Eine Frau wird am Rottweiler Bahnhof von zwei Männern belästigt. Ihr Schwager startet daraufhin auf Facebook einen Aufruf. Und der geht schnell in eine bestimmte Richtung.
„Ich suche zwei schwarze Männer, die sich öfter am Bahnhof aufhalten. Diese haben meine Schwägerin am Bahnhof bedrängt und angefasst. Bin für jeden Tipp dankbar, um die beiden zu finden“, schreibt ein Facebook-Nutzer in der Gruppe Rottweiler Stadtgeflüster.
Das Thema geht bei den Kommentatoren recht schnell in eine Richtung. Nämlich die, dass die Polizei in solchen Fällen nichts unternehme, es nichts bringe, sich an die Polizei zu wenden.
„Macht euch keine Hoffnungen, dass die Polizei was macht“, heißt es da. Oder „Fahr mal hin und paar Kollegen.“
Das sagt die Polizei
Wir fragen bei der Polizei nach, was diese in solch einem Fall rät, und ob der Vorfall am Bahnhof in Rottweil angezeigt wurde. Die Antwort ist eindeutig: „Es ist für die Exekutive immer problematisch, wenn Teile der Bevölkerung oder Individuen das Recht in die eigene Hand nehmen möchten.“
Oft agiere die Person aus einem scheinbaren Selbstbedürfnis heraus, „dennoch möchte ich betonen, dass es in der Bundesrepublik – und heruntergebrochen im Polizeipräsidium Konstanz – einen leistungsstarken und funktionierenden Polizeiapparat gibt“, so der Polizeisprecher. Und: „ Der Griff zur Selbstjustiz ist nicht nur strafbar, sondern auch unnötig.“
Auch eine Facebook-Nutzerin in der Gruppe hatte den Aufruf so verstanden. Sie schreibt in ihrem Kommentar:„Ich lese das als geplante Selbstjustiz. Bei allem Verständnis – das geht doch nicht. Dafür ist die Polizei da, die akut sicher niemanden sofort verhaftet, aber ganz bestimmt aufmerksam ist. Und wenn man sonst noch was unternehmen will, dann hilft man, Frauen zu stärken und die Männer aufzuklären.“
Der Fall ist bekannt
Dass die Polizei über den Vorfall am Bahnhof in Kenntnis gesetzt wurde, hat der Polizeisprecher recherchiert. Ein protokollierter Anruf passe zur Schilderung. „Dort erzählt eine Frau, von zwei Männern angeschaut worden zu sein“, so der Sprecher. Weiter seien auch unflätige Wörter gefallen.
Die Frau habe dem Kollegen im Revier mitgeteilt, dass sie weder Anzeige erstatten wolle, noch das Erscheinen der Polizei notwendig sei.
Der Polizeisprecher betont: „Es steht jedem frei – und dank der omnipräsenten Handynutzung möglich – jederzeit den Notruf zu wählen.“ Allerdings – vom aktuellen Anlass her betrachtet – „machen sich die Sozialen Netzwerke mal wieder alle Ehre“.