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Rottweil Wie spricht man eigentlich hier?

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Die Mundart kennt Wörter, die allgemein immer weniger bekannt sind. Foto: ©blende11.photo – stock.adobe.com / Montage: Holweger Foto: Schwarzwälder Bote

Kreis Rottweil. In Freiburg geboren und in Tübingen aufgewachsen: Das Thema Mundart scheint nicht unbegründet das Interesse des Dialektexperten Rudolf Bühler geweckt zu haben. In einem Pressegespräch im Landratsamt erläuterte er das aktuelle Forschungs- und Veröffentlichungsprojekt zur Mundart im Kreisgebiet. Dabei solle der aktuelle Sprachstand im Kreisgebiet dokumentiert werden.

Bereits im Frühjahr 2019 habe der Landkreis Rottweil beim dritten Kreisforum den Themenbereich "Dialekt und Identität" in den Fokus gerückt. Wie Kreisarchivdirektor Bernhard Rüth berichtete, befrage Bühler im Sommer dieses Jahres in allen 70 Gemeinden des Landkreises Mundartsprecher aus der älteren und jüngeren Generation. Besonders interessant sei die Sprachlandschaft in diesen Gebieten wegen der Übergangszone zwischen alemannischen und schwäbischen Mundvarianten.

Nach Bühler könne man durch die Forschungsarbeiten geographische Grenzen setzen: Während Menschen auf der Alb zu breit "broat sagen, sei es in Schiltach gängig, das Wort "breit" zu verwenden. Über ein Fragenkatalog befrage Bühler persönlich innerhalb von vier Wochen etwa 100 Personen, die die jeweiligen Gemeindevorstände vermitteln würden, in einem einstündigen Gespräch.

Hierfür gehe er verschiedene Kategorien durch, um einen Querschnitt durch den gesamten Wortschatz zu erhalten. Ob Wortgebrauch in der Landwirtschaft, im Haus, rund um den menschlichen Körper bis zu Zeiteinteilungen – es gehe immer um Lautungen, wie die Wörter ausgesprochen werden, um Grammatik, wie Verben konjugiert werden und um den Wortschatz.

So sei die Kartoffel vielerorts als "Grumbiere" bekannt, andernorts kenne man sie nur als "Erdäpfel". Manche Leute würden sich wundern und es bedauern, dass altbewährte Wörter wie "brünschdig" keinen Gebrauch mehr fänden. Dies bringt Bühler auf die Theorie, dass sich mit den Jahrzehnten auch die Lebensumstände und Tätigkeiten verändert hätten.

Wer also keine Sauen mehr zu Hause beherberge, wie es dazumal gang und gäbe gewesen sei, bräuchte schlichtweg Wörter wie "brünschdig" oder "mischda" nicht mehr.

Auch interessiere den Kulturwissenschaftler die Meinung der Jugend: Welche Erfahrung haben sie mit Dialekten, wie beeinflusst dieser gar die räumliche Orientierung? Ist der Dialekt überhaupt ein Thema bei ihnen, gibt es eine Wertschätzung? Beeinflusst der Dialekt die Identität? Auch dies wolle Bühler in aufgezeichneten Gesprächen abfragen und dokumentieren.

Ganz klar unterscheide er jedoch: "Wir haben nicht vor, den Dialekt zu retten. Auch die Landesregierung will das nicht. Aber wir können Grundlagenforschung betreiben. In welchen Bereichen wird tatsächlich noch Mundart gesprochen und auch wertgeschätzt. Wo sind Unterschiede zwischen Stadt und Land zu erkennen."

Man wolle lediglich ein Bewusstsein schaffen und auch mit Vorurteilen aufräumen. Gebildete Menschen wie Goethe und Schiller hätten in heimischen Mundarten gesprochen, was der Unterstellung der Ungebildetheit und des bäuerlichen Daseins aufgrund von Dialektsprache eindeutig widerspreche, so Rüth.

Zum einen gehe es bei der flächigen Erhebung um die wissenschaftliche Dokumentation inklusive wertvoller Tondokumente wie auch um Publikationen, die sowohl analog gedruckt werden sollen, wie in einer Art Sprachatlas, als auch in digitaler Form niedergeschrieben werden sollen. "Wir haben bereits bei Gemeindevorständen angefragt und stoßen auf reges Interesse. Bedeutende Interviewpartner stellen sich bereitwillig zur Verfügung", so Rüth. Bei derart breitangelegtem Projekt stünden auch rechtliche Vorschriften, wie Einverständniserklärungen bezüglich des Datenschutzes, im Vordergrund, die selbstredend eingehalten würden, so Rüth.

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