Nils Landgren und Wolfgang Haffner feiern und lassen sich feiern in Rottweil. Foto: Schnekenburger

Bühnenjubiläum, runde Geburtstage, Jazzkoryphäen mit Spielfreude: Abende wie den mit Haffner und Landgren liebt die Jazzfest-Gemeinde in der Alten Stallhalle in Rottweil.

Zugegeben, die Moderation wirkt zunächst schon ein bisschen anbiedernd. So von wegen tolles Publikum, als dieses gerade mal im Saal sitzt und üppig Begrüßungsapplaus spendet. Und, ja, dass der Auftritt in Rottweil der Höhepunkt der Konzerte zu seinem 50. Bühnenjubiläum sei, sagt Wolfgang Haffner selbst mit einem Augenzwinkern.

 

Und dann ist da doch bald der Verdacht, dass etwas dran sein könnte am Bekenntnis zu diesem Festival, das er tatsächlich gut kennt. Denn Haffner agiert zwar routiniert, doch jederzeit inspiriert, wenn er in dieser Phase mit ein bisschen Percussion – und immer ein bisschen mehr davon – auch sein Publikum einstimmt. Das er mit wenigen Klangereignissen natürlich längst erobert hat, und das doch viel zurück gibt. Da hat er noch lange nicht so richtig losgelegt.

Die Stimmung stimmt in der Stallhalle. Foto: Bodo Schnekenburger

Auch Simon Oslender hat da erst angedeutet, was noch folgen und gut eineinhalb Stunden später in die Überzeugung münden sollte, gerade einen einfach sensationellen Keyboarder erlebt zu haben, der ganz unprätentiös die Halle in Sphärenklang taucht, fließende Piano-Linien unter Posaune und auch Schlagzeug malt - oder mit knochentrockenem Anschlag erstaunlich belebten Funk zaubert.

Nils Landgren begeistert das Publikum. Foto: Bodo Schnekenburger

Posaune ist denn auch das zweite ganz große Stichwort. Genauer: rote Posaune. Die ist verbunden mit dem Mann, der in der europäischen Jazzszene seit vielen Jahren Akzente und Maßstäbe setzt: Nils Landgren. Auch der Schwede kennt das Rottweiler Jazzfest und die Stallhalle - seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Und er feierte Mitte Februar seinen 70. Geburtstag. Zwei Tage vor dem Konzert im Stall feierte er in der ausverkauften Philharmonie in Berlin - unter anderem mit Wolfgang Haffner. Und doch hat man den Eindruck, als wären die beiden nicht nur Stars und beste Kumpels, sondern in diesem Moment so richtig begeistert - von ihrem Tun, weil es begeistert, und ihrem Publikum, weil es begeistert ist.

Wolfgang Haffner lässt das Publikum teilhaben an seinem persönlichen Fest. Foto: Bodo Schnekenburger

Das Programm, das das Haffner-Trio und Landgren mitgebracht haben, verschiebt den Rahmen ein bisschen aus der „Jazz“-Fokussierung hinaus. Trotzdem gibt es genügend Momente, in dem der vital-sinnliche Ton, den Landgren auch ganz leise so in den Raum stellen kann, dass er ihn ganz füllt, Themen entwickelt, die singen, sich treiben lassen - oder antreiben. Letzteres am Donnerstag natürlich besonders, wenn Haffner sein Spiel mit percussiven Klangereignissen, die er faszinierend organisieren kann, für Momente aufgibt und am Schlagzeug ein filigran konstruiertes, aber knallhart ausgespieltes Szenario unter die Melodie legt.

Und dann ist es auch höchste Zeit für Claus Fischer, der in Rottweil für den Bass zuständig ist, viel Spielfreude beweist und perfekt in dieses Setup passt, das den Schwerpunkt an diesem Abend zunehmend auf Funk verlegt.

„Es ist schön, hier zu sein. Und mit so einer Band ist es ein Traum“, ist nicht nur ein Zitat, sondern könnte als Motto über dem Konzert stehen, das mehr als eineinhalb Stunden bestens aufgelegte und profund agierende Musiker präsentierte, die sich sichtlich wohl fühlten. Vielleicht stimmt das mit dem Höhepunkt der Jubiläumstour ja doch ein bisschen.