Der Ruhehain, in der oberen Hälfte des Bildes zu sehen, am Heumadener Friedhof muss noch wachsen. Foto: Jürgen Vogel

In Heumaden entsteht seit drei Jahren eine Erweiterung des Friedhofs – mit Ruhehain. Bis diese voll genutzt werden kann, dauert es aber noch. Der Grund: Die Bäume müssen anwachsen.

Was vor einigen Jahren noch eher selten war, hat sich laut dem Bundesverband Deutscher Bestatter inzwischen etabliert: die letzte Ruhe unter Bäumen. Das berichtete die Deutsche Presse-Agentur im Sommer dieses Jahres.

 

Konkrete Zahlen dazu gebe es zwar nicht; eine repräsentative Forsa-Umfrage vom September 2024 habe aber ergeben, dass 9 Prozent der Befragten auf einem klassischen Friedhof unter einem Baum beigesetzt werden möchten – und 16 Prozent sogar eine Bestattung unter einem Baum im Bestattungswald bevorzugen würden.

Die Stadt Calw trägt dieser Nachfrage bereits seit langem Rechnung. Auf acht von neun städtischen Friedhöfen werden seit 2013 Baumgräber angeboten. „Die Nachfrage ist groß“, sagt Jürgen Vogel vom Tiefbauamt der Stadt.

Vogel ist nicht zuletzt für Calws Friedhöfe zuständig. Eines seiner Projekte ist der Ruhehain in Heumaden.

Kleiner Wald mit Baumgräbern

Die Idee dazu war bereits Anfang des Jahres 2021 entstanden. Die Gemeinderats-Fraktion Gemeinsam für Calw (GfC) hatte damals den Wunsch vieler Bürger nach einem entsprechenden Bestattungsort an die Verwaltung weitergegeben.

Im März 2022 war diese Idee konkreter geworden. Da ohnehin eine Erweiterung des Friedhofs in Heumaden in Planung war, kam der Gedanke auf, dort einen kleinen Wald mit Baumgräbern zu schaffen – einen Ruhehain.

Am Ende der Allee wartet ein zentraler Andachtsplatz. Foto: Jürgen Vogel

Der Beschluss dazu fiel dann schon im Sommer desselben Jahres. Und wenige Monate später, im Herbst 2022, wurden die ersten Bäume gepflanzt. Vom bestehenden Friedhofsgelände führt seitdem eine Art Allee zu einem zentralen Andachtsplatz – gesäumt von mehr als 40 Bäumen, an denen dereinst Menschen in Urnengräbern ihre letzte Ruhe finden sollen.

Linden, Eichen, Buchen und andere heimische Gehölze wachsen dort, berichtet Vogel bei einem Ortstermin auf dem Friedhof Heumaden. Doch bis hier tatsächlich jemand bestattet werden kann, werde es noch zwei bis drei Jahre dauern, sagt er.

Der Hintergrund ist simpel: Die Bäume sollen zunächst gut anwachsen. Denn einen Baum austauschen, wenn dort bereits jemand begraben wurde – das möchte niemand.

Wie auf anderen städtischen Friedhöfen auch, wird es voraussichtlich auch auf dem Ruhehain sowohl Gemeinschafts- als auch Familienbäume geben. Eine Urnengrabstätte an einem Gemeinschaftsbaum kostet momentan laut aktuellem Gebührenverzeichnis 1160 Euro. Pro Baum finden in der Regeln etwa zehn Gräber ihren Platz, manchmal auch mehr.

Mehr als ein Hektar Fläche

Doch der Ruhehain Heumaden wird, im Unterschied zu den Baumgräbern andernorts in Calw, eine Besonderheit haben.

Während für die Baumgräber etwa 1461 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen, wird dieses Areal zudem von knapp 9000 Quadratmetern umgeben, auf denen weitere Bäume wachsen.

So entsteht hier in einigen Jahren ein eigener, kleiner Wald. Der ganz nebenbei auch als Ausgleichsmaßnahme für den Interkommunalen Gewerbepark Lindenrain fungiert.

Dass die seit langem vorgesehene Erweiterungsfläche nicht komplett für Gräber genutzt werden soll, hat laut Vogel übrigens einen einfachen Grund: Der Platzbedarf bestehe nicht mehr. Immer mehr Menschen seien in den vergangenen Jahren auf alternative Bestattungsformen umgestiegen. Und Urnen bräuchten weit weniger Fläche als Erdgräber.

Im Zuge der Erweiterung sind nun jedoch auf rund 1100 Quadratmetern auch zusätzliche Plätze für Erdgräber entstanden, mehrere Dutzend sogar. 30 davon stehen speziell für muslimische Bestattungen zur Verfügung.

Gräber gen Mekka ausgerichtet

Der Friedhof in Heumaden ist der einzige in der Stadt, auf dem es auch bislang bereits ein solches Grabfeld gab – doch dieses ist inzwischen voll. Gräber dieser Art müssen etwa Richtung Mekka ausgerichtet sein.

Und der 1986 gebaute Friedhof Heumaden hat zwei weitere Besonderheiten. Einerseits die längere Ruhezeit von 30 statt wie sonst 25 Jahren, was an den speziellen geologischen Verhältnissen liegt.

Anderseits dass die Platz-Kapazitäten in Heumaden nahezu erschöpft sind, während auf den anderen acht Friedhöfen durchschnittlich noch die Hälfte der Flächen frei seien, sagt Vogel. Das wiederum hängt nicht zuletzt mit der längeren Ruhezeit zusammen.