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Rottweil Wie aus dem Gesicht geschnitten

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Wie diese Larve einmal aussehen wird, wenn sie gefasst ist? Wer sie tragen wird? Noch ist das Geheimnis nicht gelüftet. Fotos: Graner Foto: Schwarzwälder Bote

Rottweil. Es sieht nach anstrengender Arbeit aus, was Gerhard Weiss tut. Die Hammerschläge treffen den Stechbeitel, Holzspäne fliegen durch die Luft, bedecken nach und nach Werkbank und Fußboden des Hobbyraums, der sich im Keller seines Wohnhauses befindet. Der 68-Jährige weiß, was er tut. Er geht nach einem exakten Plan vor, der in seinem Kopf existiert und den er schon zig mal in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten so oder so ähnlich abgerufen hat. Weiss bearbeitet einen Quader aus Lindenholz, das er in die Werkbank eingespannt hat. Fünf bis sechs Stunden dauert diese Arbeit. Es ist der Anfang einer wundersamen Verwandlung eines Stücks Holz in ein Gesicht voller Anmut und Würde.

Fehler darf man sich bei dieser Arbeit nicht groß erlauben. Ein falscher Hieb, das Messer einmal nicht richtig angesetzt – schon kann die Arbeit von Tagen zunichte gemacht sein. Die Ansprüche sind hoch: "Spachteln gibt es bei mir nicht", sagt etwa Hans-Joachim Ruoß. Auch er ist in seinem Element. Ruoß, 62 Jahre alt, bearbeitet eine Nasenpartie. Eine filigrane Arbeit. "Dabei muss man höllisch aufpassen", sagt er.

Ruoß und Weiss sind Larvenschnitzer aus Rottweil mit Leib und Seele. Sie sind freilich nicht die einzigen in der Stadt, die für ihre schwäbisch-alemannische Fasnetstradition in der ganzen Republik bekannt ist. Rund 20 Kunsthandwerker treffen sich regelmäßig zum Stammtisch in der Gaststätte zur Hochbrücke, tauschen sich aus, diskutieren über ihre Arbeit, treiben gemeinsame Projekte voran. So die Ausstellung in der Volksbank in Rottweil, die am kommenden Sonntag mit geladenen Gästen eröffnet wird. Ausgestellt werden Rottweiler Larven, gezeigt werden verschiedene Arbeitsstadien der Schnitzer.

Gerhard Weiss hat "schon in der Schule gerne geschnitzt, Figuren oder Aschenbecher", berichtet er. Dann, es war zu Beginn der 70er-Jahre, hat ein bereits damals bekannter Rottweiler Larvenschnitzer, Horst Langenfeld, darum gebeten, beim Schleifen zu helfen. Er war knapp dran, erinnert sich Weiss. Langenfeld habe ihn kurz darauf ermuntert, selbst eine Larve zu schnitzen. Auch Hans-Joachim Ruoß hatte einen Wegbegleiter. Dieser hieß Johann Banholzer. "Er war mein Lehrmeister." Beide wurden auch durch Karl Lambrecht geprägt. Lambrecht war lange Jahre Zunftschreiber der Narrenzunft, hat die Larven abgenommen und den Schnitzern entsprechend Hinweise gegeben, wenn die Larve nicht so ausfiel wie von ihm gewünscht. "Lambrecht hat mich auf den Weg gebracht", sagt Gerhard Weiss.

Lange ist es her. Hans-Joachim Ruoß ist inzwischen ein Routinier. In den mehr als 40 Jahren hat er rund 300 Larven geschnitzt. Jedes Jahr sind es circa sechs Stück. Großen Wert legt er auf die Feinheiten, auf die Details. Das beginnt bei der Auswahl des Holzes. Französisches Lindenholz. Das habe weniger Astlöcher als deutsches, so Ruoß. Mehrere Jahre werden die Dielen gelagert, diese dann in Klötze gesägt. 30 Stunden benötigt er, bis eine Larve fertig ist. Zunächst wird die Ovalform des Gesichts herausgearbeitet, dann geht es an Nase, Augen, Kinn und Stirn. Am aufwendigsten ist der Federahannes, sagt er. Ruoß hat hohe Ansprüche. "Die Larve muss so schön sein, dass es mir wehtut, dass ich traurig bin, wenn ich sie hergebe."

Auch Gerhard Weiss kann auf eine lange Zeit als Larvenschnitzer zurückblicken. An die 400 Larven habe er geschnitzt, schätzt er. Ob es ihm Spaß macht? "Für mich soll es einfach ein Hobby sein", sagt er. Wie lange er für ein Exemplar brauche? "Ich schaue nicht auf die Zeit, eine Larve ist fertig, wenn sie mir gefällt", so Weiss. Das Fransenkleidle hat es ihm angetan. "Ein schönes Frauengesicht zu machen, ist nicht einfach, es ist mit am schwierigsten", so Weiss, der viele Jahre als Reiter in einem der Rössle der Rottweiler Fasnet, dem Widmers Fuchs, fungierte.

Tochter Claudia ist in die Fußstapfen des Vaters getreten. Sie ist Fassmalerin. Sie malt nicht allein, sondern mit Christian Bühl. Bühl, der ebenfalls schnitzt und malt, verfügt zu Hause über ein eigenes Fasnetsreich. Ein bis zwei Mal in der Woche kommen sie zusammen, malen bis zu fünf Stunden. Zunächst erhalten die Larven eine weiße Grundierung. Drei bis vier Schichten werden aufgetragen, dazwischen wird geschliffen: Danach folgt die Hautfarbe in einem Ockerton. Die Ölfarben benötigen eine Trockenzeit von drei bis vier Tagen. Die Vertiefungen der Larve werden mit dunklen, die Erhöhungen mit hellen Farbtönen betont. Die verschiedenen Stadien des Farbauftrags werden mit einem Zwischenlack konserviert. 20- bis 25-mal nimmt die Fassmalerin eine Larve in die Hand, bis sie fertig ist.

Während die Schnitzer durch Abtragungen einzelner Holzschichten das Gesicht zum Vorschein bringen, bringt Claudia Maier mit dem Auftragen von Farbschichten Leben in die Larve. "Das ist der Reiz an meiner Arbeit", sagt sie, "die Larve zum Leben zu erwecken." Auch für sie ist das Hobby ein Ausgleich zum Job. "Es macht einfach Spaß."  Für das Publikum geöffnet ist die Ausstellung in der Volksbank Rottweil ab Montag, 8. Januar, zu den Öffnungszeiten der Bank, zusätzlich ist sie an den Sonntagen, 14. und 28. Januar, jeweils von 14 bis 18 Uhr zugänglich.

 

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Armin Schulz

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