In diesem Jahr findet wieder der Schäferlauf statt (Archivbild). Darauf freut sich Bürgermeister Ulrich Bünger besonders. Foto: Thomas Fritsch

Wildbergs Bürgermeister blickt auf ein gutes Jahr 2025 für seine Stadt zurück und freut sich schon jetzt auf den Schäferlauf im Juli, der alle zwei Jahre stattfindet.

Ulrich Bünger freut sich, dass Wildberg 2025 in der baulichen Entwicklung der Stadt deutlich vorangekommen sei. Als wichtig sieht der Wildberger Bürgermeister in diesem Jahr die Fertigstellung von Großprojekten an, unter anderem die Modernisierung des Gültlinger Rathauses, den Neubau des Effringer Kindergartens, die Fertigstellung des Sulzer Feuerwehrhauses, die Wasserversorgung und die Entwicklung des neuen Zentrums in Wildberg.

 

Ganz allgemein gefragt: War 2025 ein gutes Jahr für Ihre Stadt? Und warum oder warum nicht?

Wir dürfen zufrieden sein, wenn man bedenkt, wie viele Menschen sich in den kommunalen Gremien, in der Stadtverwaltung, in Vereinen und Organisationen oder als Gewerbetreibende für die Stadt engagieren. So haben wir gemeinsam die Stadt weiter vorangebracht. Als jüngstes Beispiel darf ich hier das ehrenamtliche Bürgerauto des Stadtseniorenrats nennen. Insgesamt war es ein gutes Jahr für die Stadt Wildberg, auch weil wir Gott sei Dank von größeren Unglücken oder Naturkatastrophen verschont geblieben sind.

Wildbergs Bürgermeister Ulrich Bünger Foto: Wiebke Jansen

Was war 2025 der wichtigste Meilenstein für Ihre Stadt?

Insgesamt betrachtet sind wir in der baulichen Entwicklung der gesamten Stadt deutlich vorangekommen, unter anderem mit der Modernisierung der Gemeindehalle in Sulz am Eck als erfolgreichen Abschluss des Sanierungsgebiets, der Fertigstellung von Wohnbau- und Gewerbegebieten, der Neugestaltung des Zentrums in Wildberg mit neuem Bahnhofsvorplatz und der Neugestaltung der Gartenstraße. Auch die Stabilisierung der örtlichen Gesundheitsversorgung durch die Einrichtung eines Medizinischen Versorgungszentrums mit Angeboten der Telemedizin in Sulz am Eck, die Sicherstellung der Wasserversorgung beziehungsweise der Abwasserentsorgung im gesamten Stadtgebiet und die Maßnahmen zum nachhaltigen Waldumbau waren wichtige Wegmarken im Jahr 2026. Mit der Wärmeplanung, Untersuchungen im Rahmen des Starkrisikomanagements und Maßnahmen im Hochwasserschutz tragen wir Vorsorge für den Schutz der Bevölkerung. Danken möchte ich an dieser Stelle Bund und Land für die hohen Zuschüsse, die uns zur Realisierung dieser Maßnahmen zur Verfügung gestellt wurden.

Welches Projekt wird für Wildberg 2026 das wichtigste sein?

Wir sind schon voller Vorfreude auf unseren Schäferlauf im Juli. Das ist alle zwei Jahre immer etwas ganz Besonderes. Dann gilt es, die Landtagswahl am 8. März reibungslos durchzuführen. Darüber hinaus liegen die Schwerpunkte des Bauprogramms – neben einer Vielzahl von kleineren Maßnahmen und Projekten zum Erhalt des geschaffenen Vermögens – auf der Fertigstellung von Großprojekten wie zum Beispiel der Modernisierung des Rathauses in Gültlingen, dem Neubau des Kindergartens in Effringen, der Fertigstellung des Feuerwehrhauses in Sulz am Eck oder die Maßnahmen in der Wasserversorgung mit dem neuen Wasserwerk in Gültlingen und dem Bau eines Hochbehälters mit Wasserleitungen im westlichen Stadtgebiet. Eine weitere große Herausforderung liegt in der Entwicklung des neuen Zentrums in Wildberg bei der Stadthalle. Hier wird sich der Gemeinderat zeitnah mit Varianten zur Bebauung befassen. Mit der Fertigstellung der neuen Brücke über die B 463 könnte dann die Neugestaltung der Ortsmitte in Wildberg erfolgreich abgeschlossen werden.

Was wird 2026 die größte Herausforderung?

Wir müssen es hinbekommen, die Zuversicht nicht zu verlieren, d. h. auf unsere Stärken, Chancen und Möglichkeiten vertrauen. Dazu bedarf es der Anstrengung jedes Einzelnen. Bei Lichte betrachtet ist das Allermeiste gar nicht so schlecht, wie es oft dargestellt wird, und in der täglichen Praxis gibt es auf komplexe Fragestellungen nie einfache Antworten. Ich jedenfalls bin sehr dankbar dafür, was von jedem fürs Gelingen beigetragen wurde und wird.

Ende Januar 2026 steht die erste Fahrt der Hesse-Bahn an. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Eine abschließende Beurteilung dazu ist aus Sicht der Stadt Wildberg erst nach einer gewissen Zeit der Inbetriebnahme möglich, wenn klar ist, ob sich die Fahrgastzahlen und damit auch die Wirtschaftlichkeit so wie gewünscht entwickelt und die Hermann-Hesse-Bahn für eine Vielzahl von Kreiseinwohnern als eine attraktive Anbindung nach Stuttgart – zum Beispiel über die Kulturbahn – wahrgenommen wird.

Der Job des Bürgermeisters scheint in den vergangenen Jahren immer härter geworden zu sein -b mit allen negativen Konsequenzen. Auch im Kreis Calw ist das zu spüren. Was macht Ihnen beruflich am meisten zu schaffen? Und was müsste sich ändern, um das zu verbessern?

Das gesetzlich verankerte Amt (also kein Job) des Bürgermeisters wird durch unmittelbare Wahl durch die Bürgerschaft übertragen. Insofern muss man sich deren Kritik auch stellen, sofern diese ein Restminimum an Wertschätzung und Anstand behält. Zumindest sollte Kritik die Chance offenlassen, dass durch einen Austausch darüber erst etwas Produktives, vielleicht sogar etwas für beide Seiten Zufriedenstellendes entstehen könnte. Dazu müssen wir uns wieder besser zuhören und Personen und Positionen nicht sofort ein Etikett verpassen.

Egal ob Windräder, Baugebiete oder Mobilfunkmast – immer öfter bildet sich organisierter Widerstand gegen größere Projekte in der Nachbarschaft. Halten Sie das für legitim? Oder greift hier eher das Sankt-Florian-Prinzip, das im englischsprachigen Raum auch als „not in my backyard“ („nicht in meinem Hinterhof“) bekannt ist?

Das ist legitim, denn so steht es ja auch im Gesetz. Eine lebendige Demokratie kann und muss das aushalten und braucht im Sinne des Allgemeinwohls vor allem die Fähigkeit aller Beteiligten zu Kompromissen. Insofern hat es sich meines Erachtens bewährt, dass in unserer repräsentativen Demokratie in erster Linie die von der Bürgerschaft gewählten und am Gemeinwohl orientierten Vertreter in den Gemeinderäten darüber entscheiden.

Die Finanzlage der Kommunen ist schlecht, überall muss gespart werden. Zurückstecken will natürlich niemand. Ist die Erwartungshaltung der Bürger in dieser Situation realistisch?

Das kommt wie immer auf den Einzelfall an. Insgesamt spürt jeder, dass sich unsere Gesellschaft mit den formulierten Leistungsversprechen und festgelegten Standards finanziell und organisatorisch übernommen hat. Insofern ist es unabdingbar, auf allen Ebenen über Angebot, Nachfrage, Finanzierung und Verhältnismäßigkeit zu sprechen und auch darüber, was der einzelne von der Gemeinschaft erwarten darf und was sein eigener Beitrag sein muss.

2026 wird der Landtag gewählt. Welchen Wunsch haben Sie an die neue Landesregierung?

Eine gute und erfolgreiche Partnerschaft von Land und Kommunen fortzusetzen. Mit dem Vertrauen in die kommunale Selbstverwaltung – also in die Umsetzungskraft der örtlichen Entscheidungsträger –, verbunden mit schlanken Verwaltungsverfahren und einer angemessenen Finanzausstattung macht Vieles möglich.

Und zu guter Letzt noch etwas Persönliches: Was war Ihr schönster Moment 2025?

Im vergangenen Jahr gab es so viele schöne Anlässe und Begegnungen, dass es schwerfällt etwas herauszuheben.