Der zurückgetretene Hänselevater Harald Kirchmaier (links) und sein Vize Uwe Wolfensperger, der die Zunft bis zu den nächsten planmäßigen Vorstandswahlen im Herbst 2022 kommissarisch leitet. Foto: Hänselezunft Überlingen

Diese Nachricht wird auch in Rottweil für einiges Aufsehen sorgen: Der Hänslevater der Überlinger Zunft ist zurückgetreten. Der Grund sind Querelen mit dem Ordnungsamt. An den Fastnachtstagen 2021 hatte es Ärger gegeben.

Rottweil/Überlingen - Der Schock bei den Zunft-Mitgliedern sitzt laut Mitteilung der närrischen Freunde aus Überlingen tief: Der längjährige Vorsitzende der Hänselezunft Überlingen (HZÜ) Harald Kirchmaier hat mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt verkündet. Im Rahmen der jährlichen Hänseleversammlung, die nach einer pandemiebedingten Pause nun bereits im Oktober stattfand, verkündete Kirchmaier seinen Amtsverzicht und nannte auch die Gründe.

Umgang mit Brauchtum "ein Skandal"

Auslöser waren die Ereignisse rund um die Fastnachtstage 2021. Obwohl damals aufgrund der Corona-Pandemie auch in Überlingen alle offiziellen Fastnachtsveranstaltungen abgesagt wurden, war die Fastnacht an sich nicht verboten worden. Wenn in dieser Zeit dann die Polizei das Karbatschenschnellen am Fastnachtssamstag als "Verkehrsbehinderung" und das Spielen des Narrenmarsches aus einem Fenster heraus als "Ruhestörung" ahndet, dann sei das laut Kirchmaier "ein Skandal" und nicht würdig für eine brauchtumsreiche alte Narrenstadt wie Überlingen.

Wenn "Ehrenamt zu Zielscheibe wird, muss man Konsequenzen ziehen"

Zudem betrieben Zunftmitglieder, die bei Polizei und auch im Ordnungsamt arbeiten würden, ein Verfahren gegen den Hänselevater Kirchmaier. Er hätte in einem Radiointerview zum Einschnellen an Dreikönig aufgerufen. Erwiesenermaßen sei aber das Gegenteil der Fall gewesen, erklärt die Zunft. Außerdem hätte Kirchmaier sich mit dem Schnellen seiner Karbatsche auf einem Parkplatz fernab der Innenstadt auch selbst gegen Coronaverordnungen widersetzt. Das Medienecho war deutschlandweit riesengroß. Kirchmaier bekam sogar Angebote von Anwälten, ihn kostenlos zu verteidigen.

Das alles hätte ihm gesundheitlich derart zugesetzt und aufs Gemüt geschlagen, dass ein "Weitermachen" für ihn nicht mehr gehen würde. "Wenn das städtische Umfeld Brauchtumswerte so mit Füssen tritt, das Ehrenamt zur Zielscheibe wird, muss man Konsequenzen ziehen", begründet Harald Kirchmaier seinen Entschluss.Er könne nicht mehr vertrauensvoll mit den Behörden zusammenarbeiten.

Für langjährige Arbeit bedankt

Nun führt kommissarisch bis zur regulären Vorstandswahl im November 2022 Vize-Hänselevater Uwe Wolfensperger die Hänselezunft. In persönlichen Worten bedankte sich Wolfensperger bei Kirchmaier für dessen großartige Arbeit. "28 Jahre im Vorstand, davon drei Jahre Hänselerat, neun Jahre Vize sowie 16 Jahre Hänselevater – das ist eine Leistung, vor der man nur die Kappe ziehen kann", sagt Wolfensperger und verkündet, dass man aktuell an den Plänen für eine Fastnacht 2022 festhält.

Nächster Narrentag verschoben

Die Überlinger erinnern in ihrer Mitteilung außerdem daran, dass der nächste Narrentag des Viererbundes in Oberndorf um ein Jahr auf 2024 verschoben wird.

Auch in Rottweil hatte es an den Fasnetstagen 2021 wegen eines spontanen Rottweiler Narrensprungs einiger Kleidlesträger am Fasnetsmontagmorgen Unruhe gegeben.

Nun geht man nach einem positiven Signal aus dem Ministerium positiv an die Vorbereitungen für 2022.