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Rottweil Seite 2: Ausführliche Stellungnahmen

Von

kulturottweil

Der Kulturverband „kulturottweil“ solidarisiert sich mit dem Zimmertheater Rottweil und weist den AfD-Angriff auf die öffentliche Kulturfinanzierung zurück Die Kunstfreiheit ist ein Grundrecht, das in Artikel 5, Absatz 3 des Grundgesetzes verankert ist. Dass die AfD in Person ihres Landtagsabgeordneten Emil Sänze diese und damit das Grundgesetz mit Füßen tritt, offenbart sich in der Anfrage der Fraktion zur Förderung des Zimmertheaters Rottweil durch das Land Baden-Württemberg. Nach dem Willen der AfD und des Herrn Sänze soll Kulturarbeit dazu dienen, das voranzutreiben, was sie selbst als nationale Identitätsfindung verstehen. Doch eine Instrumentalisierung von Kultur für jedwede (partei)politischen Zwecke läuft der notwendigen Freiheit der Kultur in unserer Demokratie zuwider.
Der gesamte Vorstand des Kulturverbands „kulturottweil“, dem 30 kulturtreibende Vereine angehören, solidarisiert sich mit Nachdruck mit dem Zimmertheater Rottweil. Kulturarbeit in Rottweil ist in besonderer Weise von der Bürgerschaft getragen und lebt von großem ehrenamtlichen Engagement aller Beteiligten. Von einer „staatlich abhängigen Kunstklientel“ zu sprechen bzw. den Kunstschaffenden eine „Tendenz zur Umerziehung Andersdenkender“ vorzuwerfen, ist so abwegig, dass man sich fragen muss, welch Geistes Kind der Autor ist?
Kulturelle Bildung ist in unserer Stadt nie parteipolitisch motiviert, sondern setzt auf Toleranz und Offenheit. Das schätzt das Publikum und es diskutiert das Kulturangebot leidenschaftlich, aber sachorientiert.
Auch verurteilen wir die diffamierenden Äußerungen von Herrn Sänze gegenüber Künstlern im Allgemeinen, der Kulturförderung und der Kulturarbeit auf das Schärfste. Die von Herrn Sänze unterstellte Lebens- und Arbeitseinstellung von Künstlern ist eine pauschale Beleidigung einer ganzen Berufsgruppe. Seine Kritik an der Vergabepraxis öffentlicher Investitionsmittel für Kultur zeigt deutlich, dass es Herrn Sänze an elementarem Wissen über Kulturfinanzierung und -förderung mangelt.
Kultur wie wir sie verstehen, ist geprägt von Toleranz, von der Bereitschaft zur Auseinandersetzung und zur Kritik. All dies ist Herrn Sänze und der AfD fremd. Seine Äußerungen aus durchsichtigen und rein parteipolitischen Gründen sowie seine Unfähigkeit, mit Kritik an seiner Person und seiner Partei umzugehen, belegen dies. Sie sind kontraproduktiv für die Entwicklung der Kultur, nicht nur in unserer Stadt. Denn die finanzielle Unterstützung gemeinnützig agierender Kulturvereine in Frage zu stellen, schadet nicht nur den Vereinen, der kulturellen Bildung und dem kulturellen Angebot einer Gemeinde, sondern auch der Attraktivität des Wirtschaftsstandorts einer Stadt wie Rottweil, deren Belange er als einer der Abgeordneten unseres Wahlkreises eigentlich konstruktiv vertreten müsste. Doch darum geht es Herrn Sänze ganz offenkundig nicht.
kulturottweil wehrt sich gegen geistige Brandstifter, gleichgültig aus welcher Ecke sie stammen.

Die Vorstandschaft von „kulturottweil“
Simon Busch, Julia Guhl, Herbert Anderer, Bastian Greschek, Gabriele Hammen, Walter Hölle, Jürgen Knubben, Günter Lang, Markus Schellhorn, Thomas Schlipf, Gabi Schwarz

Verein Zimmertheater Rottweil

Die Rede der AfD Baden-Württemberg gegen das Zimmertheater Rottweil, formuliert vom Landtagsabgeordneten Emil Sänze, versteht sich nicht nur als Frontalangriff auf die künstlerische Arbeit der Intendanten, Bettina Schültke und Peter Staatsmann. Sie attackiert die Arbeit eines bürgerlichen Trägervereins, der die Arbeit des Zimmertheaters erst ermöglicht. Aber sie will mehr: Sie holt aus zum Angriff auf die Demokratie, diese Rede ist ein Angriff auf die Freiheit der Meinung und die Freiheit der Kunst, auf die Grundpfeiler unseres Gemeinwohls, auf eine Verfassung, die uns seit über 70 Jahren ein Leben in Frieden beschert.
Herr Sänze spricht von Rachfeldfeldzügen, Hörigkeit, Umerziehung Andersdenkender und dem Schatten der eigenen Unfähigkeit - ein Vokabular aus der Kriegspropaganda. Das Zimmertheater wird aber von einem Verein getragen, der ehrenamtlich fernab der großen Staatstheater auch in Rottweil Kunst und Theater hochhält. Führt die AfD nun Krieg gegen Bürgervereine?
Einen solchen Angriff kann man nur entschieden zurückweisen. Wenn Sänze fordert, Kunst möge sich selber tragen, dann verabschiedet er sich von dem Gedanken, dass Kunst und Theater nicht nur den Wohlhabenden zugänglich sein darf und nicht nur dem Vergnügen gilt. Eine lebens- und liebenswerte Gesellschaft lebt von ihrer Kultur, ihrem Theater, ihrer Kunst. Daher hat sich der Staat - also die Bürgerinnen und Bürger der Gesellschaft - darauf verständigt, keinesfalls nur den Konsumtempeln zu huldigen, sondern Theatern, Museen, Konzertsälen, Kunst im öffentlichen Raum und den künstlerischen Nachwuchs zu fördern, der in einem strengen Auswahlverfahren auf wenige Studienplätze hoffen darf. Ebenso wird auch der Sport unterstützt.
Die Sprache der AfD, die auf Herabwürdigung und Diffamierung der Bürgerinnen und Bürger dieses Landes abzielt, ist inakzeptabel und in ihrem Niveau deutlich unter dem derjenigen, die die AfD pauschal ablehnen. Ach, hätte Herr Landtagsabgeordnete Sänze doch das Theaterstück, gegen das er so wütet, selber gesehen, dann wäre uns der ganze Schall und Rauch erspart geblieben. Am Ende des Stückes saßen Publikum und Theaterleute an einem Tisch beim Essen zusammen und ‚schwätzten miteinander‘. Immer noch die beste Form der Verständigung im Ländle.
Demokratie bedeutet Diskurs, Vielfalt, das Zulassen des Andersdenkens – ohne Kriegspolemik. Daher sollten alle Demokraten, vor allem aber alle Landtagsabgeordnete unabhängig von welcher Partei gegen diese antidemokratische Haltung Stellung beziehen, damit nicht der Eindruck entsteht, eine schweigende Mehrheit stimme diesen absurden und beleidigenden Äußerungen zu. Wir haben etwas zu verlieren! Vor allem die Spitze der Stadtverwaltung und des Kulturamtes müssen öffentlich und entschieden für die Freiheit der Kunst auch und vor allem in Rottweil eintreten. Die älteste Stadt Baden-Württembergs lebt vom ehrenamtlichen Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger, die Arbeit des Zimmertheaters gilt es zu verteidigen. Ein Zeichen der Solidarität könnte darin bestehen, die Vorstellungen des Theaters zu besuchen. Lessings Nathan, der am kommenden Freitag Premiere hat, erweist sich als ideales Stück dafür, weil es den Vorrang der Vernunft thematisiert.
Die AfD spricht von einem Skandal um das Zimmertheater. Ja, es ist ein Skandal, aber anders als Sänze behauptet. Der wahre Skandal besteht darin, dass eine Partei, die in deutschen Parlamenten sitzt, grundlegende demokratische Rechte in Frage stellt. Umso wichtiger ist jetzt die Arbeit des Theaters, so wie unsere Intendanten sie verstehen: Theater als Ort kritischer Auseinandersetzung mit unserer Geschichte, der Gegenwart und dem Ausblick auf unsere Zukunft. Damit dies möglich ist, macht der Verein Zimmertheater 2002 e.V. seine Arbeit.

Elisabeth Gutjahr, Georg Fröhlich,
Vorsitzende des Vereins Zimmertheater Rottweil

Oberbürgermeister und Kulturamtsleiter

Für Rottweil ist das Zimmertheater seit 50 Jahren eine etablierte und wichtige Kultureinrichtung, die von der Stadt gefördert und unterstützt wird. Die Förderung mit kommunalen Mitteln bemisst sich bewusst nicht an der politischen Ausrichtung der Stücke, sondern einzig und allein an der künstlerischen Qualität und an der Leistungsfähigkeit des städtischen Haushalts. Die Qualität sehen wir bei Frau Dr. Bettina Schültke und Herrn Dr. Peter Staatsmann als absolut gegeben. Die Produktionen sind innovativ, zeitgemäß und erfahren hohe Wertschätzung, sowohl in Fachkreisen, als auch beim Publikum. Regelmäßig stehen wir im Austausch mit dem Trägerverein und der Intendanz über die finanziellen Themen. Im Übrigen ist es im Kulturbereich üblich, dass öffentliche Förderungen notwendig sind, um ein lebendiges Theater möglich zu machen. Zu betonen ist, dass die selbst erwirtschafteten Einnahmen hier in Rottweil recht hoch sind und über den Zahlen vieler vergleichbarer Theaterbetriebe im Land liegen. Uns ist es wichtig, ein künstlerisch hochwertiges Theater in Rottweil anbieten zu können. Kultur braucht Freiräume. Sie darf sich nicht in erster Linie an den Marktmechanismen orientieren. Gerade durch diese Freiheit findet das Theater sein Publikum, das auf jede neue Produktion gespannt ist.
Die Förderpraxis ist angemessen und richtig. In Rottweil sind wir stolz, ein professionelles Theater zu haben, das ein ganz wesentlicher Bestandteil unserer kulturellen Identität ist. Die Anschuldigungen des Landtagsabgeordneten Emil Sänze weisen wir klar zurück. Sie sind haltlos, in ihrer Wortwahl beleidigend und sie beschädigen eine wertvolle Kultureinrichtung, die wir in unserer Stadt sehr schätzen. Das Zimmertheater leistet eine hervorragende Theaterarbeit. Wir stehen zum Rottweiler Zimmertheater.

Ralf Broß, Oberbürgermeister und Marco Schaffert, Kulturamtsleiter

Daniel Karrais

Die verbalen Angriffe von Herrn Sänze gegen Kunstschaffende sind wirklich unter der Gürtellinie. Dass ihm die Antwort der Landesregierung auf seine Anfrage nach den Landesfördermitteln für das Zimmertheater nicht gefällt, berechtigt Herrn Sänze nicht, unser Theater und Kunstschaffende im Allgemeinen als Versager oder alimentationsbedürftige Künstler darzustellen. Ich fordere Herrn Sänze auf diese Unterstellungen zurück zu ziehen. Des Weiteren ist es nicht die Aufgabe von Künstlern, dem Volk nach dem Munde zu reden Die AfD hat nicht zu entscheiden, wofür sich die Bürgerinnen und Bürger zu interessieren haben. Beurteilen, was sie interessiert und was nicht, kann die Partei ebenfalls nicht.
Kunst-und Kulturschaffende müssen die Freiheit in unserer Demokratie haben, Kunst auf ihre Weise zum Ausdruck bringen zu können. Dabei darf Theater auch überzeichnen, uns Zuschauer zum Nachdenken anregen. Wir Liberale trauen allen Menschen zu, sich selbst eine Meinung über das Gesehene zu bilden und ihre Schlüsse zu ziehen.
Die inhaltliche Ausrichtung der Kleintheater ist vielfältig. Die Spanne reicht von gesellschaftlichen und politischen Themen über Theater mit regionalem Bezug, Kinder- und Jugendtheater bis hin zu experimentellem Theater. Im Übrigen ist es ein sehr guter Wert im Vergleich der Kleintheater, wenn dieses die Hälfte der Aufwendungen selbst deckt. Das Zimmertheater ist im landesweiten Vergleich bei der Einnahmesituation sehr gut aufgestellt. Die Kritik an der Deckung des Fehlbetrags durch Land und Stadt kann ich nicht nachvollziehen. Entweder man will kleine Theaterbühnen, dann muss man Geld zuschießen oder man lässt es ganz bleiben.
Die Äußerungen des Kollegen Emil Sänze und der Antrag der AfD-Landtagsfraktion stimmen nachdenklich. Wer Kunstschaffende als Schatten der eigenen Unfähigkeit bezeichnet, disqualifiziert sich selbst. Erst fragt die AfD-Landtagsfraktion die Nationalitäten der Künstler am Stuttgarter Staatstheater ab, dann nimmt sie am Zimmertheater Rottweil die Rolle einer zum Glück längst überwundenen politischen Zensur-Instanz ein. Ich bin froh, dass die Entscheidung über die Förderung von kulturellen Einrichtungen nicht in den Händen weltfremder Ideologen liegt, sondern beim Stadtrat und dem Land, die sich projektbezogen oder institutionell mit einbringen und das Grundgesetz gelesen und verstanden haben. Das Ganze zeigt die totalitäre und autoritäre Weltanschauung des Flügels in der AfD. Wer unliebsame Meinungen äußert, soll unter Vorwand kaltgestellt werden. Es ist bedauerlich, dass wir uns im 70. Jubiläumsjahr des Grundgesetzes mit Angriffen auf Artikel 5 beschäftigen müssen.

Daniel Karrais, Stadtrat und FDP-Landtagsabgeordneter

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

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