Sulzer mit ihrer Burg wird jedoch noch an einem anderen Aspekt deutlich: Nach dem großen Stadtbrand von 1794 wurden vor allem die Ringmauern als Steinbruch zum Wiederaufbau der Stadt benutzt. Doch auch wenn heute nur noch Überreste stehen, bleibt Albeck immer noch ein imposanter Anblick – ebenso wie der Ausblick über das Neckartal, über dem das Sulzer Stadtwappen am Fahnenmast flattert.
Geht man zum Grillplatz im hinteren Teil der Anlage, verrät die sich noch dort befindliche feine Asche, dass man nicht nur die Sonne und die Weite, sondern auch die eine oder andere schmackhafte Rote genießen kann – und das von den Sulzern auch tatkräftig gemacht wird.
Doch wie kam es, dass aus der zerstörten Brandruine ein touristischer Hotspot für Menschen aus nah und fern wurde? Möglich wurde das durch den Förderverein Ruine Albeck, dessen Mitglieder sich seit Jahrzehnten dafür einsetzen, das „steinreiche“ Sulzer Wahrzeichen nach Kräften zu hegen und zu pflegen.