Einer der tödlichen Unfälle im Kreis passierte Ende Juni 2020 auf der B 462. Archiv-Foto: Schönfelder Foto: Schwarzwälder Bote

Bilanz: Polizei: Fast überall Rückgänge

Nachdem die Polizei bereits zum ersten Halbjahr 2020 deutlich sinkende Unfallzahlen bilanzierte, hielt dieser Trend in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg auch in der zweiten Jahreshälfte an.

Kreis Rottweil. Die Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2020 weist den Angaben des Präsidiums in Konstanz zufolge beachtliche Rückgänge in fast allen Bereichen auf. Die Gesamtzahl sei von 20 849 Verkehrsunfällen im Jahr 2019 um 17,1 Prozent auf 17 285 im Jahr 2020 zurückgegangen.

Zurückgegangen sei damit einhergehend die Zahl getöteter oder verletzter Personen. Dies entspreche dem Landestrend. "Ohne Zweifel sind die Rückgänge, so erfreulich sie auch sind, vor allem auf die Pandemielage und den damit verbundenen zweimaligen Lockdown zurückzuführen, der zu einer deutlichen Reduzierung des motorisierten Straßenverkehrs führte", erklärt der Leiter des Präsidiums Konstanz, Polizeipräsident Gerold Sigg.

Die Anzahl der Unfälle mit Verletzten sank präsidiumsweit um 4,6 Prozent von 2400 im Jahr 2019 auf 2289 im vergangenen Jahr, die Zahl der Getöteten von 33 auf 30 (minus 9,1 Prozent), die Zahl der Schwerverletzten von 590 auf 554 (minus 6,1 Prozent) und bei den Unfällen mit Leichtverletzten registrierte man einen Rückgang um 10,6 Prozent von 2548 auf 2279.

Im direkten Zusammenhang mit der Corona-Pandemie und dem damit veränderten Freizeitverhalten stehe die Entwicklung bei den Fahrradunfällen. Es gebe einen erheblichen Zuwachs. So stieg deren Zahl um knapp 20 Prozent von 768 in 2019 auf 920 im Laufe des Jahres 2020. Insbesondere der starke Anstieg bei den Fahrradunfällen außerhalb der geschlossenen Ortschaften sei ein Indiz dafür, dass dieser auf das genannte veränderte Freizeitverhalten zurückzuführen sei, denn hier sei ein Anstieg um 92 Prozent zu verzeichnen.

Erfreulich dagegen sei der wiederholte Rückgang bei den Unfallzahlen der motorisierten Zweiräder. Dabei fiel deren Zahl um sieben Prozent und der Anteil an Personenschäden um 3,7 Prozent. 2019 bilanzierte die Polizei 460 Kollisionen, ein Jahr später waren es noch 428. Und dies trotz auch hier verändertem Freizeitverhalten.

Biker bleiben im Fokus der Polizeibeamten

Unabhängig von den Unfallzahlen seien schwerpunktmäßige Geschwindigkeitskontrollen deshalb auch in der kommenden Saison unabdingbar, betont die Polizei. Spezialisten der Verkehrspolizei würden auch wieder die Motorräder selbst unter die Lupe nehmen, da immer wieder Fahrzeuge auffielen, die nicht nur zu schnell unterwegs seien, sondern technisch unzulässig verändert worden seien und viel Lärm produzierten.

Bei den Risikogruppen "Kinder, junge Erwachsene und Senioren" stellte das Polizeipräsidium ebenfalls rückläufige Zahlen fest. Den 2020 von der Polizei aufgenommenen 108 Unfällen mit Kindern stehen 127 Unfälle aus dem Vorjahr gegenüber. Die Zahl der getöteten Kinder sank von drei auf eins. "Jedes Todesopfer ist immer eines zu viel", so Polizeipräsident Sigg, auch im Hinblick auf die zwei Todesfälle, die sich bei den 1499 Unfällen der besonders gefährdeten Risikogruppe der jungen Fahrer ereigneten (im Vorjahr 1792).

Das Bild im Landkreis Rottweil: Waren im Jahr 2019 noch 3351 Unfälle von den Polizeibeamten aufgenommen worden, sank die Zahl im Jahr 2020 auf 2830 (minus 15,5 Prozent). Ebenso verhielt sich auch die Entwicklung der Unfälle mit Personenschäden. Diese gingen um 28 zurück von 369 auf 341 Verkehrsunfälle. Hier ist aber auch eine traurige Steigerung festzustellen: Im Landkreis verunglückten im Jahr 2020 insgesamt elf Personen tödlich, im Vorjahr waren es noch zehn.

Im Schwarzwald-Baar-Kreis fielen die Gesamtunfallzahlen von 5674 auf 4831 (minus 14,9 Prozent), wobei die Unfälle mit Personenschaden von 564 auf 542 (3,9 Prozent) zurückgingen. Die Zahl der Todesopfer sank von neun auf sieben.

Im Landkreis Tuttlingen ging die Zahl der Unfälle mit Personenschaden ebenfalls zurück. Wurden 2019 noch 321 Unfälle registriert, waren es im Jahr 2020 noch 310, was einem Rückgang von 3,4 Prozent entspricht.

Insgesamt gab es auch hier weniger Unfälle. Diese gingen deutlich von 3920 Unfällen auf 3067 zurück (minus 21,8 Prozent). Auch im Kreis Tuttlingen sank die Zahl der Unfalltoten von acht im Jahr 2019 auf sechs im Jahr 2020.

Unfallursache Nummer 1 bleibt die Raserei

Ein Hauptaugenmerk der polizeilichen Verkehrsüberwachung werde auch künftig bei der Bekämpfung der Unfallursache Nummer 1 liegen, der überhöhten Geschwindigkeit. Ein großer Prozentsatz der durch die Polizeibeamten im Jahr 2020 aufgenommenen Verkehrsunfälle sei auf eine Überschreitung der höchstzulässigen oder auf nicht angepasste Geschwindigkeit zurückzuführen.

Sorge bereiteten dem Polizeichef weiterhin illegale Autorennen auf den Autobahnabschnitten und mehrspurig ausgebauten Bundesstraßen im Landkreis Konstanz und darüber hinaus. Sie stellten ein immenses Risiko dar, das unbeteiligte Verkehrsteilnehmer sehr häufig größten Gefahren aussetze. "So etwas ist unverantwortlich und zu Recht mit empfindlichen Sanktionen belegt", äußert Sigg. Insgesamt 34 Fahrzeugführer wurden wegen illegaler Fahrzeugrennen im zurückliegenden Jahr angezeigt. In einigen Fällen waren die Autos gemietet, die meist jungen Fahrer stammten aus dem Ausland.

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