Der Andrang auf die Tafeln wächst. Foto: Weihrauch, dpa

Suchen Sie in der Vorweihnachtszeit noch nach einem Empfänger für eine Spende? Dann könnte der Rottweiler Tafelladen der passende Adressat sein. Dort spitzt sich die Lage immer weiter zu.

Rottweil - Zu Beginn das Jahres hatten Gerald Hodapp, Leiter der Sozialen Dienste in Rottweil,und Gisela Rehberg, Leiterin des Tafelladens in Rottweil, noch Zuversicht gezeigt: Trotz der Herausforderungen durch zweieinhalb Jahre Corona-Pandemie konnte die Nachfrage der Kunden noch gedeckt werden.

"Wir in Rottweil können die Bedürfnisse unserer Kunden noch decken", hatte Hodapp im Januar im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten erklärt. Gleichwohl hatte Gisela Rehberg bereits eine Veränderung festgestellt: "Man merkt schon, dass mittlerweile mehr Leute kommen, weil sie sich die Lebensmittel im Supermarkt nicht mehr leisten können."

Die weitere Entwicklung in den vergangenen Monaten – mit Ukraine-Konflikt und Energiekrise – hat nun alle Befürchtungen übertroffen und die Tafeln vor ungeahnte Herausforderungen gestellt. Es ist eine Mammutaufgabe: Seit dem Ukraine-Konflikt und dem damit verbundenen Flüchtlingsstrom nimmt die Zahl der Bedürftigen täglich zu. Der Kreisverband des DRK sah im Sommer keine andere Möglichkeit, als das Ausstellen von Neukundenkarten für den Tafelladen zu stoppen.

Dem Ansturm nicht gewachsen

"Dem Ansturm waren wir einfach nicht gewachsen, und unsere Kapazitäten sind begrenzt", sagt Gisela Rehberg. Um auch neuen Kunden nun die Chance zu ermöglichen, ab Januar eine Karte zu bekommen, sei eine Neustrukturierung des Vergabesystems notwendig. Dazu werden nun zum 31. Dezember automatisch alle Tafelladenkarten, unabhängig vom Ausstellungsdatum, auslaufen.

Wer also in 2023 im Tafelladen einkaufen muss, braucht eine neue Karte. Bedürftige, gibt der DRK-Kreisverband in einer Pressemitteilung bekannt, können sich ab sofort mit einem entsprechenden Bescheid im Tafelladen vorstellen und aufnehmen lassen.

Die Bedürftigkeit orientiert sich an der Abgabenordnung. So haben neu hinzugezogene Flüchtlinge die Möglichkeit, eine Karte zu bekommen. Indes gehört zur Neustrukturierung, dass die neu ausgestellten Karten je nach Art der Karte Ende Juni oder Ende Dezember 2023 erneut automatisch auslaufen werden.

Kritik ist einkalkuliert

Weiterhin im Tafelladen einkaufen zu können, ist also mit einem gewissen Aufwand verbunden. "Wir rechnen durchaus mit dem einen oder anderen unzufriedenen Kunden. Allerdings zwingt uns derimmer größer werdende Bedarf zu dieser drastischen Maßnahme", weiß Ralf Bösel, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands. Die Bedürftigkeit nehme aufgrund der wirtschaftlichen Situation stetig zu, so dass die gesamten Tafeln völlig ausgelastet seien.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Tafelladens, lobt Bösel, leisteten herausragende Arbeit bis an die Grenzen der möglichen Kapazitäten. Andererseits sei die Spendenbereitschaft der Bevölkerung trotz anhaltender Inflation recht groß, so dass Gisela Rehberg und ihr Team zuversichtlich sind, auch diese Herausforderung zu meistern.

Wer die Tafel in Rottweil unterstützen möchte, kann dies mit einer Geld- oder einer Sachspende sowie der Mitarbeit im Tafelladen machen.