Mitarbeitende des Kreislandwirtschaftsamts haben diese sehenswerten Rübengeister geschnitzt. Foto: Dorothee Schmieg

Kürbisse und Mais haben die in unserer Region früher weithin angebauten Rüben weitgehend verdrängt.

Ob Gärtnerei, Supermarkt oder Freiluftverkaufsstand: Im Oktober gibt es überall leuchtend orangefarbene Kürbisse zu kaufen, aus denen ganze Straßenzüge voller Halloween-Gesichter geschnitzt werden können.

 

Rüben, die ebenfalls ausgehöhlt und mit einer Kerze beleuchtet werden, um als Rübengeister gruslige Stimmung zu verbreiten, findet man hingegen kaum. Und das hat nicht zuletzt (land)wirtschaftliche Gründe.

Rüben dienten als Futter für Kühe und Kaninchen

Bis in die 1980er-Jahre hinein bauten viele Bauern im Zollernalbkreis Futterrüben an. Wie der Name schon sagt dienten diese als Nahrung für Nutztiere, besonders für Rinder.

Auch Kaninchenhalter pflanzten Rüben, um ihre Tiere zu versorgen. Vor allem im Winter, wenn es keine Wiesenkräuter mehr zu fressen gab, dienten die haltbaren Feldfrüchte als Futter für die Mümmelmänner. Sie sind gut haltbar und können im Keller bis ins Frühjahr gelagert werden.

Allerdings sind Anbau, Ernte und Aufbereitung von Rüben mit einigem Aufwand verbunden und erfordern viel Handarbeit. Daher wurden sie durch den – zudem ertragreicheren – Mais als vorherrschendes Viehfutter verdrängt. Und Kaninchenzüchter gibt es längst nicht mehr so viele wie einst.

Nur noch auf fünf Hektar im Kreis werden sie angebaut

Den starken Rückgang des Anbaus können die Fachleute aus dem Kreislandwirtschaftsamt in Zahlen fassen: Im Zollernalbkreis gibt es nur noch zwei oder drei Betriebe, die auf insgesamt weniger als fünf Hektar Fläche in kommerziellem Rahmen Rüben pflanzen.

Während man also früher leicht Schnitzmaterial für Rübengeister vom benachbarten Bauernhof bekommen konnte, ist das heute schwierig. Eine der wenigen Bezugsquellen im Kreis ist die Geislinger Gärtnerei Brobeil.

„Burgunder“ und „Rote Walze“

Gärtnermeister Jörg Brobeil und seine Mitarbeiterinnen bieten im Oktober Rüben der Sorten „Burgunder“ und „Rote Walze“ an, die zum Geisterschnitzen am besten geeignet sind. Diese beziehen sie von Herrmann Kipp aus Isingen, dem Schwiegervater von Philipp Brobeil.

Neben dem Verschwinden der Rübenfelder haben auch andere Faktoren zur heutigen Dominanz der Kürbisse geführt. Jörg Brobeil sagt, dass die Tradition des Rübengeisterschnitzens durch das Aufkommen von Halloween in unseren Breiten verdrängt wurde und etwas in Vergessenheit geraten ist.

Jörg und sein Bruder Philipp haben auch Rübengeister geschnitzt, als sie zehn oder zwölf gewesen sind. „Dann hielt bei uns der Kürbis Einzug“, erinnert sich der Gärtnerei-Chef.

Kürbisse sind weicher und verdrängten die Rüben

„Auch lässt sich eine Kürbis viel einfacher von Kindern aushöhlen als eine Rübe.“ Denn Rüben sind härter als Kürbisse und damit mühsamer zu bearbeiten. Das kann den Spaß am Geisterschnitzen trüben und lässt Familien womöglich eher zur orangefarbenen Halloween-Konkurrenz greifen, zumal die Verletzungsgefahr mit diesen geringer ist.

Die Brobeils laden jedes Jahr zu einer Schnitzaktion in ihre Gärtnerei. Unter den oft mehr als 40 jungen Teilnehmern sind meist zwei oder drei, die einen Rübengeist machen wollen.

Jörg Brobeil will mit seinen Töchtern an diese Tradition anknüpfen: „Ich habe mir aber dieses Jahr vorgenommen, mit meinen Kindern auch mal wieder einen Rübengeist zu machen, dass sie wissen, wie es früher Papa gemacht hat.“