Vor dem alten Rathaus, Sitz des kaiserlichen Hofgerichts, gibt Sabina Kratt, Vorsitzende der Freunde des kaiserlichen Hofgerichts, einen geschichtlichen Abriss. Foto: Rack

Karl Kimmich erteilt eine Geschichtsstunde der besonderen Art über den kaiserlichen Hofrichter Graf Wilhelm Werner von Zimmern.

Vor dem Alten Rathaus gab Sabina Kratt, Vorsitzende der Freunde des kaiserlichen Hofgerichts, einen Abriss zum Hofgericht in Rottweil, das 1299 erstmals erwähnt wurde. Als höchstes Zivilgericht reichte die Zuständigkeit von Köln bis zu den Alpen und von Straßburg bis Prag. Im Alten Rathaus wurde dann die Hofgerichtsstube besichtigt.

Mit dem Thema „Das turbulente Leben des Rottweiler Hofrichters Graf Wilhelm Werner von Zimmern“ hatte der Freundeskreis ins Schwarze getroffen. Der Versammlungsraum im Solbad reichte kaum aus für die vielen Interessierten aus dem ganzen Kreisgebiet.

Bühnenfund im Pfarrhaus

Eines Zufalls bedurfte es, dass der rührige Geschichtsforscher Fritz Peter aus Leinstetten eine Urkunde des kaiserlichen Hofrichters Graf Wilhelm Werner von Zimmern auf der Bühne des Pfarrhauses gefunden hatte. Wilfried Lieb vom Staatsarchiv Stuttgart leistete dann die Transkription der Urkunde.

In seiner unnachahmlichen Art vermittelte Karl Kimmich, früherer Rektor in Bösingen, einen Einblick in das Leben des Freiherrn Wilhelm Werner von Zimmern. Vierjährig kam der Junge in die Schweiz, da über den Vater die kaiserliche Acht verhängt wurde. Nach der Aufgabe des Banns kehrte der Bub zurück nach Rottweil und wohnte am Rindermarkt, dem heutigen Friedrichsplatz.

Literarisches Talent

14-jährig ging er nach Tübingen, wo an der Universität schnell sein literarisches Talent zum Vorschein kam. Dort begann er, Geschichten in ein Gebetsbüchlein zu schreiben, später auch Gedichte wie das „Mariengedicht“. Später wechselte er an die Uni Freiburg und wurde Rektor. Angestrebt hat er ein geistliches Amt, erhielt aber nie eine Domherrenstelle und begann so 1510 als Richter des kaiserlichen Hofgerichts, das er 20 Jahre lang inne hatte.

Bei all dem beruflichen Erfolg konnte er die Tragik seines Lebens nie ablegen. So seine erste Brautwerbung, wo er im Saarland eine nassauische junge Adelige heiraten wollte, der Vater ihn aber nie vorließ und es so verhinderte. Auch mit seiner Rottweiler Geliebten Margarete Ruttler kam es nicht zur Ehe.

Tragischer Tod der Ehefrau

Tragisch war der Tod seiner ersten Ehefrau, Katharina von Lupfen, die 16 Wochen nach der Heirat einen tödlichen Reitunfall erlitt. Danach schrieb er in sein Gebetsbüchlein den „Totentanz“, in dem in sein Leidensbild der Tod der Ehefrau aufgenommen ist.

Immer wieder würzte Kimmich seinen Vortrag mit amüsanten Begebenheiten. So als Wilhelm Werner im Saarland in der Grafschaft Haag und Leuchtenberg ein adeliges Fräulein freien wollte. Dies verhinderte die Mutter, 16 Jahre älter, als der Freiherr aber sein Heiratsversprechen erhielt, was Karl Hezinger zum Zwischenruf animierte: „Au alte Küh schlecket gern Salz“. Die Hochzeit in Rottweil beschrieb der Neffe Froben von Zimmern als „mit hohen Kosten verbunden, denn die Gäste, allein 500 aus Rottweil, waren alle kostenfrei“.

Herzkapsel im Schloss Herrenzimmern

1645 starb der Hofrichter. Seine Herzkapsel verblieb zunächst im Schloss Herrenzimmern, kam später nach Rottweil und dann nach Heiligenberg. Der Leichnam wurde in Meßkirch bestattet, so wurde immer „an zwei Stellen für ihn gebetet“.

Der Herrenzimmener Geschichts- und Kulturverein hat zum Hofrichter das Heft 2/2023 der Bösinger Schulskizzen herausgegeben.