Wo sollen anerkannte Flüchtlinge wohnen? Die Stadt denkt darüber nach. (Symbolfoto) Foto: Kästle

Stadt verteidigt Hegneberg. Bauvorhaben umfassst zwölf Wohnungen unterschiedlicher Größe.

Rottweil - In der Gemeinderatssitzung hat die Stadtverwaltung dargelegt, wie sie auf den Wohnraumbedarf anerkannter Asylbewerber reagieren will. Ein Baustein ist, wie berichtet, das Projekt der Stadtbau am Hegneberg. Das ist indes umstritten.

Das vom Eigenbetrieb der Stadt geplante Bauvorhaben in der Überlinger Straße 64 umfasst zwölf Wohnungen unterschiedlicher Größe. Die Verwaltung rechnet mit einer durchschnittlichen Belegung von vier Personen pro Wohnung, also insgesamt 48 Bewohner.

Damit würde man gerade einmal zehn Prozent des Bedarfs decken, der durch hierbleibende Flüchtlinge entsteht. Dabei geht die Verwaltung von einer für sie günstigen Entwicklung aus. Zurzeit nämlich befinden sich 530 Hilfe suchende Menschen in Unterkünften in der Stadt.

Der Gemeindetag Baden-Württemberg prognostiziert eine Anerkennungsquote von 50 Prozent und ist der Meinung, dass die Menschen mit Bleiberecht Familienangehörige nachkommen lassen werden, im Schnitt sollen das pro anerkanntem Flüchtling drei weitere Personen sein. Für Rottweil ergibt sich daraus ein rechnerischer Wert von 1060.

Die Stadtverwaltung hält diese Zahl für zu hoch gegriffen und geht von maximal 500 Personen aus, die dauerhaft ein Dach über dem Kopf benötigen werden.

Neben dem Projekt in der Überlinger Straße 64 auf dem Hegneberg wären weitere Standorte für eine kurzfristige Bebauung, so die Verwaltung, denkbar. Dazu zählt sie zwei weitere Grundstücksflächen am Hegneberg sowie jeweils eine in der Unteren Lehrstraße und in der Eisenbahnstraße.

Zudem plane der Eigenbetrieb Stadtbau im Birkenweg 4 den Neubau eines Zehnfamilienhauses. Diese zehn barrierefreien Wohnungen sollen gezielt Bestandsmietern angeboten werden. Falls der eine oder andere jedoch anderswo fündig werde, sollen die frei werdenden Wohnungen Flüchtlingsfamilien angeboten werden. Mehr jedoch könnten Stadt und Stadtbau nicht tun, da die finanziellen und personellen Möglichkeiten ausgeschöpft seien. Daher bedürfe es eines zusätzlichen Engagements der auf dem Rottweiler Immobilienmarkt tätigen Bauträger und Unternehmen. Es soll nun zu einer Gesprächsrunde kommen, in der die Stadtverwaltung ausloten möchte, wie stark das Interesse von privater Seite aus ist, im sozialen Wohnungsbau aktiv zu werden.

Die Stadt hat noch einmal ihre Idee mit dem Projekt auf dem Hegneberg verteidigt. Es sei in den 90er Jahren extra für Aus- und Übersiedler geschaffen worden. Es handle sich darüber hinaus um fertig erschlossenes und sofort bebaubares Bauland. Es wäre falsch, diese Möglichkeit nicht zu nutzen, so die Verwaltung.