Kurt Schellenberg (links) ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der Stiftung, Paul Müller sein Stellvertreter. Foto: Bienger

Die "Stiftung Rottweiler Bürger in Not" setzt sich seit sieben Jahren für Bedürftige ein. "Helfen tut auch dem Helfenden gut."

Rottweil - Ein Unfall, eine schwere Krankheit oder ein anderer Schicksalsschlag: Plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Die "Stiftung Rottweiler Bürger in Not" hilft dort, wo es am meisten brennt. Doch die Wohltäter haben derzeit selbst mit einem Problem zu kämpfen.

Man stelle sich folgendes Szenario vor: In einem Normalverdiener-Haushalt mit zwei Kindern wird der Haupternährer plötzlich schwer krank. Es folgen lange, zermürbende Klinikaufenthalte, der Alltag spielt sich mehr im Krankenhaus als zu Hause ab. Alle schwanken zwischen Hoffen und Bangen, und in die Ungewissheit mischt sich Angst: Kreditschulden sitzen den Beteiligten im Nacken, trotz Sozialversicherung bleibt am Ende des Monates so wenig Geld übrig, dass es nicht einmal mehr fürs Essen reicht.

Es gibt solche Fälle, jeden Tag, auch in Deutschland – und auch in Rottweil. 19 Familien hat die Ende 2005 gegründete "Stiftung Rottweiler Bürger in Not" allein im vergangenen Jahr finanziell unter die Arme gegriffen. Die Hilfe erfolgt beispielsweise in Form von Einkaufsgutscheinen oder durch die Zahlung säumiger Stromrechnungen.

"Natürlich greift in solchen Fällen der Sozialstaat ein. Doch bis die Anträge geprüft und bewilligt werden, vergeht ja eine bestimmte Zeit", erläutert Paul Müller, ehemaliger Leiter des Rottweiler Finanzamtes, der seit einem Jahr als stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsvorstands tätig ist. Oftmals seien die Betroffenen in ihrer Not derart gelähmt, dass sich die Antragstellung verzögert. "Und einen Vorschuss gibt es nicht", betont Kurt Schellenberg, Gründer und Vorsitzender der "Stiftung Rottweiler Bürger in Not", in deren Vorstand außerdem Walter Stegmann, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Gemeinderat, Gerhard Losch von der Rottweiler Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Hickethier, Losch + Partner und Dieter Albrecht, Inhaber eines Abschleppdienstes in Rottweil, sitzen.

"Einzige private Stiftung in der Region"

Der Rottweiler Unternehmer Schellenberg und seine Familie haben es sich vor sieben Jahren zur Aufgabe gemacht, Bedürftigen vor allem in dieser "Überbrückungszeit" zu helfen. Die Einführung der Praxisgebühr gab 2005 die Initialzündung: "Es gab plötzlich Leute, die keine zehn Euro mehr für den Arztbesuch aufbringen konnten", erinnert sich Schellenberg, der in 40 Jahren als Gemeinderats- und Kreistagsmitglied "sehr viel gesehen und erlebt" hat – auch, was menschliche Not angeht.

Seine Familie gründete die Stiftung mit einem Startkapital von 100.000 Euro. "Es ist die einzige private Stiftung in der Region", sagt Müller. Im Vergleich zu Stiftungen, die beispielsweise von Kreditinstituten getragen werden, lebt sie also ausschließlich von Privatvermögen. Inzwischen ist das Stiftungskapital auf 217.000 Euro angewachsen; der Löwenanteil stammt von der Familie Schellenberg.

Auf den ersten Blick ist dies ein durchaus ansehnlicher Geldbetrag, mit dem man viel Gutes tun könnte. Der Haken daran ist: Eine Stiftung kann nicht einfach aus dem Vollen schöpfen. Sie darf nur die Kapitalerträge aus dem Stiftungskapital verwenden, sprich, die Zinsen, die sich aus der Höhe des bei der Bank hinterlegten Vermögens ergeben. Diese sind derzeit aber so niedrig, dass die "Stiftung Rottweiler Bürger in Not" auf Spenden angewiesen ist, um das Kapital zu erhöhen. Spenden können zudem direkt von der Stiftung für deren in ihrer Satzung festgeschriebenen Zwecke verwendet werden.

Die Ziele sind bei der "Stiftung Rottweiler Bürger in Not" klar definiert: "Hilfe für Bürger in Notlagen" und "Förderung des sozialen Verständnisses". Diese Hilfe konzentriert sich aber nicht nur auf kurzfristige Notsituationen: "Wir arbeiten eng mit Caritas, Diakonie und Arbeiterwohlfahrt zusammen", erklärt Müller. "Dieses ›Konzept der begleitenden Betreuung‹" wirkt über die Notsituation hinaus, so dass die Zuwendung einen nachhaltigen Erfolg zeigt."

Um Bedürftigen trotz niedriger Kapitalerträge künftig weiter helfen zu können, hat der Stiftungsvorstand rund 700 Briefe an Privatpersonen in ganz Rottweil verschickt und darin zur Unterstützung aufgerufen. "Doch auch diejenigen Bürger, die keinen Brief bekommen haben, dürfen helfen. Unser Motto ist: ›Gutes tun tut auch Helfenden gut‹", betont Müller. Und Schellenberg fügt hinzu: "Wir können das soziale Netz nicht enger machen. Aber die Stiftung hilft Bedürftigen, damit das soziale Netz sie wieder auffängt."

Spendenkonten Kreissparkasse Rottweil, BLZ 642 500 40, Konto 282; Volksbank Rottweil, BLZ 642 901 20, Konto 222 003.

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