Nicht alles ist Müll, was aus dem Internet kommt. Aber auf manchen Seiten, wie auf der des anonymen Rottweiler Bloggers, darf man nichts anderes erwarten. Foto: Nädele; Montage: Jungkind

Giftschlange unter Tarnkappe: Etliche lesen ihn, doch die meisten wollen sich über ihn nicht öffentlich äußern.

Rottweil - Niemand redet gern öffentlich über ihn, aber wenn man dann doch auf ihn, den Rottweiler Blogger, zu sprechen kommt, hat beinahe jeder etwas zu sagen. Darunter ist fast nichts Gutes. So wie am Donnerstagabend beim Besuch des justizpolitischen Sprechers der Grünen-Fraktion im Landtag, Jürgen Filius, im "Ochsen" in Zepfenhan. Die Empörung über unsägliche Formulierungen über die Grünen groß ist. Erstaunlich: Offensichtlich verfolgen etliche Rottweiler Bürger die Veröffentlichungen dieses Unbekannten im Netz. Man regt sich im Stillen auf. Mehr nicht. Oder doch?

Im Internet wirft der Besagte seit Jahren mit verbalem Schmutz um sich, beschimpft viele hier in Rottweil. Lieber lästert er indes über jene, die von auswärts kommen, und Sie, liebe Leser, wissen vermutlich längst, vom wem die Rede ist, ohne – wie wir – zu wissen, wer dieser eine oder diese eine ist. Der Gipfel: Er kann sich dies alles leisten. Aber nur, weil er anonym, unter falschem Namen, mit zwar heruntergelassenem Visier, aber eben nicht mit heruntergelassenen Hosen einen Blog betreibt. Und diesen auch noch mit dem Namen dieser stolzen Stadt etikettiert.

Damit er nicht auffliegt, lässt er seine Hasstiraden über einen Server irgendwo im Ausland laufen. Paradoxerweise greift er da, wo es ihm nützt, auf das von ihm oftmals verschmähte Ausland zurück, wie ein Gesprächspartner spöttisch anmerkt, der seinen Namen aber nicht mit diesem Blog zusammen in der Zeitung lesen will. Verständlich.

Viele schweigen lieber, als darüber zu reden. Warum nur?

Auch Oberbürgermeister Ralf Broß will öffentlich nichts dazu sagen. Die Stadtverwaltung äußert sich grundsätzlicher Art. Publikationen von Bürgern im Internet unterlägen dem Grundrecht auf freie Meinungsäußerung. Das Internet sei ein Medium, das der Beteiligung der Bürger am öffentlichen Meinungsbildungsprozess diene und daher zu begrüßen sei.

Freilich: Würden durch Beleidigungen Persönlichkeitsrechte verletzt oder seien Äußerungen strafrechtlicher Natur, sei dies zu verurteilen. Ansonsten gebe die Verwaltung keine Stellungnahmen zum Inhalt ab, heißt es.

Genau so zurückhaltend ist die Narrenzunft. Dabei hätte sie einen triftigen Grund, sauer zu sein. Schließlich versteckt sich der Blogger namentlich hinter einer Rottweiler Narrenfigur. Doch auch Frank Huber sagt, "wir lesen zwar, aber reagieren nicht drauf. Wir wollen keine Kommunikationsplattform geben".

Keine Berührungsängste hat der Stadtrat Dieter E. Albrecht. Zunächst, so sagt er, empfand er den Blog als Bereicherung der Medienvielfalt. Albrecht hat einen eigenen Zugang und war zwischenzeitlich ebenfalls Blogger. Doch er hat Abstand genommen: "Leider triftete der Blog immer mehr in eine Richtung ab, welche wohl gerade noch so von der Meinungsfreiheit gedeckt ist (?), doch nicht mehr von mir getragen werden kann." Der Stadtrat indes glaubt nicht, wie es der Grünen-Politiker Filius am Donnerstag äußerte, dass diese Internetseite dem Ansehen der Stadt schade. "Es wäre traurig, wenn dies ein solch einzelner Blog schaffen würde."

"Als Vertreter einer kleinen Minderheit", so beschreibt Stadtrat Walter Stegmann den Blogger. Er selbst habe schon ein Jahr lang nicht mehr hineingeschaut. Wer unter einer Tarnkappe schreibe, der sei für ihn uninteressant. Stegmann sagt, es sei für ihn nicht akzeptabel, wenn man nicht als Person für das einstehe, was man äußere. Zumal die auf der besagten Seite veröffentlichten Informationen meist falsch seien, oftmals einen rechtsradikalen Touch hätten.

Stadtrat Arved Sassnick vergleicht den anonymen Schreiber mit der bekannten Fernsehfigur des Ekel Alfred. "Er rotzt und kotzt sich über alles aus, und dies in einem bitterbösen Ton." Er schätzt ihn auf ein Alter zwischen 55 und 65 Jahre, einer, der am rechten Rand der Gesellschaft steht. Sassnick glaubt nicht, dass viele Leute ihn lesen. Und doch würde Sassnick gerne wissen, was man dagegen tun könne. "Wie könnte man ihn outen?", fragt Sassnick.

Ja, wie denn – hat jemand eine Idee?

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