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Rottweil Wenn Türen ohne Hilfe nicht zu öffnen sind

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Silvia Gmelin übt mit den Mädchen Gebärden (links). Sonja Gronmayer erklärt, wie man einen Rollstuhl "lenkt". Foto: Schwarzwälder Bote

Alle Menschen am "normalen Leben" teilhaben zu lassen, so könnte man den Begriff Inklusion umschreiben. Die Aktionsgemeinschaft GIEB bietet im Landkreis Workshops in Kindergärten und Schulen an, in denen sie die Thematik Leben mit einer Behinderung erklärt, beziehungsweise eindrücklich und nachhaltig vermittelt.

Rottweil. "Das geht viel zu schwer", sagt Oda und die Verzweiflung in ihrer Stimme ist deutlich. Sie versucht, im Rollstuhl sitzend, eine Tür zu öffnen. Fehlanzeige. Ohne Hilfe kommt sie hier nicht weiter, das ist ihr schnell klar. Die Achtjährige sitzt heute zum ersten Mal in einem Rollstuhl – testweise. Oda und ihre Freundin Thea sind Teilnehmerinnen des Workshops des Inklusionsprojektes GIEB. Bei dem Projektangebot, das die GIEB überwiegend für Kindergärten, aber auch für Schulklassen konzipiert hat, beschäftigen sich Kinder mit dem Thema Behinderung – theoretisch und in praktischen Übungen.

Projektkoordinatorin Silvia Gmelin heißt die Mädchen willkommen und stellt auch gleich Moni Kimmich, die sie zur Unterstützung mitgebracht hat, vor. Die Kinder rätseln, wofür sie wohl den langen weißen Stock benötigt? "Ich kann kaum noch etwas sehen", erklärt Kimmich den erstaunten Kindern, die sie sofort aufmerksam mustern. Damit hatten sie nicht gerechnet.

"Ich brauche den Stock, wenn ich unterwegs bin, um mich zurecht zu finden". "Und an dem kleinen Button am T-Shirt könnt ihr das erkennen", macht Gmelin aufmerksam. "Der gelbe Button mit den drei schwarzen Punkten ist das Zeichen für eine Sehbehinderung". Aber was spürt man eigentlich mit so einem Stock? "Andere Menschen, Wände, Abgründe...", die Mädels müssen nicht lange überlegen, bis ihnen hierzu etwas einfällt. Richtig vorstellen, wie sich das wohl anfühlt, können sie sich das aber nicht. Moni Kimmich berichtet aus ihrem Alltag, die Mädchen lauschen gespannt.

"Ihr dürft das alles später ausprobieren", sagt Silvia Gmelin. "Wie können Blinde eigentlich lesen, oder Fahrstuhlknöpfe oder Ampeln erkennen?" Die Fragen der beiden wollen gar nicht mehr aufhören. Silvias Gmelin findet für alles die passende Antwort. Die Kinder probieren aus, wie sich Brailleschrift, also die Punktschrift zum Ertasten für Blinde, anfühlt und wie man etwas in Gebärdensprache ausdrückt.

"Cool", findet Thea und mag gar nicht mehr aufhören. Anhand des Plakats mit den verschiedenen Gebärden probiert sie aus und entdeckt auch so manches Zeichen, das "wir ganz automatisch machen", wie sie entzückt feststellt. Beispielsweise Winken, wenn wir Hallo oder Tschüss sagen. Auch das Sandmännchen gibt es in Gebärdensprache auf Youtube. Das wollen sich Oda und Thea am Abend gleich mal anschauen.

Doch jetzt geht es ans Ausprobieren. Schnell ist den Mädchen klar, mit welchen Schwierigkeiten ein Mensch mit Behinderung im Alltag zu kämpfen hat. "Nichts hören zu können wäre furchtbar für mich", erklärt Thea, während sie die dicken blauen Ohrenschützer auf den Ohren hat. "Nicht laufen zu können fände ich ganz schrecklich", sagt Oda, der das Erlebnis mit der nicht zu öffnenden Tür noch immer nachgeht.

Ampeln modernisiert

Umso wichtiger ist, dass alles so gebaut und ausgerichtet ist, dass auch Menschen mit Behinderung sich zurechtfinden können, sind sich die Kinder einig. Derzeit werden in Rottweil beispielsweise die Ampeln modernisiert. Die neuen Ampeln haben alle gelbe "Anforderungskästen", wie die Signalgeber heißen. Sie bieten blinden Fußgängern eine Unterstützung für die Straßenüberquerung. Doch wie das mit Randsteinen und anderen Hindernissen in der Stadt ist, das wollen die Mädels sich demnächst selbst anschauen.

Silvia Gmelin freut sich über dieses Interesse. Neben den Workshops für Kinder bietet die GIEB eine Fortbildungseinheit für Erzieherinnen an. "In etwa eineinhalb Stunden beleuchte ich das Thema Inklusion und Vielfalt von verschiedenen Seiten und gemeinsam erarbeiten wir Chancen und Herausforderungen für Kindergärten", erklärt Silvia Gmelin.

Weitere Informationen: www.gieb-rottweil.de

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