Das Tierheim in Rottweil wuchs in den vergangenen Jahren zu einer stattlichen Einrichtung für hilfsbedürftige Tiere. Foto: Schmidt

Das Tierheim Rottweil braucht einen Neuanfang. Der Vorsitzende und seine Stellvertreterin haben ihr Amt vorzeitig abgegeben. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung ist angesetzt. Wir haben die Hintergründe.

Günther Hermus lässt sich mit seiner Antwort auf die Nachfrage unserer Redaktion zur aktuellen Lage Zeit. Eigentlich wolle er die Vorgänge nicht mehr kommentieren.

 

Zu Beginn wären sich die Verantwortlichen einig gewesen, sagt der bisherige Vorsitzende des Tierschutzvereins. Abgemacht war, die Kommunen dazu aufzufordern, die finanzielle Mehrbelastung des Tierheims zu schultern. Mit dieser Vereinbarung sei er an die Öffentlichkeit gegangen. Ab da wendete sich das Blatt. Die Gemeinden setzten sich zur Wehr und Hermus wurde vereinsintern zum Rücktritt aufgefordert.

Unter normalen Umständen hätte er seine Amtszeit erst 2026 beendet, betont Hermus. Massiver Druck habe ihn dann dazu bewogen, auf der Mitgliederversammlung Ende Oktober 2024, seinen Rücktritt für 2025 bekannt zu geben. „Zu diesem Zeitpunkt war ich nervlich sehr angeschlagen“. Nach den Schilderungen von Hermus waren die Fronten verhärtet.

Weitere Auseinandersetzungen

Nach der Mitgliederversammlung folgten nun wohl weitere Auseinandersetzungen. Die erste Konsequenz zog Bettina Preisser als Stellvertreterin. Sie gab ihr Amt ab und Hermus folgte ihrem Beispiel aus gesundheitlichen Gründen am 9. Januar. Der Verein wurde damit handlungsunfähig. Eine Außerordentliche Mitgliederversammlung wurde für dringend notwendig befunden und für den 7. März einberufen.

Ob er daran teilnehmen könne, stellte Hermus übrigens in Frage. Der Termin sei nicht mit ihm abgestimmt worden. Er komme an diesem Tag aus dem Urlaub zurück.

Zwölf Jahre im Sinne des Tierschutzes

Hinter Hermus liegen zwölf Jahre im Sinne des Tierschutzes. Damals hätte der Verein einen neuen Vorsitzenden gesucht und seinen Sohn Adrian gebeten, das Amt zu übernehmen. Hermus sagte seinem Sohn seine Unterstützung zu. Das Tierheim habe sich zu diesem Zeitpunkt in einem „schlimmen Zustand“ befunden, sagt er.

„Wir haben mit vereinten Kräften monatelang aufgeräumt“. Zwischen 2014 und 2016 wurde im Tierheim das neue Hundehaus gebaut und 2018 habe er den Vorsitz von seinem Sohn übernommen. Der Bau des Katzen- und Kleintierhauses folgte.

Viele Ziele erreicht

Zum Amtsantritt habe er sich vorgenommen, die Mitgliederzahl von damals 436 auf 1000 Mitglieder zu erhöhen. Dieses Ziel habe er erreicht und das nächste mit dem Bau einer Kranken- und Quarantänestation anvisiert. „Das wäre bis 2026 ohne Probleme möglich gewesen“, bedauert er.

Beirätin Arzu Paj lobt die Arbeit von Günther Hermus im Gespräch mit unserer Redaktion. Er habe als Vorsitzender mit unermüdlichem Einsatz maßgeblich zur Weiterentwicklung des Tierheims beigetragen und viele positive Veränderungen bewirkt. Sein Engagement habe den Verein nachhaltig geprägt. „Dafür gilt ihm der aufrichtige Dank des Tierheims“.

Perspektiven für den Neuanfang

Mit den Wahlen des Vorstands auf der Außerordentlichen Sitzung am 7. Januar stehe der Tierschutz Rottweil vor einem „bedeutenden Neuanfang“, betont Paj. Trotz der internen Herausforderungen der letzten Wochen habe sich ein neues, motiviertes Team formiert, das bereit sei, den Verein mit frischen Ideen und innovativen Ansätzen in die Zukunft zu führen. Besonders erfreulich nannte sie die Aufstellung von Bettina Preisser als mögliche Nachfolgerin von Hermus. Zum ersten Mal könne ein Frau die Geschicke des Vereins leiten und die Verantwortung übernehmen.

Mit Kommunen auf Augenhöhe

Der Verein werte diese Entwicklung als große Chance. Die Zusammenarbeit mit Kommunen und Städten soll auf Augenhöhe intensiviert werden. Dabei liege dem Verein ein respektvoller und konstruktiver Dialog am Herzen, um das Wohl der Tiere langfristig zu sichern. „Auch wenn es in der Vergangenheit Herausforderungen gab, sind wir überzeugt, dass wir gemeinsam viel erreichen können“.

Ein besonderer Dank gelte den ehrenamtlichen Helfern, ohne die die Arbeit im Tierheim nicht möglich wäre. Ihr unermüdlicher Einsatz sei das Herzstück des Vereins. „Wir hoffen weiterhin auf ihre wertvolle Unterstützung“. Gemeinsam soll die neue Phase mit Optimismus gestaltet und der Tierschutz in Rottweil weiter vorangebracht werden.