Es ist noch ziemlich dunkel, als sich die Klassikläufer auf den Weg machen – mindestens bis Hinterzarten. Foto: Kommert

Die Sonne geht gerade erst auf, als die Teilnehmer des 44. Rucksacklaufs auf die 60 beziehungsweise 100 Kilometer lange Strecke starten. Vor ihnen liegt an diesem Samstag ein Abenteuer, an dem sich auch bekannte Gesichter beteiligen.

Schonach - Der Tag ist noch sehr jung; Es ist gerade 6 Uhr. Doch in Schonach, vor allem in weitem Umkreis um die Dom-Clemente-Schule herum, herrscht Chaos. Sternenklar, mit Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt präsentiert sich der Samstag – das bedeutet, dass der Rucksacklauf 2022 trotz Corona bei guten Bedingungen stattfinden kann.

521 Läufer haben sich angemeldet

Ringsum ist alles belegt, was gerade so als Parkplatz durchgeht, denn es ist wieder einmal der zweite Samstag im Februar – ein klares Zeichen dafür, dass der 44. Rucksacklauf ansteht. Nachdem in den vergangenen beiden Jahren kein Lauf stattfinden konnte – 2020 wegen Schneemangels und 2021 wegen Corona –, haben sich in diesem Jahr 521 Läufer angemeldet.

Vor der "Villa Kunterbunt" ist die Wiegestation aufgebaut; zwei Waagen stehen zur Wahl. Die Rucksäcke müssen gewogen werden, denn vier Kilo für die Männer und drei für die Frauen sind Pflicht. Die Helfer vom Skiclub Schonach halten hier viele Kisten mit Orangen zum Auffüllen bereit, falls ein Rucksack zu leicht ist. Der Inhalt der Rucksäcke ähnelt sich bei allen Läufern: ein isotonisches Getränk, dazu Energieriegel, Obst und Wachs.

Bis nach Hinterzarten oder sogar zum Belchen

"Ich habe mich in einem Anfall von fürchterlicher Selbstüberschätzung für die 100 Kilometer Skating angemeldet", erklärt einer der prominenteren Teilnehmer, der Berchtesgadener Bürgermeister Franz Rasp. Am Ende schlägt er sich mit dem 17. Platz doch sehr wacker. Es heiße ja immerhin Langlauf, erklärt ein anderer. Und ein Langlauf ist es zweifelsohne, denn schon die kurze Strecke bis Hinterzarten ist immerhin 60 Kilometer lang. Die ganz Harten werden weiterlaufen bis zum Belchen – das sind volle 100 Kilometer.

Bei den weitgehend guten Bedingungen brauchen die Schnellsten unter sechs Stunden. Und wer bis 17.30 Uhr noch nicht angekommen ist, verpasst die Siegerehrung. Denn es geht bei diesem verrückten Lauf um den Wäldercup. Aus ganz Deutschland kommen die Läufer, aber auch Franzosen, Schweizer, Italiener und Österreicher wollen diese große Herausforderung meistern.

Teilnehmer zwischen Jahrgang 2003 und 1947

"80 Frauen sind diesmal dabei", erklärt Cheforganisatorin Heidi Spitz. Der Skiclub Schonach steht ihr mit rund 30 Helfern zur Seite. Von der Altersstruktur her ist bei den Teilnehmern fast alles vertreten – die jüngsten Läufer sind Jahrgang 2003 und werden somit im Laufe des Jahres 19 Jahre alt, der älteste Teilnehmer ist 1947 geboren.

Nachdem zwei Jahre gar nichts mehr ging, sind die Teilnehmerzahlen deutlich angestiegen: So entschieden sich insgesamt 102 Männer und 13 Frauen für die 100 Kilometer klassisch, 137 Männer und 17 Frauen werden im Skatingstil gewertet. 17 Klassik-Teilnehmerinnen und 101 -Teilnehmer sind in Hinterzarten fertig; 33 Frauen und 101 Männer skaten bis dorthin.

"Wichtig ist das Durchkommen"

Die wohl prominentesten Teilnehmer sind Sandra Ringwald und Fabian Rießle (klassisch) sowie Georg Hettich (Skating). Sandra Ringwald kann sich einen zweiten Platz bei den Damen erkämpfen, Fabian Rießle kommt zeitgleich mit seiner Frau ins Ziel, belegt damit bei den Herren klassisch Platz 22. Georg Hettich landet bei den Skatern auf Platz 50.

Es geht gegen 7 Uhr, die letzten Minuten vor dem Start werden vom Skiclubvorsitzenden Christian Herr angesagt. Starter ist seit Jahren auch Bürgermeister Jörg Frey. Er begibt sich an den Startpunkt hinter der Halle. Countdown – und dann gehen mehr als 200 Läufer das Abenteuer an. "Wichtig ist das Durchkommen – Sieger ist jeder, der das schafft", fasst einer der Teilnehmer zusammen, bevor er sich in Richtung Startlinie begibt. Die Läufer in der freien Technik starten eine halbe Stunde später. Dann geht es für die Mitglieder des Skiclubs zum gemeinsamen Frühstück.