Steffen Wagner, Geschäftsführer des Bewährungshilfevereins im Landgerichtsbezirk Rottweil (links) und Vorstandsmitglied Michael Gross (rechts) informieren über ihre Arbeit. Foto: Siegmeier

Mit der neuen JVA Rottweil wächst nicht nur die Zahl der Straffälligen, sondern auch der Bedarf an Begleitung und Resozialisierung. Da setzt der Bewährungshilfeverein an.

Vielerlei Akteure gibt es beim „Runden Tisch gegen häusliche Gewalt“, der erst kürzlich mit einer Aktion auf dem Rottweiler Wochenmarkt auf sich aufmerksam gemacht hat. Einer davon ist der Verein zur Förderung der Bewährungshilfe im Landgerichtsbezirk Rottweil, oder kurz Bewährungshilfeverein, mit Sitz in der Schillerstraße 6 in Rottweil.

 

Der Verein führt eigentlich eher ein Schattendasein, ist aber dennoch sehr aktiv. „Und die Arbeit wird deutlich mehr werden, wenn erst die neue JVA in Betrieb geht“, ist sich Geschäftsführer Steffen Wagner sicher. Aber auch jetzt geht ihm und seinen weiteren zwei Mitarbeiterinnen die Arbeit nicht aus.

Das sind die Aufgaben

Der Bewährungshilfeverein ist ein gemeinnütziger Verein der freien Straffälligenhilfe. Er gehört dem „Netzwerk Straffälligenhilfe Baden-Württemberg GbR“ an und ist Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband. Zweck des Vereins ist die Unterstützung und Betreuung von straffällig gewordenen Jugendlichen, Heranwachsenden und Erwachsenen sowie die Unterstützung von Geschädigten und Zeugen im Strafprozess.

Aber wie sieht die Arbeit konkret aus? Zum einen vermitteln Steffen Wagner und sein Team gemeinnützige Arbeit, bieten aber auch Nachsorge-, Eltern-Kind-Projekte, Anti-Aggressivitätstrainings und mehr.

„Der Resozialisierungsprozess Strafgefangener ist eine zentrale Bedingung für ein erfolgreiches Fußfassen in der neu gewonnenen Freiheit. Haben Klienten keine positiven persönlichen Hilfestellungsmöglichkeiten aus ihrem früheren sozialen Umfeld, so kann das Nachsorgeprojekt ‚Chance‘ unter bestimmten Voraussetzungen unter die Arme greifen. Dies dient vor allem auch als Prävention der Gefahr von möglicher Rückfälligkeit, die, bewiesenermaßen, bei fehlender Unterstützung sehr wahrscheinlich ist“, erklärt Wagner. Der Verein bietet beispielsweise übergangsweise auch Wohnraum an, bis die Klienten wieder im Alltag Fuß gefasst haben.

Festangestellte seit 2007

Festangestellte gibt es im Verein übrigens erst seit 2007. Davor war die gesamte Arbeit rein ehrenamtlich. Dennoch ist der Verein auch heute noch auf Spenden angewiesen, um seine Projekte zu finanzieren.

Interessant klingt auch das Projekt „Schwitzen statt Sitzen“. Hierbei geht es darum, Straffällige in gemeinnützige Arbeit zu vermitteln. „Durch das Projekt möchten wir den Problemen, die eine kurzzeitige Inhaftierung mit sich bringt, entgegenwirken. Auf Antrag können uneinbringliche Geldstrafen in gemeinnützige Arbeitsauflagen umgewandelt werden. Hierdurch wird zudem ein Beitrag zur Resozialisierung und persönlichen Weiterentwicklung des Klienten beigetragen“, erklärt Wagner.

Training gegen Aggressivität

Immer wichtiger werde auch das Anti-Aggressivitäts-Training. An den Trainings nehmen nicht nur bereits wegen Gewaltdelikten Verurteilte teil, sie sind auch offen für Leute, die merken, dass sie in diesem Bereich etwas tun müssen.

Zudem lassen die zunehmenden Fälle häuslicher Gewalt aufhorchen und erschrecken. Aus diesem Grund absolviert Steffen Wagner derzeit eine Weiterbildung zum Thema „Täterarbeit häusliche Gewalt“. „Für die Täter gibt es im Landkreis noch keine Angebote, aber die Täterarbeit ist ein sehr wichtiges Feld. Es braucht gute Täterarbeit, da sie zugleich ein guter Opferschutz ist“, betont Wagner. Die verschiedenen Kurse und Projekte werden bislang über Bußgelder finanziert, die Finanzierung sei aber allein darüber nicht gesichert.

Ganz neue Herausforderungen

„Die neue JVA wird uns vor ganz neue Herausforderungen stellen, denn da gibt es dann 500 Straffällige, die eventuell Hilfe benötigen“, sagt Wagner. Doch mit einem dreiköpfigen Team sei diese kaum leistbar.

Der Verein möchte in der JVA auf jeden Fall Sprechstunden anbieten. „Wir sind bereits in der JVA Ansprechpartner für Gefangene und können diese ab drei Monate vor Haftentlassung begleiten. Zudem können wir Familien begleiten, bei denen ein Elternteil inhaftiert ist, um den Haftschock für die Kinder möglichst gering zu halten“, informiert er.

Der Verein werde nicht in die JVA umziehen, aber fungiert als Kooperationspartner. „Wir benötigen dann aber auch mehr Mitarbeiter“, kündigt Wagner an, denn das Aufgabengebiet werde nicht nur größer, sondern auch komplexer. „Es bleibt jedenfalls spannend und die Entwicklung geht stetig weiter.“

Weitere Infos gibt es unter www.bhv-rw.de