Die Umgestaltung des Friedrichsplatzes wird eine große Nummer – zeitlich, logistisch und finanziell. Deshalb forderten die Freien Wähler einen Preisdeckel. Durch kamen sie damit nicht.
Moderner, grüner, lebenswerter – das soll der Friedrichsplatz nach seiner Umgestaltung sein. Ein Platz mit großer Aufenthaltsqualität, trotzdem befahrbar und das im Herzen der Innenstadt.
Das Büro Greenbox aus Köln landete mit seinem Entwurf beim Architektenwettbewerb einen Volltreffer. Am 29. Juli war der Siegerentwurf vorgestellt worden. Am Mittwochabend stand Landschaftsarchitektin Sandra Patzelt den Stadträten für Nachfragen zur Planung zur Verfügung.
Womit sie nicht gerechnet hatte – am Ratstisch war mit Landschaftsarchitekt Harald-Armin Sailer (FDP) und Materialprofi Peter Schellenberg (FWV) umfassende Expertise vorhanden. Und so gab es einen fachlichen Ausflug in die Welt geräuschminimierender Bodenbeläge sowie zu Vor- und Nachteilen verschiedener Verkehrsflächenbefestigungen. Von Sailers „Ellenbogenverband“ hatte noch nicht einmal OB Christian Ruf bis dato etwas gehört.
Bauminseln und viel Platz
Patzelt umriss, wie ihr Büro die bisherige mehrspurige Durchgangsstraße zu einem Platz entwickeln möchte. Die Bauminseln, die links und rechts den durchgängig gepflasterten Fahrbahnbereich von den breiten Aufenthaltsflächen trennen, seien „integraler Bestandteil des öffentlichen Raums“. Drumherum wird es eine weitere Bepflanzung geben, dazu viel Platz für Gastro, Einzelhandel und so weiter.
Die Fahrbahn fällt dabei fast nicht auf, weil sie gepflastert wird. „Wir wollen keine Friedrichsstraße 2.0“, hatte OB Christian Ruf in der aufkeimenden Diskussion betont. Denn so mancher am Ratstisch hätte lieber eine Asphaltfläche gesehen.
Was auffällt: Die Möblierung ist sehr zurückhaltend gewählt. „Das lässt viel Spielraum“, so Patzelt.
Sperrungen schon nach der Fasnet
So gut wie keinen Spielraum gibt es bei der Zeit. Die sitzt den Planern im Nacken. Bis Ende Oktober soll das dem Architektenwettbewerb anhängiges Verfahren abgeschlossen sein. Die Beauftragung soll noch in diesem Herbst erfolgen, die Ausschreibung des Entwurfs noch vor der Sommerpause 2026. Nach der Fasnet 2027 soll dann mit der Umgestaltung des Friedrichsplatzes begonnen werden können.
Wer nun meint, mit Sperrungen und Co. sei auch erst dann zu rechnen, der irrt. Teil – und Komplettsperrungen wird es schon ab Frühjahr 2026 geben, weil zunächst die ENRW in Sachen Leitungen im Untergrund aktiv sein wird. Und das zeitgleich mit dem Bau des neuen ZUP am Nägelesgraben.
„Das wird von uns eine flexible Herangehensweise fordern“, umschrieb Fachbereichsleiter Rudolf Mager das, was da auf die Rottweiler zu kommt.
Kostendeckel – ja oder nein
Für die Mega-Maßnahme im Herzen Rottweils sind 1,85 Millionen Euro im Haushalt 2025 veranschlagt. Aus Sorge, Gemeinderat und Stadt könnten bei der Gestaltung des Friedrichsplatzes die Kosten aus den Augen verlieren, wollten die Freien Wähler einen verpflichtenden Kostendeckel.
Zusätzliche Anregungen gibt es bereits. Die Feuerwehr, so Mager, habe zuletzt etwa angeregt, bei der Baumaßnahme Amok-Poller mit zu planen. Kosten: etwa 20 000 Euro je Poller, wenn man diese gleich mitintegriert. Und dann gibt es ja auch noch den Wunsch nach einem Wasserspiel.
Monika Hugger (CDU), die den Antrag der Freien Wähler zwar „absolut nachvollziehbar“ fand, konterte mit dem Lehrgeld, das man bei der Baumaßnahme „Rottweil Mitte“ vor etlichen Jahre gezahlt habe. Damals habe man sich ein solches Finanzkorsett auferlegt und dann auf sinnvolle Investitionen verzichtet. Auch Rainer Hils (SPD+FFR) hielt den Antrag für „unnötig“. Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt.
Besser keine Pirouetten
Ums Wasserspiel ging es dann am Ende noch einmal. Monika Hugger ergriff die Gelegenheit und fragte bei der Expertin nach, wo sie Platz für ein Wasserspiel auf dem Friedrichsplatz sehe. In der Planung des Architekturbüros war ein solches nicht vorgesehen gewesen, weshalb sich Patzelt mit der Beantwortung schwer tat.
OB Ruf versprach allerdings, eines im Gemeinderat vorzustellen. Dann könnten die Räte entscheiden, ob ein Wasserspiel gewollt ist oder nicht. Hier mahnte Patzelt: „Ein Wasserspiel lässt sich nicht leicht integrieren und dann wieder rausnehmen“. Pirouetten und Schleifen, die die Rottweiler Räte bei solchen Themen gerne einmal drehen, sind in Anbetracht des engen Zeitfensters nicht dienlich. Patzelt machte eine klare Ansage. „Wir sind so schnell, wie die von Ihnen getroffene Entscheidung.“ Der Ball liegt also im Sitzungssaal.