Kevin Kühnert ist aus gesundheitlichen Gründen von seinem Posten als SPD-Generalsekretär zurückgetreten. Foto: imago/IPON

Kevin Kühnert ist stets für Olaf Scholz als Spitzenkandidaten in die Bresche gesprungen. Sein Rücktritt dürfte die wabernde Debatte nicht beruhigen, kommentiert Wolfgang Molitor.

Der überraschende Rücktritt von Kevin Kühnert trifft die SPD in einer denkbar schwierigen Phase. Immerhin ist ihr Generalsekretär derjenige, der sie für den Wahlkampf im kommenden Jahr organisatorisch fit und emotional aufrütteln muss. Wenn der 35-Jährige jetzt seinen Posten und demnächst sein Bundestagsmandat aus Gesundheitsgründen und wohl freiwillig (wenn auch unter erhöhter Temperatur der Erfolglosigkeit) räumt, ist das für ihn wie für die SPD ein Schlag ins Kontor. Häme verbietet sich.

 

Die Diagnose – oder doch Einsicht und Resignation? – muss plötzlich gekommen sein. Eben noch hatte sich Kühnert (mit ähnlichen Worten wie jetzt beim Rückzug) überzeugt gezeigt, mit Olaf Scholz einen ordentlichen Wahlkampf hinzukriegen. Einen zumindest seine Kraft überfordernden Wahlkampf, weil dabei jeder „über sich hinauswachsen“ müsse – explizit auch der Bundeskanzler. Das musste wohl gesagt werden.

Dennoch: Kühnert stand bis zuletzt an der Spitze jener tapferen halbherzigen Genossen, die sich weiter für Scholz als Spitzenkandidaten in die Bresche werfen. Sein Rücktritt mag die wabernde Debatte nicht befeuern, beruhigen wird er sie auch nicht. Deshalb muss die Parteispitze schnell einen optimistisch klingenden Nachfolgevorschlag unterbreiten. Man sei vorbereitet, sagt Co-Chefin Saskia Esken. Nicht nur in der Ampel dürften Grüne und Liberale genau hinsehen.