Es ist legitim, jetzt in die Rüstungsproduktion einzusteigen. Nicht legitim ist es dagegen, dieses Thema intransparent zu behandeln, meint Redakteur Peter Stolterfoht.
Nicola Leibinger-Kammüller und ihr Bruder Peter Leibinger machen es vor. Die Chefin und der Aufsichtsratsvorsitzende des Laser-Konzerns Trumpf gehen offen und ehrlich mit einem Thema um, das nichts nötiger braucht als Transparenz. Sie lassen die Öffentlichkeit teilhaben an der schwierigen Entscheidung, ob das Familienunternehmen künftig Militärtechnologie herstellt. Und warum es eine Tendenz dazu gibt. Sie sind damit Vorbilder für andere Konzerne.
Trumpf stellt sich die schwierige Frage selbst – und zwar nicht hinter verschlossenen Türen und mit vorgehaltener Hand, während andere Unternehmen mit einer möglichen Rüstungsproduktion am liebsten gar nicht in Verbindung gebracht werden und am besten gar nicht danach gefragt werden würden.
Immer noch herrscht in Unternehmen die Angst vor einem Imageschaden, wenn es um Militärtechnik geht. Doch diese Zeiten sollten eigentlich im Zuge des russischen Angriffskrieges in der Ukraine vorbei sein und mit Blick auf eine europäische Verteidigung gegenüber einem Aggressor. Zumal unklar ist, wie lange man noch auf die USA zählen kann. In diesen Zeiten ist es keine moralische Verwerfung, wenn ein Unternehmen die Rüstungsproduktion beginnt oder verstärkt. Natürlich nur im von der Bundesregierung vorgegebenen engen Rahmen. Eindeutig fragwürdiger wäre es, diese Geschäfte unter dem Mantel des Schweigens vorzubereiten und später womöglich umzusetzen.