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Rückblick Die Tiergeschichten aus 2019

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Was hat die Tierwelt 2019 bewegt? (Symbolbild) Foto: dpa

Stuttgart - Ein erschlagener Auerhahn, ein beschmiertes Schwein - und zwei Kühe im dreifachen Mutterglück: Neben der prominenten Biene, über die in diesem Jahr im Zuge der Artenschutz-Debatte landesweit diskutiert wurde, haben im Südwesten viele andere Tiere für Schlagzeilen gesorgt. Mal waren es lustige Geschichten, mal traurige, mal Krimis, und ein Hund schafft es sogar vor Gericht. Ein Überblick über das tierische Jahr 2019.

Tischgeselle

Dreimal täglich leistet ein Schwan in Riedlingen (Kreis Biberach) einer Familie Gesellschaft beim Essen. Pünktlich hole er sich Frühstück, Mittagessen und Abendessen ab, erzählt Bewohnerin Widetta Pomaszewicz im August. Und dabei ist der Entenvogel selten allein: Meist bringe er seine Partnerin und die Jungen mit. Schon seit mehreren Jahren kämen die Schwäne zum Haus der Familie. Gefüttert werden die Tiere mit frischem Brot. Der Schwan sei schon als Jungtier mit seinen Eltern zum Haus gekommen - jetzt mache er dasselbe mit seiner eigenen Familie, sagte die Schwanenliebhaberin.

Rückkehrer

Für kurze Zeit kehrt ein Vertreter der seltenen Vogelart Waldrapp zurück an den Bodensee: "Sonic" kommt im August nach Überlingen, fliegt dann aber mangels sozialer Kontakte rasch weiter. Ein EU-Projekt soll die Zugvögel zurück an den Bodensee bringen und in ganz Europa wieder ansiedeln. Im April 2020 werden die Vögel zum Brüten am Bodensee erwartet, wie der Projektleiter des Waldrapp-Teams, Johannes Fritz, sagt. Die gänsegroßen Waldrappen lebten bis ins 17. Jahrhundert im Alpen- und Mittelmeerraum, auch an den Felswänden in Überlingen im Bodenseekreis. Doch dann wurden ihnen Vogeljäger zum Verhängnis - heute sind sie stark bedroht.

Jäger

Der Wolf ist bundesweit in aller Munde, als Schreckgespenst für Bauern und Erfolgsgeschichte für Artenschützer. Im Südwesten treibt sich ein Wolf dauerhaft herum - ein Exemplar mit der kryptischen Bezeichnung GW852m. Er ist im Nordschwarzwald ansässig, war aber in diesem Jahr auch schon im Südschwarzwald unterwegs. Und er hat schon einige Schafe und Kälber gerissen. Das beunruhigt Landwirte. Nutztierhalter, die noch nicht über genug Schutz für ihre Herde verfügen, können laut Umweltministerium Notfall-Zaunsets oder 1,2 Meter hohe Stangen mit Flatterband ausleihen.

Problemlöser

Abkühlung von den heißen Temperaturen sucht sich im Juli ein ausgerissener Hund aus dem Tierheim unter einer Polizeidusche in Crailsheim. Beim Duschen im Keller des Reviers habe ein Beamter plötzlich etwas Flauschiges an seinen Beinen gespürt, sagt ein Polizeisprecher. Erst einen Tag zuvor haben die Polizisten eine Meldung des Tierheims erhalten, das einen Hund vermisste. "Siehe da, es handelte sich doch tatsächlich um den entlaufenen Hund", sagt der Polizist über den duschenden Vierbeiner. Im Polizeiwagen wird der Streuner zurückgebracht - frisch geduscht und abgekühlt.

Armes Schwein

Mit Fußballparolen beschmiert und völlig erschöpft ist ein Schwein, als es im September auf einem Sportplatz in Mannheim entdeckt wird. Auf einer Körperseite steht in blauer Schrift die Buchstaben «SVW», dick mit roter Farbe durchgestrichen. Zuvor hat in der 3. Liga in Kaiserslautern der 1. FC Kaiserslautern gegen SV Waldhof Mannheim gespielt. Die Schmiererei sei wohl eine Aktion von Kaiserslautern-Fans gewesen, erklärt die Polizei. Verdächtigt werden eine 23-Jährige aus Kaiserslautern und noch unbekannte Komplizen.

Schreihals

Mit menschlichen Schreien ruft im September eine Ziege die Polizei auf den Plan. Sie hat sich im Zaun eines Geheges verfangen und schreit schmerzerfüllt. Die Polizei geht zunächst von menschlichen Hilfeschreien aus und macht sich mit Hundestaffel und Hubschrauber auf die Suche nach dem Opfer. In einem Waldstück in Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) entdecken die Ermittler das Tier. Es zu befreien, ist aber nicht so einfach - die Ziege wird in ihrer misslichen Lage von ihrer Herde und dem Ziegenbock geschützt, die immer wieder auf die Beamten losgehen.

Drillingsmamas

Zwei Kühe im dreifachen Mutterglück: Ende August bringt eine Kuh im Oberallgäu Kälberdrillinge zur Welt. Die Tierchen bekommen die Namen Dagobert, Diego und Denise. Anfang September dann bekommt auch eine Kuh auf der Schwäbischen Alb Drillinge - Hanni, Hanna und Hannes. Solche Geburten sind nach Angaben einer Sprecherin der Tierärztlichen Hochschule Hannover extrem selten.

Erschlagen

Bundesweit sorgt der Fall für Aufsehen: Am Rande eines Volksfestes im Schwarzwald wird ein unter Artenschutz stehender Auerhahn erschlagen. Die Tat geschieht im August abseits von Wanderwegen am Feldberg. Die Polizei ermittelt gegen zwei Männer - die sagen, das Tier habe sie attackiert. Die Ermittler wollen im Dezember eine Strafanzeige gegen zwei Verdächtige der Staatsanwaltschaft vorlegen. Das Auerhuhn ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. Im Schwarzwald geht der Bestand seit rund 100 Jahren zurück. Das Töten eines Tiers ohne vernünftigen Grund ist laut Tierschutzgesetz verboten.

Fleißarbeiter

Ein emsiger Biber fällt an der Autobahn 81 bei Bad Dürrheim (Schwarzwald-Baar-Kreis) nachts Bäume - und ruft damit die Polizei auf den Plan. Denn ein Stamm eines umgenagten Baums ragt ein Stück weit in die Fahrbahn. Der Biber habe mehrere Bäume umgelegt und "offensichtlich bei einem die Fallrichtung falsch eingeschätzt", teilt die Polizei mit. Der etwa sieben Meter lange und 20 Zentimeter dicke Stamm sei daraufhin in Richtung Autobahn gestürzt. Die Beamten können den umgestürzten Baum hinter die Leitplanke schieben. Verletzt wird bei dem Vorfall im November niemand.

PROZESSBEGLEITER: Als erster Hund in Baden-Württemberg begleitet der Golden Retriever Watson Zeugen bei Gerichtsverhandlungen. Er soll nervöse Opfer beruhigen. Seinen ersten Einsatz hat der drei Jahre alte Rüde am Amtsgericht Stuttgart. «Es war eine Zeugin mit geistiger Behinderung, Watson hat dann für sie die Situation aufgelockert», erzählt die Hundeführerin des ausgebildeten Therapiebegleithunds, Sabine Kubinski. Justizminister Guido Wolf (CDU) stellt das Projekt im Dezember vor und sagt: «Hunden gelingt häufig, was Menschen gerade bei traumatisierten Opfern manchmal nicht mehr schaffen: Vertrauen und Stabilität zu vermitteln.»

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