Am Montagabend ist das „Quadro Nuevo“ zu Gast in der Rottweiler Stallhalle - und hat nach 14 Jahren Jazzfest-Abstinenz viel im Gepäck.
Der Auftakt mit Chilly Gonzales am Samstag war für viele Fans ein Fest. Um den kanadischen Pianostar live erleben zu können, hatten zahlreiche Besucher eine weite Anreise in Kauf genommen - und sie wurden nicht enttäuscht. Damit war das erste Jazzfest-Wochenende 2026 auch schon gelaufen. Denn Montag ist ja nicht so sehr tauglich als Veranstaltungstag, oder?
Ist er doch. Wenn in die Alte Stallhalle geladen wird, sind vermeintlich unverbrüchliche Weisheiten außer Kraft gesetzt. Selber Ort, anderes Publikum, sehnlichst erwartete Band: Das „Quadro Nuevo“ servierte 14 Jahre nach seiner Jazzfest-Premiere eine Reise durch die musikalische Welt - zumindest Teile davon -, anmutig, lustvoll, zart und vollgriffig, je nach Bedarf. Und gerne so, dass unterschiedliche Traditionen, oder vielmehr Klangerfahrungen, bunt gemischt werden.
Gelungene Kombination
Damit soll noch nicht einmal die Fuge aus Bachs erster Violinsonate gemeint sein, die Neuzugang Tim Collins – ob sie ihn wirklich von seiner Nordnorwegen-Tour abgegriffen haben? – am Vibraphon in den Raum zimmert, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Und selbstverständlich fein gezeichnet und hervorragend phrasiert. Nein. Die Konfrontation griechischer Strandland-Stimmung, die irgendwann ouzogeschwängert in die Instrumente zieht, ist so eine Begegnung. Oder die Musette, mit der Andreas Hinterseher vergangene Zeiten doch noch einmal an die Oberfläche zieht und in Kombination mit dem sehr variablen Saxophonspiel von Mulo Francel und dem zupackenden Bass von D.D. Lowka überraschend frisch klingt.
Lebendige Musik
Das Quartett kennt sich aus in der Musik, wird einmal mehr klar, als alles in Richtung Tango Nuevo umschwenkt, den Hinterseher am Bandoneon allerdings nicht allzu scharf ausspielen will: Die Musiker ziehen das Wesen der jeweiligen Musik nach oben, sie formen es mit ihrer Instrumentalsprache nach. Und die ist sehr lebendig. Keine analytische Interpretation ist gefragt, sondern ein eher jederzeit schöpferischer Umgang mit dem Material, auch wenn das Ergebnis reproduziert ist.
Sie können sich das leisten, denn sie haben sich wieder und wieder damit auseinandergesetzt – wie man an dem gut bestückten Verkaufsstand sehen kann, der nicht nur CD und, ja, alte Vinyls, offeriert, sondern auch Notenmaterial – und der angepriesen wird, als gäbe es kein Morgen.
Denn auch das ist „Quadro Nuevo“: ein Team herrlicher Entertainer. Aus den Moderationen werden mitunter Kabarettszenen. Auch das kann man machen, immerhin, und da sind wir wieder beim Anfang, können sie es – und haben 30 Jahre Teambuilding hinter sich.