Gitarrist Philipp Tenberken Foto: Cools

Was für ein Debüt – das erste Mal auf dem Southside-Festival und dann gleich als gebuchter Act? Das können nicht viele von sich behaupten. Die Jungs der Rottweiler Band "Avralize" können es. Wir haben mit ihnen über ihren ersten Auftritt auf der großen Bühne gesprochen.

Rottweil/Neuhausen ob Eck - "Es war einfach nur saugeil", sagt Severin Sailer. Die Begeisterung steht ihm direkt nach dem Auftritt noch ins Gesicht geschrieben. Es ist 14.30 Uhr, und die Sonne brennt bei etwas mehr als 30 Grad erbarmungslos vom Himmel. Der Energie der Rottweiler Jungs, die am frühen Nachmittag im Zelt auf der "White Stage" des Southside-Festivals auftreten durften, hat das keinen Abbruch getan.

Wie kam es dazu?

Sänger Severin Sailer (20) und Schlagzeuger Bastian Gölz (19) machen bereits seit 2013 zusammen Musik. Nach einigen Veränderungen in der Band-Konstellation – damals trat die Gruppe noch unter dem Namen "Silent Fox" auf – kam Gitarrist Philipp Tenberken (19) dazu.

Dass die Musiker echte Ausnahmetalente sind, sahen auch schnell Andere. 2018 gewannen die Rottweiler den Cosmic Award beim VS Music Contest und durften ihre eigenen Songs 2019 in einem professionellen Studio aufnehmen. Dass die Drei nun beim Southside-Festival 2022 auftreten durften, verdanken sie ihrem Sieg beim "SchoolJam", Deutschlands größtem Wettbewerb für Nachwuchs-Bands. 2020 sollte eigentlich der Sieger gekürt werden, der bei den Schwesterfestivals Southside und Hurricane auftreten darf. Coronabedingt verschob sich die Entscheidung auf 2021 – und der Auftritt auf 2022.

"Damals haben wir uns über die Verzögerung aufgeregt, aber rückblickend sind wir ganz froh darüber", erklärt Severin Sailer. Hintergrund ist auch der Namenswechsel der Band. "Silent Fox" gehört seit ein paar Monaten der Vergangenheit an. Stattdessen treten die Rottweiler nun als "Avralize" auf.

Die Namensänderung

Damit geht auch eine musikalische Veränderung einher. "Wir hatten eine Downphase mit ›Silent Fox‹ und haben überlegt, wie es weitergehen könnte", sagt Severin Sailer. "Viele der Lieder hatten wir geschrieben, als wir 16 Jahre alt waren", erklärt Drummer Gölz. "Damit konnten wir uns nicht mehr identifizieren." Deshalb musste ein Neustart her – als "Avralize".

Und wie klingt das nun? Definitiv laut, wie Konzertbesucher beim Southside-Festival schnell merkten. Modern, heavy, klarer Gesang gemischt mit Growls – Metalcore vom Feinsten eben. Und auch die Unterschiede zu "Silent Fox" sind hörbar. "Unsere härteren Parts sind jetzt härter, die softeren softer, aber wir sind auch abwechslungsreicher geworden und haben eine gute Balance gefunden", sagt Philipp Tenberken.

Sofort super Stimmung

Das kam bei den Southside-Festivalfans am Samstag bestens an. "Ich hätte nie gedacht, dass die Leute so abgehen", sagt Sailer, erschöpft, aber glücklich, nach dem Auftritt. Schon am Freitag waren die drei Bandmitglieder auf dem Campingplatz unterwegs. "Promo-Aktion mit Schnaps", sagen sie grinsend. So schafften sie es, dass nicht nur bekannte Gesichter, sondern auch einige Neugierige zum Auftritt kamen – und das trotz früher Spielzeit und großer Mittagshitze.

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Vielleicht lag es aber auch an der Energie der Rottweiler Band, die diese halbe Stunde Spielzeit auf dem Southside-Festival voll auskostete. Gespielt wurde ein komplett neues Set – ohne "Altlasten" von "Silent Fox". Stattdessen mit der frisch veröffentlichten Single "Freaks" im Gepäck. Sailer sprang und tanzte über die Bühne, und Gölz und Tenberken gaben an den Drums und der Gitarre alles. Diese Spielfreude übertrug sich auf das Publikum. Nervosität? Keine Spur.

Publikum jubelt sofort

Vorher sah das freilich anders aus, verraten die Bandmitglieder. "Die Vorbereitung diese Woche war schwierig", sagt Severin Sailer lachend. Die Aufregung sei in Schüben gekommen und unkontrollierbar gewesen. "Freitagnacht habe ich gefühlt nur 15 Minuten geschlafen." Für Bastian Gölz waren die letzten zehn Minuten vor dem Auftritt die schlimmsten. "Aber dann sind wir auf die Bühne gekommen, und die Leute haben direkt gejubelt. Da war die ganze Aufregung weg."

Ihr Ritual vor den Auftritten? "Wir umarmen uns immer und wünschen uns viel Spaß. Außerdem sagen wir ›Das wird schon‹, und das hilft tatsächlich immer", sagt Philipp Tenberken lachend. "Wir haben das Set aber im Vorfeld auch so oft durchgespielt, dass wir es inzwischen im Schlaf können. Das gibt einem Sicherheit", meint Drummer Gölz. Bühnenluft geschnuppert haben die Musiker ja schon einige Male. In der jüngsten Vergangenheit hatten sie auch in der Region einige Auftritte, unter anderem anlässlich des 30-Jahre-O.M.I.-Jubiläums in Oberndorf.

Was passiert nach dem Festivalsommer?

Ein Festival war jedoch die Premiere – zumal es, allein schon altersbedingt, das erste Mal war, dass die Rottweiler überhaupt das Southside-Festival besucht haben. "Für mich war es sogar das erste Festival in meinem Leben", sagt Philipp Tenberken lachend. Und dann nicht als Besucher, sondern gleich als Act da zu sein – das war definitiv etwas Besonderes für die Musiker.

Und was passiert nun nach dem Festivalsommer? "Wir haben schon wieder einige Studiotage geplant. Ich kümmere mich gerade Vollzeit um die Band", erzählt Severin Sailer. Ende 2022 soll ein weiterer neuer Song veröffentlicht werden. Außerdem heißt es: Auftritte, Auftritte und nochmals Auftritte.

Ein besonderer Gig wartet bereits am 26. August in Oberndorf im Rahmen des Kultursommers. Da darf "Avralize" zusammen mit den Bands "Ghostkid", "The Novelists", "Paleface" und "Our Mirage" auf der Bühne stehen. "Wir hätten uns nie träumen lassen, dass wir mal mit denen spielen dürfen", freut sich Severin Sailer schon jetzt.

Weiter in den Norden

Genau genommen ging es für ihn und die Anderen aber bereits gleich nach dem Auftritt beim Southside-Festival weiter – von der Bühne zum Interview und dann direkt auf die Autobahn Richtung Hurricane-Festival im rund 750 Kilometer entfernten niedersächsischen Scheeßel. Der Plan: Fünf Stunden fahren, im Hotel übernachten und am Tag danach die restliche Strecke zurücklegen und um 12.30 Uhr wieder auf der Bühne stehen. Stress? Vielleicht schon, aber die Jungs sehen es eher so: "Echtes Bandleben – einfach cool".