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Ruhestein Nationalpark: Umweltminister will mehr Bannwälder

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09.09.2019, Baden-Württemberg, Seebach: Fichten und eine Buche stehen im Nationalpark Schwarzwald im Nebel. Der baden-württembergische Umweltminister Untersteller (Bündnis 90/Die Grünen) informierte sich über die künftige Entwicklung des Waldes unter veränderten klimatischen Bedingungen. Foto: Patrick Seeger/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Baiersbronn/Ruhestein - Nein, ein X für ein U lässt sich der baden-württembergische Umweltminister nicht vormachen. Drei Stunden lang verschafft sich Franz Untersteller (Grüne) – als studierter Landschaftsplaner durchaus mit profunder Kenntnis ausgestattet – am Montagmorgen im Nationalpark Schwarzwald aus erster Hand Eindrücke von den Folgen des Klimawandels. Sein ermutigendes Fazit in einer Zeit gefühlter Hiobs- und Weltuntergangsbotschaften: "Der Wald stirbt nicht, er verändert sich. Wir müssen ihm nur die Zeit dafür lassen."

Daraus folgt für den 62-Jährigen zwingend: Um den ökologischen Stellenwert des Waldes zu erhöhen, müssen weitere Bannwälder ausgewiesen werden. "Wir müssen die Wälder wieder alt werden lassen", fordert Untersteller. Denn mit zunehmendem Alter binden Bäume mehr Kohlenstoffdioxid (CO2). Weißtannen etwa, typisch für den Nordschwarzwald, können 500 bis 600 Jahre alt werden.

Die Bundesregierung hatte für 2020 das Ziel vorgegeben, fünf Prozent der gesamten Waldfläche als Bannwald zu schützen. Doch selbst in Baden-Württemberg, das nicht schlecht da steht, sind es derzeit nur unter drei Prozent.

Bei der Exkursion in das "Prozessschutzgebiet" zwischen den beiden Murg-Quellbächen Rotmurg und Rechtmurg erzählt Jörg Ziegler, Fachbereichsleiter Wald und Naturschutz im Nationalpark: Zwar seien einzelne Bäume durch den Borkenkäfer und die extreme Trockenheit der vergangenen beiden Jahre unter Druck geraten. Doch insgesamt erweise sich der Wald – auf 800 Metern Höhe mit Eberesche, Buche, Douglasie, Fichte und Tanne gut aufgestellt – als recht resistent.

Nationalparkleiter Thomas Waldenspuhl warnt ebenfalls davor, beim Klimawandel nur über Extreme zu debattieren – Künstliche Intelligenz als Heilsbringer einerseits und die totale Apokalypse andererseits. Vielmehr zeige der Wald eine große Bandbreite an Reaktions-Möglichkeiten. Um diese auszuloten, bleibe es im Nationalpark der Natur selbst überlassen, aus einem vielfältigen Samenpotenzial auszuwählen, welcher Baum künftig an welchem Standort wachsen wird.

Diese Anpassung des Waldes an die klimatischen Veränderungen – unabhängig vom ökonomischem Nutzen – mag für manche Menschen "kata­strophal" klingen, räumt Waldenspuhl ein. Doch für die Natur, die sich in ganz anderen Zeiträumen entwickle und anpasse als der Mensch, sei eben dies "lebensnotwendig".

Insgesamt, da sind sich die Experten einig, wird es künftig in deutschen Wäldern weniger Fichten und mehr Laubbäume geben. Gleichwohl: In den montanen, niederschlagsreichen und kühlen Lagen des Nordschwarzwalds auf 800 bis 1000 Metern Höhe bleibt die Fichte nach Einschätzung von Ziegler erhalten. Knapp darunter, 700 Metern über dem Meer, zeigt Ziegler beispielhaft an einem Standort an der Rotmurg, dass zwischen den ausgewachsenen Tannen und Fichten vermehrt junge Ahorn, Buchen und Eschen hervorsprießen.

An genau diesem Standort müssen sie auch noch in 100, 200 Jahren zurechtkommen. Bis in 100 Jahren sei davon auszugehen, dass es mehr Winter- und weniger Sommerniederschläge geben, die Erwärmung um 2,6 Grad steigen wird. "Keiner von uns weiß, welche von diesen Bäumchen durchkommen", ahnt Untersteller: "Die Vielfalt muss deshalb eine große Rolle spielen."

Den steten Wandel bestätigt auch die Freudenstädter Wetter-Station, die seit Beginn der Messungen 1881 eine Erwärmung um 1,3 Grad Celsius dokumentiert hat – davon ein ganzes Grad im Laufe der vergangenen 30 Jahre. Für den Nationalpark betreut Christoph Dreiser mittlerweile 20 Klimamessstationen. Im Laufe der Jahre sollen damit Erkenntnisse über das kleinräumige Klima zwischen 550 Metern (Allerheiligen) und 1160 Metern (Hornisgrinde) gewonnen werden. Doch auch der Bodenwassergehalt wird im "Reallabor" Nationalpark, wie Waldenspuhl das Gelände nennt, erfasst und externen Fachleuten zur Verfügung gestellt – und womöglich werden daraus Schlüsse gezogen, die allen Wäldern in der Republik beim Überleben helfen können.

Seebach. Nein, ein X für ein U lässt er sich der baden-württembergische Umweltminister nicht vormachen. Drei Stunden lang verschaffte sich Franz Untersteller (Grüne) – als studierter Landschaftsplaner durchaus mit profunder Kenntnis ausgestattet – am Montagmorgen im Nationalpark Schwarzwald aus erster Hand Eindrücke von den Folgen des Klimawandels. Sein ermutigendes Fazit in einer Zeit gefühlter Hiobs- und Weltuntergangsbotschaften: "Der Wald stirbt nicht, er verändert sich. Wir müssen ihm nur die Zeit dafür lassen."

Daraus folgt für den 62-Jährigen zwingend: Um den ökologischen Stellenwert des Waldes zu erhöhen, müssen weitere Bannwälder ausgewiesen werden. "Wir müssen die Wälder wieder alt werden lassen", fordert Untersteller. Denn mit zunehmendem Alter binden Bäume mehr und mehr Kohlenstoffdioxid (CO2). Weißtannen etwa, typisch für den Nordschwarzwald, können 500 bis 600 Jahre alt werden.

Die Bundesregierung hatte für 2020 das Ziel vorgegeben, fünf Prozent der gesamten Waldfläche als Bannwald zu schützen. Doch selbst in Baden-Württemberg, das nicht schlecht da steht, sind es derzeit nur unter drei Prozent.

Bei der Exkursion in das "Prozessschutzgebiet" zwischen den beiden Murg-Quellbächen Rotmurg und Rechtmurg erzählt Jörg Ziegler, Fachbereichsleiter Wald und Naturschutz im Nationalpark: Zwar seien einzelne Bäume durch den Borkenkäfer und die extreme Trockenheit der vergangenen beiden Jahre unter Druck geraten. Doch insgesamt erweise sich der Wald – auf 800 Metern Höhe mit Eberesche, Buche, Douglasie, Fichte und Tanne gut aufgestellt – als recht resistent.

Nationalparkleiter Thomas Waldenspuhl warnt ebenfalls davor, beim Klimawandel nur über Extreme zu debattieren – Künstliche Intelligenz als Heilsbringer einerseits und die totale Apokalypse andererseits. Vielmehr zeige der Wald eine große Bandbreite an Reaktions-Möglichkeiten. Um diese auszuloten, bleibe es im Nationalpark der Natur selbst überlassen, aus einem vielfältigen Samenpotential auszuwählen, welcher Baum künftig an welchem Standort wachsen wird.

Diese Anpassung des Waldes an die klimatischen Veränderungen – unabhängig vom ökonomischem Nutzen – mag für manche Menschen "katastrophal" klingen, räumt Waldenspuhl ein. Doch für die Natur, die sich in ganz anderen Zeiträumen entwickle und anpasse als der Mensch, sei eben dies "lebensnotwendig".

Insgesamt, da sind sich die Experten einig, wird es künftig in deutschen Wäldern weniger Fichten und mehr Laubbäume geben. Gleichwohl: In den montanen, niederschlagsreichen und kühlen Lagen des Nordschwarzwalds auf 800 bis 1000 Metern Höhe bleibt die Fichte nach Einschätzung von Ziegler erhalten. Knapp darunter, 700 Metern über dem Meer, zeigt Ziegler beispielhaft an einem Standort an der Rotmurg, dass zwischen den ausgewachsenen Tannen und Fichten vermehrt junge Ahorn, Buchen und Eschen hervorsprießen.

An genau diesem Standort müssen sie auch noch in 100, 200 Jahren zurechtkommen. Bis in 100 Jahren sei davon auszugehen, dass es mehr Winter- und weniger Sommerniederschläge geben, die Erwärmung um 2,6 Grad steigen wird. "Keiner von uns weiß, welche von diesen Bäumchen durchkommen", ahnt Untersteller: "Die Vielfalt muss deshalb eine große Rolle spielen."

Den steten Wandel bestätigt auch die Freudenstädter Wetter-Station, die seit Beginn der Messungen 1881 eine Erwärmung um 1,3 Grad Celsius dokumentiert hat – davon ein ganzes Grad im Laufe der vergangenen 30 Jahre. Für den Nationalpark betreut Christoph Dreiser mittlerweile 20 Klimamessstationen. Im Laufe der Jahre sollen damit Erkenntnisse über das kleinräumige Klima zwischen 550 Metern (Allerheiligen) und 1160 Metern (Hornisgrinde) gewonnen werden. Doch auch der Bodenwassergehalt wird im "Reallabor" Nationalpark, wie Waldenspuhl das Gelände nennt, erfasst und externen Fachleuten zur Verfügung gestellt – und womöglich werden daraus Schlüsse gezogen, die allen Wälder in der Republik beim Überleben helfen können.

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