Malerisch: Bäume spiegeln sich bei Seebach am Ruhestein in einer Glaskugel wider. Foto: dpa

Lob von allen Seiten. Plan für künftige Entwicklung des Großschutzgebietes offiziell vorgestellt.

Ruhestein/Forbach - Für das Generationenprojekt Nationalpark Schwarzwald ist es ein kurzer Augenblick – für dessen Mitarbeiter ein Meilenstein: Fünf Jahre nach der Gründung wurde am Samstag in Forbach (Kreis Rastatt) der sogenannte Nationalparkplan vorgestellt. In diesem "Betriebshandbuch" wird beschrieben, wie sich der 10.000 Hektar große Park zwischen Baden-Baden und Freudenstadt weiter entwickeln soll, bevor er 2044 zu großen Teilen als Wildnis sich selbst überlassen wird.

Die Besonderheit an diesem Plan: Er wurde von Parkmitarbeitern mit Experten und Anwohnern der Region erarbeitet – darunter auch viele Kritiker des einst von der grün-roten Landesregierung auf den Weg gebrachten Projekts. Dadurch scheint der Park vor Ort an Akzeptanz gewonnen zu haben. Jedenfalls gab es viel Lob bei der Vorstellung der künftigen Entwicklungsfelder des Nationalparks Schwarzwald. Ein Überblick:

Besucherzentren

Im Herbst 2020 soll das zentrale Besucherzentrum des Nationalparks am Ruhestein (Kreis Freudenstadt) eröffnet werden. Derzeit laufen die Bauarbeiten und die Ausschreibungen für die Gestaltung einer rund 1000 Quadratmeter großen Ausstellung mit Nachbauten des Parks und interaktiven Stationen zur Umwelt- und Naturschutzbildung. Im Forbacher Teilort Herrenweis wird ein weiteres Besucherzentrum gebaut, das 2021 fertig sein soll.

Verkehrsführung

Bei schönem Wetter herrscht entlang der Schwarzwaldhochstraße (B 500) oft Verkehrs-Chaos – das war auch vor dem Nationalpark schon so und soll nun besser werden. Ziel eines Verkehrskonzepts für den Nationalpark ist die Förderung umweltfreundlicher Mobilität durch eine gezielte Besucherlenkung und die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs. Derzeit wird an der Einführung zweier Buslinien zwischen Baden-Baden und Freudenstadt sowie zwischen Achern (Ortenaukreis) und Baiersbronn gearbeitet, die künftig im Stundentakt fahren sollen.

Wegekonzept

Bei diesem Konzept geht es um den Ausgleich von Schutz und Nutzen – also um die Frage, wie man Besucherströme lenken kann, ohne der Natur zu schaden. Ein Großteil der Wander- und Radwege im Nationalpark wurde bisher erhalten. Derzeit wird an deren Beschilderung gearbeitet. Gleichzeitig wird ein Teil der Wege aber auch zurückgebaut, um Ruhezonen für Tiere zu schaffen.

Arten-/Biotopschutz

Bedrohte Tiere und Pflanzen werden im Nationalpark auf unterschiedliche Weise geschützt. Durch den Prozessschutz in Kernzonen, in denen die Natur sich selbst überlassen wird, aber auch durch aktives Eingreifen des Menschen in den Managementzonen des Parks. Dazu gehören beispielsweise die Grinden. Diese Kulturlandschaften sind wichtiger Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen und werden daher frei gehalten. 32 Prozent der Parkfläche stehen derzeit unter Prozessschutz. In spätestens 25 Jahren sollen es 75 Prozent der Parkfläche sein – der Rest wird weiter gepflegt.

Forschung und Dokumentation

Hier ist langer Atem gefragt. Ziel der Arbeit ist die Beobachtung und Dokumentation der Waldentwicklung im Nationalpark und ihrer Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen und Menschen. Die gewonnenen Daten werden für künftige Forschungsvorhaben und die Zusammenarbeit mit anderen Forschungseinrichtungen ausgewertet.

Borkenkäfer

"Ich freue mich über schlechtes Wetter", sagt Jörg Ziegler. Denn wenn es kalt und feucht ist, vermehrt sich der für Fichten schädliche Borkenkäfer nicht so schnell – und den behält Ziegler im Nationalpark im Auge. Ziel dieser Arbeitsgruppe ist es, die angrenzenden Wirtschaftswälder vor Borkenkäfern aus dem Nationalpark zu schützen. Dazu wird in einem 500 Meter breiten Pufferstreifen um die Parkfläche die Ausbreitung des Käfers verhindert.

Waldmanagement

Ein konkretes Ziel gibt es in diesem Arbeitsbereich eigentlich nicht, schließlich soll der Wald im Nationalpark ja sich selbst überlassen werden – zumindest langfristig. Ein wenig Anschubhilfe für die Wildnis gibt es im derzeit noch stark von Fichten dominierten Parkwald aber schon. So wird die Entstehung eines Bergmischwaldes durch die Samenförderung bei bestimmten Bäumen unterstützt; Flächen wie Moore, Kare oder Grinden werden geschützt und frei gehalten.

Jagd

Der Grundsatz einer sich selbst überlassenen Natur gilt im Nationalpark nicht nur für Pflanzen, sondern auch für Reh, Hirsch, Wildschwein, Luchs und Wolf. Allerdings muss er mit Blick auf die Anrainer und Wildschäden mithilfe eines Wildtiermanagements schrittweise umgesetzt werden. Derzeit wird auf rund 30 Prozent der Parkfläche nicht mehr gejagt – im Jahr 2044 sollen es 75 Prozent sein.

Zonierung

In dieser Arbeitsgruppe wird anhand der Waldentwicklung festgelegt, welchen Schutzstatus einzelne Zonen der Nationalparkfläche bekommen. Unterschieden wird zwischen Kernzonen ohne menschliches Eingreifen, Entwicklungszonen, die sich durch gezielte Maßnahmen zu Kernzonen entwickeln sollen, und Managementzonen, in die der Mensch dauerhaft pflegend eingreifen wird.

Natur- und Wildnisbildung

Um den Bildungsauftrag eines Nationalparks zu erfüllen, werden für Besucher und Kooperationspartner zielgruppenspezifische Angebote ausgearbeitet. Mehr als 200 Veranstaltungen stehen auf dem Jahresprogramm. Weitere werden mit Blick auf das neue Besucherzentrum entwickelt, um Indoor- und Outdoor-Erlebnisse zu verbinden.

Tourismus

Ziel ist das beste touristische Nationalparkangebot der Republik, sagt das Team dieses Arbeitsbereichs selbstbewusst. Dabei sollen Angebote des Parks und der Region vernetzt werden. Mehr als 100 Maßnahmen für nachhaltigen Tourismus wurden bereits erarbeitet. Die Grundfinanzierung einer GmbH steht bereits, bald folgt deren Gründung.

Kooperationen

Kindergärten, Kirchen, Schulen, Unis – der Nationalpark Schwarzwald arbeitet bereits mit vielen Kooperationspartnern im Bereich Bildung und Forschung zusammen. In diesem Arbeitsbereich werden Richtlinien für diese Zusammenarbeit entwickelt und Kooperationsprozesse begleitet.

Erholung und Gesundheit

Stressabbau durch Naturerlebnisse, innere Ruhe durch Achtsamkeitswanderungen: Die Möglichkeiten sind vielfältig, sich in der Wildnis zu erholen. In diesem Arbeitsbereich wird untersucht, welche Orte und Angebote des Parks besonders gesundheitsförderlich sind – auch hinsichtlich der Kooperation mit Reha-Kliniken.

Leitbild des Parks

Es bringt die wesentlichen Ziele und Werte des Nationalparks Schwarzwald auf den Punkt und ist bereits erstellt. Demnächst soll ein internes Leitbild für das Nationalparkteam ausgearbeitet werden.

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