In der Rottweiler Innenstadt wird der Tod von Tauben bewusst in Kauf genommen. Der Tierschutz wird aktiv. Das Veterinäramt nimmt den Vorfall ernst.
Aus einem Rottweiler Innenhof stinkt es zum Himmel. „Ich schaue nicht mehr weg“, sagt die Tierschützerin Arzu Paj. Mitten in der Rottweiler Innenstadt werden Tauben gequält. Der Tatort: Ein Innenhof der Rottweiler Geschäftswelt.
Arzu Paj kennt diesen Hof gut. Als Vorsitzende des Vereins „Unsere Rottweiler Stadttauben“ kümmert sie sich seit Jahren um den effektiven Taubenschutz. Mit großem Erfolg. Seit sie die Tiere in mehrere Schlägen artgerecht versorgt, sind sie im Rottweiler Stadtbild kaum mehr sichtbar.
Auch im besagten Innenhof lebten früher mehr als 70 Tauben, erzählt Paj. Sie habe sich derer angenommen und mit viel Einsatz und Herzblut und Genehmigung der Eigentümer dafür gesorgt, den Bestand zu reduzieren. Lediglich sechs Tauben blieben zurück.
Regelmäßig habe sie den Bestand kontrolliert. „Bis ich unbequem wurde“. An den Spikes, die illegal angebracht worden seien, hätte sich Tauben aufgespießt. Immer wieder habe sie darauf aufmerksam gemacht, gewarnt, aber sei ignoriert worden. „Eine der Tauben aus meinem betreuten Schlag ist unter den Toten. Ich bin fassungslos, wütend und zutiefst traurig. Diese Tiere könnten noch leben“. Der Hinterhof sei kein Einzelfall. Er stehe für jahrelanges Wegsehen, Tierleid und das Versagen wohlhabender Eigentümer.
Netz „eine tödliche Falle“
Schon vor Jahren hätten die Eigentümer ein Netz angebracht, um die Klimaanlage vor den Tauben zu schützen. „Eine tödliche Falle“. Zahlreiche Tauben wären im Netz qualvoll verendet. „Dieser Ort bleibt eine Gefahr für Tiere“. Eine nachhaltige Lösung sei nie geschaffen worden. Immer wieder komme es zu Todesfällen. „Und das, obwohl es vier Eigentümer gibt, allesamt aus der Rottweiler Geschäftswelt.
„Ich musste an die Öffentlichkeit“, schreibt Paj auf Facebook. Ein Schritt, der auch Sorge bereitet: „Mir wurde mit Anzeige gedroht, sollte ich an die Öffentlichkeit gehen.“ Dennoch, sie lasse sich nicht mehr einschüchtern. „Dieser Hinterhof steht für systematisches Wegsehen auf Kosten unschuldiger Lebewesen. Und das darf nicht länger stillschweigend hingenommen werden.“ Rückhalt erfährt Paj auf Facebook. Es entwickelt sich eine Welle der Empörung.
Sie habe die Polizei und das Veterinäramt eingeschalten, sagt Paj. „Wir nehmen den Vorfall ernst“, betont Jörg Hauser, Leiter vom Veterinäramt Rottweil. Das Veterinäramt sei bereits aktiv geworden. Das Verfahren laufe. Auch das Gesundheitsamt sei eingeschalten worden, so Arzu Paj, da starke Gerüche, die nicht von den Tauben stammen können, auf gesundheitsschädigende Wirkungen hinweisen könnten.