Verkehr und Innenstadtentwicklung sorgten in Schopfheim auch 2025 wieder für Diskussionen. Größter Aufreger war und ist aber die geplante Umwandlung des Schwimmbads zum Naturbad.
In einer turbulenten Sitzung mit über 200 Besuchern in der Stadthalle fällte der Gemeinderat im Juli mehrheitlich die Entscheidung, die Stadt und Bürger seither in Atem hielt – und das auch im kommenden Jahr tun wird.
Schwimmbad-Diskussion
Für die Öffentlichkeit völlig überraschend, beschloss das Gremium, bei der längst überfälligen Sanierung des Freibads den Weg in Richtung Naturbad einzuschlagen. Hauptargument: die Kosten. Gab es schon in der Sitzung zahlreiche kritische Wortmeldungen, schlug den Plänen in den darauffolgenden Monaten Gegenwind in Orkanstärke entgegen. Eine flugs gegründete „Interessengemeinschaft Sport- und Familienbad“ sammelte innerhalb von vier Wochen fast 2700 Unterschriften gegen das Naturbad – und erwirkte damit einen Bürgerentscheid über die Zukunft des Schwimmbads: hergebracht-chemische oder neuartige biologische Wasserreinigung? Darüber entscheiden die Schopfheimer am 8. März– in einem Aufwasch mit den Landtagswahlen.
Neuanfänge und Abschiede
In Sachen Innenstadtentwicklung ging es insbesondere aufs Jahresende hin Schlag auf Schlag: Von vielen heiß ersehnt, eröffnete „Tessy“ Reda Anfang Dezember nach monatelangem Umbau das Parkcafé – und stößt damit seither auf überwältigende Resonanz. Tatsächlich hat der Gastronom aus dem heruntergekommenen Altbau ein echtes Juwel im Herzen Schopfheims gemacht. Mit dem „Café Bohne“ im Haus Columban und dem Schmuck- und Geschenklädchen „Sparks“ im früheren „Bühler Mäxle“ gab es im Herbst zwei weitere Neustarts. Eine gelungene Stabsübergabe gab es ein paar Meter weiter bei der Übergabe des alteingesessenen Bäckerei & Café Trefzger, von Bäcker-Urgestein Fritz Trefzger an seinen Nachfolger, der Betrieb und Café behutsam modernisiert und nun mit der „Scheiblerei“ erfolgreich ist.
Derweil verabschieden sich mit Lederwaren Enz und dem Schuhhaus Klever Fashion zwei alteingesessene Geschäfts und hinterlassen eine Lücke im Stadtbild. Auch die Ortsteile sind betroffenen: In Fahrnau schließt die Volksbank zum Jahresende ihre SB-Filiale. Bleibt abzuwarten, ob die Sparkasse hier nachzieht. Deren vorerst letzter Schritt war der Rückbau der Fahrnauer Zweigstelle zur SB-Filiale.
Würth, Magentic, Faller
Schmerzlich für den Standort Schopfheim und für die etwa 350 betroffenen Mitarbeiter ist auch die Standortschließung von Würth Elektronik, die 2024 angekündigt und 2025 umgesetz wurde. Auch das Unternehmen Magentic verabschiedet sich weitgehend aus Schopfheim und zieht – immerhin mitsamt Mitarbeitern – nach Lörrach. Immerhin: Auch das Unternehmen „Faller Packaging“ hatte seinen Abschied angekündigt – bleibt nun aber doch in Schopfheim.
Baustellen und Verkehr
Fortschritt und teils sogar Abschluss ist bei einigen buchstäblichen Dauer-Baustellen zu vermelden: Der großformatige Umbau des Friedrich-Ebert-Schulcampus nähert sich nach acht Jahren und 40 Millionen dem Abschluss. Derweil wartet an der Max Metzger-Grundschule bereits das nächste Groß- und Teuer-Projekt in Sachen Bildung: Die Grundschule muss baulich für den Ganztagsbetrieb fitgemacht werden, unter anderem mit einem Mensa-Neubau.
Rund um die Max Metzger-Schule sind die Bauarbeiten schon länger im Gange: Sanierung und Umbau der Querachse zwischen Bahnhofstraße und Wiesenweg (Adolf-MüllerStraße/Am Stadtgraben) mitsamt Verlegung neuer Leitungen und Fernwärme gehten voran, und der zuvor vielgescholtene neue „Minikreisel“ dabei relativ geräuschlos in Betrieb.
Direkt nebenan erstrahlt das ehemalige Bezirksamt – Teil des Rathauses – in neu-altem Glanz, und wieder ein paar Meter weiter wächst das neue Uehlin-Haus in die Höhe. Die mit den Baustellen einhergehenden Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt sorgten für mächtig Kritik und Sorge bei Bürgern und Gewerbeverein.
Abriss und Neubau
Kräftig gebaut wird auch in Gündenhausen: Abriss und Neubau hieß es etwa bei Lidl auf der Gänsmatt binnen weniger Monate; Abflug hieß es im Zuge dessen für den Schnäppchenmarkt Thomas Philipps. Noch einmal ein paar Meter weiter bekommt der südliche Ortseingang durch das Großprojekt „Reibematt“ ein neues Gesicht. Inmitten der Baustelle floriert bereits das Ärztehaus.
Debatte um Windkraft
Weit weniger Freunde hat eine massive Veränderung, die womöglich am anderen Ende der Gemarkung entsteht: Hohe Möhr und Knöpflesbrunnen sind trotz Einspruch der Stadt und der betroffenen Ortsteile weiterhin als Vorranggebiete für die Windkraft ausgewiesen. Längst noch keine Entscheidung für den Bau von Windrädern – aber eben auch kein Ausschluss. Auf jeden Fall kommen dürften fünf weitere Windräder am Gersbacher Hohen Muttlen: Der entsprechende Pachtvertrag mit der EWS Vorranggebiete wurde bereits im April unterzeichnet.
Für Alarmstimmung insbesondere in den Schopfheimer Ortsteilen sorgen unwillkommene Gäste: Die Sichtungen der Asiatischen Hornisse explodieren geradezu, die mit der Bekämpfung betrauten Imker kommen kaum nach – und wie bei vielen anderen Themen gilt auch hier: Fortsetzung folgt, Ausgang ungewiss.